1 Allgemeine Beschreibung der Merkmale der Flussgebietseinheit

1.1 Allgemeine Merkmale des Flussgebietes

Geografischer und administrativer Überblick

Die Elbe entspringt im tschechischen Teil des Riesengebirges in einer Höhe von 1.386,3 m ü. NN und mündet bei Cuxhaven in die Nordsee (Abbildung 1.1). Sie hat eine Länge von 1.094,3 km. Davon befinden sich 727,0 km (66,4 %) in Deutschland und 367,3 km (33,6 %) in der Tschechischen Republik. Der Elbehauptstrom wird in die Obere, Mittlere und Untere Elbe unterteilt (Tabelle 1.1).

Tabelle 1.1: Einteilung des Elbehauptstromes (Quelle: IKSE, 2005)
Einteilung der Elbe Elbeabschnitte Elbelänge [km] Einzugsgebiet [km²]
Obere Elbe Elbequelle bis zum Übergang zum Norddeutschen Tiefland beim Schloss Hirschstein (Elbe-km 96,0 auf deutschem Gebiet) 463 54.170
Mittlere Elbe Schloss Hirschstein (Elbe-km 96,0) bis zum Wehr Geesthacht (Elbe-km 585,9) 489 80.843
Untere Elbe Wehr Geesthacht (Elbe-km 585,9) bis zur Mündung in die Nordsee an der Seegrenze in Höhe Cuxhaven-Kugelbake (Elbe-km 727,7) 142 13.255
Elbe gesamt   1.094 148.268

 

Die Größe des Gesamteinzugsgebiets der Elbe beträgt 148.268 km². Die Hauptnebenflüsse sind auf tschechischem Gebiet die Moldau mit einem Einzugsgebiet von 28.090 km² und in Deutschland die Saale mit 24.167 km², die Havel mit 23.860 km², die Mulde mit 7.400 km² und die Schwarze Elster mit 5.705 km². Weitere bedeutende Teileinzugsgebiete sind die Spree mit 9.800 km², die Berounka mit 8.861 km², die Unstrut mit 6.343 km², die Weiße Elster mit 5.154 km² und die grenzüberschreitende Eger mit 5.614 km². Der Nord-Ostsee-Kanal ist ein künstlicher Wasserkörper mit einem Einzugsgebiet von 1.580 km². Damit ist er Schleswig-Holsteins zweitgrößter Vorfluter mit einer durchschnittlichen Entwässerungsleistung von 20 m³/s und von besonderer Bedeutung für die Entwässerung von teilweise unter dem Meeresspiegel liegenden Gebieten.

Bedeutende natürliche stehende Gewässer sind die Müritz (112,6 km²), der Schweriner See (60,6 km²), der Plauer See (38,8 km²) und der Kölpinsee (20,3 km²) im Einzugsgebiet der Elde und der Schaalsee (23,3 km²) im Einzugsgebiet der Sude. Größere Talsperrenseen im deutschen Elbegebiet sind die Talsperren Bleiloch (9,2 km²) und Hohenwarte (7,3 km²) im Einzugsgebiet der Saale, die Talsperre Bautzen (5,9 km²) im Einzugsgebiet der Spree sowie die Talsperre Eibenstock (3,9 km²) im Einzugsgebiet der Mulde. Größter See infolge der Füllung von ehemaligen Braunkohletagebauen (Restlöchern) ist mit ca. 18 km² der Geiseltalsee im Einzugsgebiet der Saale.

Mehr als die Hälfte der Gesamtfläche des Elbeeinzugsgebiets liegt unter 200 m ü. NN. und ist damit im Wesentlichen dem Norddeutschen Tiefland zuzuordnen. Demgegenüber sind nur ca. 30 % des Einzugsgebiets mit Höhen über 400 m ü. NN, d. h. dem Mittelgebirge zuzurechnen.

Abbildung 1.1: Topografische Übersichtskarte des Einzugsgebiets der Elbe
Abbildung 1.1: Topografische Übersichtskarte des Einzugsgebiets der Elbe

Die FGE Elbe umfasst neben der Binnenelbe auch die der Tideelbe vorgelagerten Küstengewässer der Nordsee und die Insel Helgoland, die etwa 60 km vor der Küste liegt. Die Küstenlinie entlang der Tideelbe (von Friedrichskoog-Spitze in Schleswig-Holstein über Hamburg mit der Elbinsel Wilhelmsburg bis Cuxhaven in Niedersachsen) hat eine Länge von etwa 347 km. An der Mündung, zwischen Friedrichskoog-Spitze und Cuxhaven, ist die Tideelbe über 15 km breit. Bei Wedel am Hamburger Stadtrand beträgt die Breite noch etwa 800 m, bei Geesthacht nur noch etwa 300 m. Das Wehr in Geesthacht stellt die obere Tidegrenze dar. Bei normalen Tiden ist die Staustufe Geesthacht die Grenze für den von Ebbe und Flut beeinflussten Bereich. Wenn der Wasserabfluss über 1.200 m³/s liegt, sind die Wehröffnungen durch Absenken der Sektoren vollständig freigegeben, so dass ein ungehinderter Durchfluss gegeben ist.

Deutschland hat einen Anteil von 96.269 km² (65,54 %) an der Einzugsgebietsfläche der Elbe, die Tschechische Republik einen Anteil von 49.933 km² (33,68 %). Kleinere Anteile verteilen sich auf Österreich (921 km² = 0,62 %) und die Republik Polen (239 km² = 0,16 %). Die Elbe ist damit nach der Fläche des Einzugsgebiets der viertgrößte Fluss Mittel- und Westeuropas. Die Landesflächenanteile der zehn Bundesländer, die vollständig bzw. teilweise im Einzugsgebiet der Elbe liegen, variieren zwischen 2,8 % bei Bayern und 100 % im Falle von Berlin und Hamburg (Tabelle 1.2).

Tabelle 1.2: Flächenanteile (ohne Gewässer) der deutschen Bundesländer im deutschen Einzugsgebiet der Elbe (Quelle: Statistische Landesämter, 2013)
Bundesland Flächen der Bundesländer im Einzugsgebiet Flächenanteil an der Landesfläche
  [km²] [%] [%]
Bayern (BY) 1.976 2,0 2,8
Berlin (BE) 892 0,9 100
Brandenburg (BB) 23.412 24,4 80
Hamburg (HH) 755 0,8 100
Mecklenburg-Vorpommern (MV) 6.176 6,3 26,5
Niedersachsen (NI) 9.021 9,6 19,4
Sachsen (SN) 17.591 18,2 95,8
Sachsen-Anhalt (ST) 19.752 20,4 96,6
Schleswig-Holstein (SH) 5.773 6,4 39,4
Thüringen (TH) 10.921 11,0 65,0
Summe/Mittelwert 96.269 100 62,6

 

Um eine fachlich fundierte, effektive und koordinierte Vorgehensweise für eine integrierte Gewässerbewirtschaftung zu gewährleisten, wurde im Rahmen der Umsetzung der WRRL vereinbart, die Flussgebietseinheit nach hydrologischen Gesichtspunkten in zehn Koordinierungsräume entsprechend den Einzugsgebieten der Nebengewässer zu unterteilen. Diese werden auch für die Umsetzung der HWRM-RL genutzt. Informationen zu den fünf Koordinierungsräumen, für die Deutschland federführend zuständig ist, können der Tabelle 1.3 entnommen werden.

Tabelle 1.3: Daten der Koordinierungsräume, für die Deutschland federführend zuständig ist
Name Tideelbe Mittlere Elbe/Elde Havel Saale Mulde-Elbe-Schwarze Elster
Abkürzung TEL MEL HAV SAL MES
Fläche [km²] 15.921 16.551 23.860 24.167 18.738
Fläche in Deutschland [km²] 15.921 16.551 23.790 24.068 18.074
Fläche in Deutschland [%] 100 100 99,7 99,6 96
Beteiligte Bundesländer HH, SH, NI, ST BB, MV, NI, SH, ST BB, BE, MV, SN, ST BY, NI, SN, ST, TH BB, SN, ST, TH

Darüber hinaus gibt es drei Koordinierungsräume, an denen Deutschland einen Anteil hat, die jedoch federführend von der Tschechischen Republik betreut werden (Tabelle 1.4). Die Koordinierungsräume umfassen jeweils ein oder mehrere hydrologische Teileinzugsgebiete der Elbe. Damit kann sowohl den wasserwirtschaftlichen als auch den administrativen Gegebenheiten in der FGE Elbe Rechnung getragen werden.

Tabelle 1.4: Daten der deutschen Anteile an Koordinierungsräumen mit tschechischer Federführung
Name Eger und Untere Elbe* Berounka Obere Moldau
Abkürzung ODL BER HVL
Fläche [km²] 9.569 8.872 11.986
Fläche in Deutschland [km²] 922 56 75
Fläche in Deutschland [%] 9,6 1 1
Beteiligte Bundesländer BY, SN BY BY
* Der Begriff „Untere Elbe“ für den Koordinierungsraum bezieht sich auf die Untere Elbe in der Tschechischen Republik. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Naturraum Untere Elbe.

Innerhalb der Koordinierungsräume wurden für die Maßnahmenplanung nach WRRL 58 Planungseinheiten mit einer Fläche von 300 bis 5.600 km² ausgewiesen, die in der Regel mehrere Wasserkörper zusammenfassen.

Klima und hydrologische Verhältnisse

Das Einzugsgebiet der Elbe befindet sich im Bereich des Übergangs vom feuchten ozeanischen Klima Westeuropas zum trockenen kontinentalen Klima Osteuropas. Bedeutender maritimer Einfluss liegt nur im Unterlauf der Elbe vor.

Die Niederschläge innerhalb des (deutschen) Elbeeinzugsgebiets sind sehr unterschiedlich verteilt. Aufgrund des kontinentalen Einflusses treten im Tiefland Gebiete mit mittleren jährlichen Niederschlägen unter 500 mm auf, u. a. im Mitteldeutschen Trockengebiet (Sachsen-Anhalt) und im Kern des Thüringer Beckens (Thüringen) (Deutscher Wetterdienst 2011). Die höchsten mittleren Jahresniederschlagshöhen werden mit ca. 1.800 mm auf dem Brocken im Harz sowie mit 1.150 bis 1.250 mm im Böhmerwald bzw. Thüringer Wald erreicht. In den mittleren und höheren Lagen des Einzugsgebiets fällt ein bedeutender Anteil des Niederschlags als Schnee.

Die Elbe zählt aufgrund ihrer Durchflussparameter und ihrer Regimekennziffern zu den Flüssen des Regen-Schnee-Typs. Das Abflussverhalten wird wesentlich durch Schneespeicherung und Schneeschmelze beeinflusst und daher vorwiegend durch Winter- und Frühjahrshochwasser geprägt. Ausnahmen mit erheblichen Sommerniederschlägen stellen sog. „Vb-Wetterlagen“ dar, die wie z. B. im August 2002 und im Juni 2013 zu extremen Hochwasserereignissen in der Elbe führen können. Winterhochwasser in der Elbe, wie 2006 und 2011, entstehen hauptsächlich infolge intensiver Schneeschmelze bis in die Kammlagen der Mittelgebirge in Verbindung mit großflächigem ergiebigem Regen. Die Schneeschmelze allein löst in der Regel keine großen Hochwässer aus (IKSE 2005).

Einer mittleren Niederschlagshöhe von 628 mm steht eine Verdunstungshöhe von 445 mm gegenüber. Das bedeutet, dass im Mittel 71 % des Niederschlags verdunsten. Über 60 % des mittleren Jahresabflusses fließen im Winterhalbjahr ab. Im langjährigen Mittel ergibt sich daraus am Pegel Schöna am tschechisch-deutschen Grenzprofil ein Durchfluss von 311 m³/s bzw. 9,8 Mrd. m³/a. Der mittlere gemessene Durchfluss am Pegel Neu Darchau bei Geesthacht, dem Übergang zum Bereich der Unteren Elbe bzw. Tideelbe, beträgt ca. 708 m³/s. In der Unteren Elbe (Tideelbe) bis zum Wehr Geesthacht werden das Abflussverhalten und die Wasserstände durch Ebbe und Flut geprägt. An der Mündung der Elbe in die Nordsee liegt der langjährige mittlere Abfluss bei 861 m³/s bzw. 27,2 Mrd. m³/a. Die Küstenniederung wird durch eine geschlossene Deichlinie vom Tidegeschehen im Ästuar getrennt. Die von eindringendem Meerwasser bedrohten Küstengebiete weisen an der tiefsten Stelle eine Geländehöhe von 3 Meter unter NN auf.

Abbildung 1.2: Elbe mit Frachtschiff im Bereich Schrammsteine in Sachsen (Quelle: Manfred Simon)
Abbildung 1.2: Elbe mit Frachtschiff im Bereich Schrammsteine in Sachsen (Quelle: Manfred Simon)
Abbildung 1.3: Stadt Havelberg (Quelle: FGG Elbe)
Abbildung 1.3: Stadt Havelberg (Quelle: FGG Elbe)
Abbildung 1.4: Kugelbake in Cuxhaven (Quelle: FGG Elbe, 2010)
Abbildung 1.4: Kugelbake in Cuxhaven (Quelle: FGG Elbe, 2010)

Bevölkerung und Landnutzung

Nahezu die Hälfte der Fläche des deutschen Teils des Einzugsgebiets werden ackerbaulich genutzt (Abbildung 1.5). Zusammen mit der Grünlandnutzung sind damit ca. 60 % der Einzugsgebietsfläche landwirtschaftliche Nutzfläche. Nur etwas mehr als ein Viertel der Fläche sind Wälder. Das ist geringfügig weniger als im Durchschnitt in Deutschland.

Im internationalen Einzugsgebiet der Elbe leben 24,52 Mio. Einwohner, davon 75,4 % in Deutschland, 24,3 % in der Tschechischen Republik und ca. 0,3 % in Österreich und der Republik Polen. Die größten Städte im deutschen Einzugsgebiet der Elbe sind die beiden Millionenstädte Berlin und Hamburg sowie mit jeweils über 500.000 Einwohnern Leipzig und Dresden. Die großen Städte sind auch die Regionen mit der größten Arbeitsplatzdichte und Konzentration von Industrie. Wesentliche Industriebereiche sind die chemische und pharmazeutische Industrie, Zellstoff- und Papierindustrie, Maschinenbau, Nahrungsmittelindustrie, Bergbau und Mineralöl verarbeitende Betriebe, die neben der kommunalen Abwasserbeseitigung auch zu einer Gewässerbelastung beitragen.

Abbildung 1.5: Flächennutzung des deutschen Teils des Einzugsgebiets (Quelle: Corine Landcover 2006, Aggregation nach Hydrologischem Atlas Deutschland)
Abbildung 1.5: Flächennutzung des deutschen Teils des Einzugsgebiets (Quelle: Corine Landcover 2006, Aggregation nach Hydrologischem Atlas Deutschland)