1.2.2 Ökoregionen und Oberflächenwasserkörpertypen im Einzugsgebiet

Die Gewässertypisierung ist die Grundlage für die sich an biozönotischen Gegebenheiten orientierende Bewertung und Bewirtschaftung der Gewässer nach WRRL. In Deutschland wurde nach Anhang II WRRL, System B, typisiert. Auf dieser Grundlage können 25 Fließgewässertypen unterschieden werden; davon vier für die Ökoregionen der Alpen und des Alpenvorlandes, acht für das Mittelgebirge, neun für das Norddeutsche Tiefland und vier unabhängige Typen. Die Fließgewässertypen werden teilweise in Subtypen untergliedert. Im deutschen Teil des Elbeeinzugsgebiets nehmen entsprechend der naturräumlichen Gliederung die Ökoregionen Mittelgebirge und Norddeutsches Tiefland einen hohen Anteil sowohl an der Wasserkörperanzahl als auch an der Fließlänge ein. Dementsprechend sind der Ökoregion 9 (Mittelgebirge) 594 Fließgewässer mit 33 % der Gesamtfließlänge aller Fließgewässer zugeordnet und der Ökoregion 14 (Norddeutsches Tiefland) 1.076 Fließgewässer mit 40 % der Gesamtfließlänge zuzurechnen. 1.109 Fließgewässer (27 % der Gesamtfließlänge) gehören zu den ökoregionunabhängigen Typen. Tabelle 1.6 gibt eine Übersicht über die Unterteilung in Typen.

Tabelle 1.6: Fließgewässertypen im deutschen Einzugsgebiet der Elbe
Ökoregion Typ Bezeichnung Anzahl OWK Anteil an der Fließlänge [%]
  5 Grobmaterialreiche, silikatische Mittelgebirgsbäche 362 14,3
  5.1 Feinmaterialreiche, silikatische Mittelgebirgsbäche 3 0,1
  6 Feinmaterialreiche, karbonatische Mittelgebirgsbäche 123 7,4
  6_k Feinmaterialreiche, karbonatische Mittelgebirgsbäche (Keuper) 14 1,9
9: Mittelgebirge,
Höhe ca. 200 – 800 m und höher
7 Grobmaterialreiche, karbonatische Mittelgebirgsbäche 11 1,3
  9 Silikatische, fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse 55 2,8
  9.1 Karbonatische, fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse 9 1,9
  9.1_K Karbonatische, fein- bis grobmaterialreiche Mittelgebirgsflüsse (Keuper) 2 0,4
  9.2 Große Flüsse des Mittelgebirges 13 2,3
  10 Kiesgeprägte Ströme 2 0,3
  14 Sandgeprägte Tieflandbäche 457 13,1
  15 Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse 111 5,7
  15_groß Große sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse 28 1,1
  16 Kiesgeprägte Tieflandbäche 290 10,4
14: Norddeutsches
Tiefland,
Höhe < 200 m
17 Kiesgeprägte Tieflandflüsse 52 3,7
  18 Löss-lehmgeprägte Tieflandbäche 36 1,4
  20 Sandgeprägte Ströme 13 2,1
  22.1 Kleine und mittelgroße Gewässer der Marschen 74 1,9
  22.2 Große Gewässer der Marschen 14 0,7
  22.3 Ströme der Marschen 1 0,1
  11 Organisch geprägte Bäche 208 6,0
  12 Organisch geprägte Flüsse 28 1,1
Ökoregion-
unabhängige Typen
19 kleine Niederungsflüsse in Fluss- und Stromtälern 727 17,4
  21 Seeausflussgeprägte Flüsse 131 1,5
  21_N Seeausflussgeprägte Flüsse des Norddeutschen Tieflandes (Nord) 6 0,1
  77 Sondertyp Schifffahrtskanäle 9 1,0

 

Für die Typisierung der Seen ergaben sich für die Bundesrepublik Deutschland 14 Seentypen, von denen zehn im deutschen Einzugsgebiet der Elbe vertreten sind (Tabelle 1.7). Die meisten Seen (322) liegen im Norddeutschen Tiefland. Der Ökoregion „Mittelgebirge“ konnten dagegen nur 35 der Seen zugeordnet werden. Weitere vereinzelt auftretende Seentypen (z. B. Abgrabungsseen, huminstoffgeprägte Seen und elektrolytreiche Seen) lassen sich mit dem vorliegenden Typisierungssystem zunächst nicht erfassen und werden in der Rubrik „Sondertypen“ geführt.

Tabelle 1.7: Standgewässertypen im deutschen Einzugsgebiet der Elbe
Ökoregion Typ Bezeichnung Anzahl der Seen Anteil an der Fläche [%]
  5 Kalkreicher*, geschichteter*** Mittelgebirgssee mit relativ großem Einzugsgebiet** 15 3,6
  6 Kalkreicher, ungeschichteter Mittelgebirgssee mit relativ großem Einzugsgebiet 8 2,5
9: Mittelgebirge,
Höhe 200 – 800m und höher
7 Kalkreicher, geschichteter Mittelgebirgssee mit relativ kleinem Einzugsgebiet 2 2,0
  8 Kalkarmer, geschichteter Mittelgebirgssee mit relativ großem Einzugsgebiet 9 1,5
  9 Kalkarmer, geschichteter Mittelgebirgssee mit relativ kleinem Einzugsgebiet 1 0,1
  10 Kalkreicher, geschichteter Flachlandsee
mit relativ großem Einzugsgebiet
96 19,7
  11 Kalkreicher, ungeschichteter Flachlandsee mit relativ großem Einzugsgebiet und einer Verweilzeit > 30 d 102 20,5
14: Norddeutsches Tiefland,
Höhe < 200 m
12 Kalkreicher, ungeschichteter Flachlandsee mit relativ großem Einzugsgebiet und einer Verweilzeit > 3 d und < 30 d 54 16,1
  13 Kalkreicher, geschichteter Flachlandsee
mit relativ kleinem Einzugsgebiet
59 21,4
  14 Kalkreicher, ungeschichteter Flachlandsee mit relativ kleinem Einzugsgebiet 11 11,9
Sondertypen 88 Sondertyp natürlicher See
(z. B. Moorsee, Strandsee usw.)
2 0,3
  99 Sondertyp künstlicher See
(z. B. Abgrabungsseen)
2 0,5

* kalkreiche Seen: Ca2+ (Kalzium-Ionen) ≥ 15 mg/l; kalkarme Seen: Ca2+ < 15 mg/l
** relativ großes Einzugsgebiet: Verhältnis der Fläche des oberirdischen Einzugsgebiets (mit Seefläche) zum Seevolumen (Volumenquotient VQ) > 1,5 m²/m³, relativ kleines Einzugsgebiet: VQ ≤ 1,5 m²/m³
*** Ein See wird als geschichtet eingeordnet, wenn die thermische Schichtung an der tiefsten Stelle des Sees über mindestens 3 Monate stabil bleibt.

 

Im Einzugsgebiet der Elbe befindet sich ein Wasserkörper des Typs T1 „Übergangsgewässer Elbe, Weser, Ems“. Außerdem wurden fünf Küstenwasserkörper ausgewiesen, die verschiedenen Küstengewässertypen zugeordnet werden (Tabelle 1.8).

Tabelle 1.8: Küstengewässertypen der Elbe
Räumliche Zuordnung Typ Bezeichnung Anzahl der Wasserkörper
Küstengewässer der Nordsee N3 polyhaline offene Küstengewässer 1
N4 polyhalines Wattenmeer 2
N5 euhalines, felsgeprägtes Küstengewässer um Helgoland 1
    untypisiert 1

 

Bei dem untypisierten Wasserkörper handelt es sich um das "Küstenmeer Elbe", also um den Wasserkörper, der Helgoland umgibt. Durch seine Lage außerhalb der Grenze Basislinie plus eine Seemeile ist er nur chemisch zu untersuchen. Eine ökologische Bewertung ist nicht vorgesehen. Damit entfällt auch eine Typisierung.

Die im deutschen Einzugsgebiet der Elbe ausgewiesenen Gewässertypen und die Ökoregionen sind in Karte 1.2 für die FGG und Koordinierungsräume dargestellt.