13.4 Ergänzung/Fortschreibung von Bewertungsmethodiken und Überwachungsprogrammen, Veränderungen bei der Zustandsbewertung mit Begründungen

13.4.1 Ergänzung/Fortschreibung der Bewertungsmethodik

Oberflächengewässer

Die Bewertungsmethoden für den ökologischen und chemischen Zustand der Oberflächengewässer wurden seit der Erstellung des Bewirtschaftungsplans 2009 weiter fortgeschrieben und harmonisiert. Auf Bundesebene hat die LAWA eine Handlungsempfehlung für die Zustandsbewertung von Oberflächengewässern erstellt, die u.a. die Untersuchungsverfahren für die biologischen Qualitätskomponenten (LAWA 2012d) und für die chemischen sowie unterstützenden physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten (LAWA 2012c, LAWA 2013h, LAWA 2013e, LAWA 2013f) enthält und auch zukünftig angepasst und fortgeschrieben wird.

Um die Vergleichbarkeit der Einstufung des ökologischen Zustands zwischen den Mitgliedstaaten zu gewährleisten, werden seit 2004 die nationalen biologischen Bewertungsmethoden auf EU-Ebene interkalibriert. In der ersten Interkalibrierungsphase von 2004-2006 wurde nur das Verfahren für das Phytoplankton der Seen abschließend bearbeitet. Dennoch wurde dieses Verfahren im ersten BPZ noch nicht überall angewandt. Andere Verfahren wurden nur teilweise interkalibriert. Hierzu zählen die Bewertungsmethodik für Makrozoobenthos bei den Fließgewässern, für Makrophyten/Phytobenthos bei Fließgewässern und Seen sowie alle relevanten Komponenten bei den Küstengewässern. Für Übergangsgewässer wurden hingegen keine Bewertungsmethoden interkalibriert. In der zweiten Interkalibrierungsphase von 2008-2011 wurden die Ergebnisse der 1. Phase fortgeschrieben und an die Anforderungen der überarbeiteten CIS-Leitlinie Nr. 14 „Interkalibrierung 2008-2011“ (Europäische Kommission 2011) angepasst sowie weitere Verfahren auf EU-Ebene harmonisiert. Vollständig interkalibriert sind mittlerweile u. a. die Verfahren für Makrophyten/Phytobenthos und Makrozoobenthos für die Seen und Fließgewässer (exkl. sehr große Flüsse) und für die Fische in den Übergangsgewässern und Fließgewässern (exkl. sehr große Flüsse). Alle noch nicht vollständig interkalibrierten Bewertungsverfahren, wie z.B. zu bestimmten Biokomponenten der Küsten- und Übergangsgewässer und für die „sehr großen Flüsse“ bei den Fließgewässern sollen im Zuge der Fortführung der Interkalibrierungsarbeiten in der 3. Phase bis 22.12.2016 abgeschlossen werden. Ein Großteil der Ergebnisse der 2. Interkalibrierungsphase ist im Rahmen von Anpassungen und Überarbeitungen der nationalen Bewertungssysteme bereits sukzessive eingeflossen. Dies kann dazu führen, dass durch höhere Anforderungen die ursprüngliche erwartete Wirkung der Maßnahmen zum Teil durch die strengere Bewertung kompensiert wurde. Für die weiterhin offenen Komponenten und Parameter werden wie bisher die nationalen Bewertungsverfahren für die Zustandsbeschreibungen herangezogen. Dies birgt die Unsicherheit, dass zukünftig noch Änderungen der Klassengrenzen oder Bewertungskriterien im Rahmen der Fortführung der Interkalibrierung möglich sind und diese Auswirkungen auf die Bewertung der Überwachungsergebnisse haben.

Bei der Einstufung des ökologischen Zustands sind „Chemische Qualitätskomponenten“ im Bewirtschaftungsplan 2009 nach den Länderverordnungen zwar bereits einheitlich berücksichtigt, aber für den aktualisierten Bewirtschaftungsplan nun auf Basis der erweiterten Stoffliste der Anlage 5 der OGewV als „Flussgebietsspezifische Schadstoffe“ bewertet worden.

Bei den erheblich veränderten und künstlichen Wasserkörpern gab es im Bewirtschaftungsplan 2009 noch kein bundesweit einheitliches Bewertungsverfahren für das „gute“ ökologische Potenzial. Einige Bundesländer wählten damals einen maßnahmenorientierten Ansatz („Prager Verfahren“). In anderen Bundesländern erfolgte bereits eine biologische Bewertung des ökologischen Potenzials wie z. B. durch Typwechsel. Es gab auch kombinierte Ansätze, die das „Prager Verfahren“ mit dem „CIS-Verfahren“ (Europäische Kommission 2003b) verbanden. Eine Harmonisierung erfolgte erst 2012 (LAWA 2012c, LAWA 2013h, LAWA 2013e, LAWA 2013f). Aus dem Grund sind die Ergebnisse von 2009 nur zum Teil mit denen von 2013 vergleichbar. Daher ist im Kap. 13.4.3 nur ein eingeschränkter Vergleich möglich.

Beim chemischen Zustand erfolgte die Bewertung im Bewirtschaftungsplan 2009 auf Basis der in den Länderverordnungen festgelegten UQN für Schadstoffe und zusätzlich im Vorgriff auf die RL 2008/105/EG. Mit der Umsetzung der RL 2008/105/EG in deutsches Recht durch die OGewV gibt es seit 2011 deutschlandweit einheitliche UQN für prioritäre Stoffe und bestimmte andere Schadstoffe. Eine Überprüfung der Liste der prioritären Stoffe durch die EU hat zu teils geänderten UQN und Biota-UQN für bereits gelistete Schadstoffe und zur Aufnahme neuer Stoffe mit UQN geführt. Diese sind in der RL 2013/39/EU geregelt und werden mit der Novelle der OGewV in nationales Recht umgesetzt (siehe Kap. 13.4.3).

Grundwasser

Seit dem Bewirtschaftungsplan 2009 wurden im Grundwasser mit Inkrafttreten der GrwV 2010 die Bewertungsmethoden vereinheitlicht und fortgeschrieben. Die Bewertung des chemischen Zustands erfolgt hierbei auf Grundlage der in Anlage 2 der GrwV festgelegten Schwellenwerte. Diese entsprechen für Nitrat und Pestizide den Grundwasserqualitätsnormen gemäß RL 2006/118/EG und basieren für die übrigen Parameter auf den sog. „Geringfügigkeitsschwellenwerten“, die 2004 für ca. 90 Parameter durch die LAWA abgeleitet wurden. Durch methodisch-analytische Weiterentwicklung konnten zudem neue Erkenntnisse bei der Ermittlung der Nitratkonzentration im Sickerwasser gewonnen werden. Darüber hinaus wird nunmehr ein Grundwasserkörper gemäß § 7 GrwV einheitlich dann in den „schlechten“ chemischen Zustand eingestuft, wenn die den Schwellenwert überschreitende Fläche ≥ 1/3 der Grundwasserkörperfläche beträgt.

Die Bewertung des mengenmäßigen Zustands erfolgte bereits 2009 über die Auswertung langfristiger Grundwasserstandsganglinien sowie die Aufstellung von Wasserbilanzen auf Basis der Genehmigungsmengen. Eine bundesweit harmonisierte Methode zur Beurteilung des mengenmäßigen Zustands besteht als LAWA-Handlungsempfehlung (LAWA 2011) seit 2011.