13.4.3 Änderungen der Zustandsbewertung

Oberflächengewässer

Ökologischer Zustand/Potenzial

Ein Vergleich der aktuellen ökologischen Zustandsbewertungen gegenüber dem Stand von 2009 ist für die FGG Elbe fachlich nur eingeschränkt sinnvoll. Eine solche Bilanzierung der Veränderung des Anteils der Wasserkörper in den verschiedenen Bewertungsklassen zeigt größtenteils Veränderungen auf, die ursächlich nicht auf tatsächliche Zustandsveränderungen zurückzuführen sind. Diese scheinbaren Veränderungen in den Bewertungsergebnissen sind (1) hauptsächlich methodisch bedingt oder können (2) auf die natürliche Variabilität der biologischen Qualitätskomponenten zurückgeführt werden.

(1) Methodisch bedingte Veränderungen begründen sich im vergrößerten Untersuchungsumfang und Anpassungen der Bewertungsverfahren:

  • Gegenüber dem Bewirtschaftungsplan 2009 haben sich der Umfang und die Qualität der Monitoringdaten weiterentwickelt. Die Anzahl der untersuchten Messstellen und Wasserkörper hat sich z. T. erhöht (vgl. Kap. 13.4.2). Daher können aktuell Wasserkörper anhand von Monitoringdaten bewertet werden, deren Zustand für den ersten BPZ noch durch Übertragung der Ergebnisse vergleichbarer Wasserkörper oder anhand fachlicher Experteneinschätzungen bewertet werden musste. Zudem wurden in mehreren Wasserkörpern im Vergleich zur Bewertungsgrundlage des Bewirtschaftungsplans 2009 zusätzliche biologische Qualitätskomponenten untersucht und entsprechend zur Bewertung herangezogen. Da die einzelnen biologischen Qualitätskomponenten unterschiedlich sensitiv auf die verschiedenen Belastungen reagieren und sich die Gesamtbewertung durch die am „schlechtesten“ bewertete Qualitätskomponente ergibt, können sich hieraus scheinbare Verschlechterungen in der Bewertung ergeben, auch wenn sich die Belastungssituation nicht verändert hat.

  • Seit der Aufstellung des Bewirtschaftungsplans 2009 wurden für fast alle biologischen Qualitätskomponenten in den verschiedenen Oberflächen-gewässerkategorien bundesweit methodische Anpassungen der Bewertungsverfahren vorgenommen. Infolgedessen ist für diese Lebensgemeinschaften ein valider zeitlicher Vergleich der Bewertungsergebnisse nur eingeschränkt möglich. Derartige Anpassungen erfolgten u.a. bei den Bewertungsverfahren zum Makrozoobenthos (Fließgewässer), zu den Makrophyten (Fließgewässer und Seen), zum Phytoplankton (Seen) und zu den Fischen (Fließgewässer) (siehe auch Kap. 13.4.1). Bei bestimmten Qualitätskomponenten empfiehlt das Bewertungsverfahren zudem die Berücksichtigung von Erfassungsdaten über einen längeren Zeitraum (z. B. 6 Jahres-Intervalle bei der Fischbewertung), um abgesicherte Bewertungsergebnisse zu erhalten. Bewertungen von kürzeren Zeiträumen sind mit höheren Unsicherheiten verbunden.

  • Die Änderung von Wasserkörperzuschnitt, Geometrien oder das Zusammenlegen bzw. Aufteilen von Wasserkörpern schränken die Vergleichbarkeit teilweise ein (vgl. Kap. 13.1.1).

 

(2) Natürliche Hintergrundschwankungen der biologischen Qualitätskomponenten:

Die biologischen Qualitätskomponenten zeigen oftmals eine hohe natürliche, zeitliche Variabilität, z. B. im Vorkommen und in der Abundanz von Arten. Diese Variabilität ist z. B. auf im Jahresverlauf oder jahresübergreifend auftretende meteorologische und hydrologische Schwankungen zurückzuführen. Insbesondere bei Wasserkörpern, deren Bewertung der biologischen Qualitätskomponenten im Grenzbereich zwischen zwei Qualitätsstufen liegt, können sich hieraus Veränderungen in der Gesamtbewertung ergeben. Während sich solche durch natürliche Schwankungen verursachten Bewertungsänderungen bei Betrachtungen über längere Zeiträume und große Betrachtungsräume (z. B. auf nationaler Ebene oder bei großen Flussgebietsgemeinschaften) tendenziell gegenseitig aufheben, können sie auf Ebene der einzelnen Wasserkörper und bei kürzeren Betrachtungszeiträumen zu scheinbaren Veränderungen führen.

Um tatsächliche Veränderungen im ökologischen Zustand darzustellen, sind aus den oben genannten Gründen exemplarische Betrachtungen ausgewählter Wasserkörper besser geeignet als summarische Vergleiche auf der Ebene der Flussgebietseinheiten. Bei einer exemplarischen Betrachtung können Wasserkörper ausgewählt werden, für die besonders umfangreiche Monitoringdaten vorliegen. Für die FGG Elbe erlaubt die vergleichende Betrachtung auf Wasserkörperebene jedoch eine Überblicksauswertung und grundsätzliche Bilanzierung. Die nachfolgend dargestellten Änderungen sind mehrheitlich auf Veränderungen des Monitorings zurückzuführen oder sind in den natürlichen Gegebenheiten (z. B. hydrologische Situation) begründet.

Einen Überblick über alle Änderungen bei der Einstufung des ökologischen Zustands/Potenzials bei den Oberflächenwasserkörpern gibt Abbildung 13.4. Für 21 % aller Oberflächenwasserkörper konnten Verbesserungen festgestellt werden. Diese umfassen neben der Erreichung des guten ökologischen Zustands auch Verbesserungen bei Zustandsklassen schlechter als gut. Allerdings wurden auch für 19 % der Oberflächenwasserkörper Verschlechterungen identifiziert. Vor allem bei den HMWB und AWB ist aufgrund der methodischen Harmonisierung häufig kein Vergleich möglich (vgl. Kap. 13.4.1).

Abbildung 13.4: Veränderung des ökologischen Gesamtzustands der Oberflächenwasserkörper im ersten Bewirtschaftungszeitraum
Abbildung 13.4: Veränderung des ökologischen Gesamtzustands der Oberflächenwasserkörper im ersten Bewirtschaftungszeitraum

Fließgewässer

Bei den natürlichen Fließgewässern haben sich hinsichtlich der Erreichung des guten ökologischen Zustands seit dem BP 2009 Änderungen ergeben. Während ca. 50 natürliche Fließgewässer im Vergleich zu 2009 den guten ökologischen Zustand mittlerweile erreicht haben, konnten ebenfalls fast 50 weitere natürliche Fließgewässer nicht mehr in den guten ökologischen Zustand eingestuft werden (Tabelle 13.11). Bei den Zustandsklassen schlechter als gut gab es hingegen mehr Verbesserungen und eine geringere Anzahl an Verschlechterungen, die überwiegend auf die oben erläuterten methodischen Änderungen zurückzuführen sind (Abbildung 13.5). Hinsichtlich der Erreichung des guten Zustands der einzelnen biologischen Qualitätskomponenten zeigen sich Verbesserungen v. a. beim Makrozoobenthos (Tabelle 13.11). Anhangskarte 13.1 stellt zusätzlich die geplante Zielerreichung des ersten BPZ mit der aktuellen Zustandsbewertung vergleichend dar und verdeutlicht so den Fortschritt in der Zielerreichung.

Abbildung 13.5: Veränderung des ökologischen Gesamtzustands der natürlichen Fließgewässer im ersten Bewirtschaftungszeitraum
Abbildung 13.5: Veränderung des ökologischen Gesamtzustands der natürlichen Fließgewässer im ersten Bewirtschaftungszeitraum

Standgewässer

Bei den natürlichen Standgewässern gab es kaum Verbesserungen des ökologischen Zustands (Abbildung 13.6). Lediglich für 14 Seen konnte eine Verbesserung hin zum „guten“ Zustand im ersten BPZ erreicht werden (Tabelle 13.11). Demgegenüber konnte der gute Zustand bei über 80 natürlichen Standgewässern gegenüber 2009 nicht mehr zugewiesen werden. Auch bei den natürlichen Standgewässern im „nicht guten“ Zustand zeigen sich keine positiven Änderungen bei der Zustandsbewertung (Abbildung 13.6). Bei fast allen Seen liegt dies an einem Methodenwechsel der Zustandsbewertung. Dennoch ergibt sich daraus ein vergrößerter Handlungsbedarf.

Abbildung 13.6: Veränderung des ökologischen Gesamtzustands der natürlichen Standgewässer im ersten Bewirtschaftungszeitraum
Abbildung 13.6: Veränderung des ökologischen Gesamtzustands der natürlichen Standgewässer im ersten Bewirtschaftungszeitraum

Küsten- und Übergangsgewässer

Der ökologische Zustand wird bei vier von fünf Küstenwasserkörpern bewertet. Keiner dieser Wasserkörper ist im guten ökologischen Zustand. Eine Verbesserung konnte im ersten Bewirtschaftungszeitraum nicht festgestellt werden. Das Übergangsgewässer wurde als erheblich verändert eingestuft. Daher wurde das „gute“ ökologische Potenzial und nicht der Zustand bewertet.

Tabelle 13.11: NWB im „guten“ ökologischen Zustand gesamt und der biologischen Qualitätskomponenten sowie deren Zustandsänderungen im ersten Bewirtschaftungszeitraum. Die Werte in Klammern zeigen die Entwicklung seit 2009. Positive Werte sind NWB, die seit 2009 den „guten“ Zustand erreicht haben, negative Werte hingegen sind NWB, die 2009 im „guten“ Zustand waren und sich seitdem verschlechtert haben, also nicht mehr im „guten“ Zustand sind.
KOR Anzahl NWB gesamt

Aktuelle Anzahl OWK (NWB) im „guten“ ökologischer Zustand und deren Änderungen gegenüber dem BP 2009

    gesamt Phyto-
plankton
Makro-
phyten
Makro-
zoobenthos
Fische
Fließgewässer            
TEL 70 1 (-6) - 12 ((+2)/-7) 26 (+3/-1) 7
MEL 122 11 (+10/-15) - 18 (+5/-4) 33 (+23/-4) 19 (+1)
HAV* 398 24 (+22/-5) - 174 (+20/-42) 71 (+25/-10) 15 (+3/-2)
SAL* 201 11 (+6/-12) - 38 (+10/-18) 48 (+12/-4) 34 (+3/-11)
MES* 384 19 (+11/-10) - 60 (+18/-51) 139 (+34/-10) 104 (+22/-13)
ODL** 18 2 (-1) - 8 (-2) 7 (+1) 3 (+1/-2)
BER** 1 0 - 0 (-1) 1 (+1) 0
HVL** 2 2 - 2 2 2
FGG gesamt 1.196 70 (+49/-49) - 312 (+55/-125) 327 (+99/-29) 184 (+30/-28)
Seen            
TEL 13 0 4 (+1) *** *** ***
MEL 68 10 (-36) 20 (+2/-28) *** *** ***
HAV* 199 26 (+14/-47) 61 (+12/-21) *** *** ***
SAL* 1 0 0 *** *** ***
MES* 0 - - - - -
FGG gesamt 281 36 (+14/-83) 85 (+15/-49)      

* ohne tschechische Anteile an deutschen Koordinierungsräumen
** deutscher Anteil an tschechischen Koordinierungsräumen
*** Vergleich der Bewertungen der Qualitätskomponente ist für diese Gewässerkategorie nicht sinnvoll möglich.

Chemischer Zustand

Auch beim chemischen Zustand ist ein direkter Vergleich der aktuellen Bewertungsergebnisse mit denen im Bewirtschaftungsplan 2009 nur eingeschränkt möglich. Während damals nur Wasserproben untersucht wurden, werden nun auch verschiedene Schadstoffe in Biota gemessen. Untersuchungen in den Oberflächengewässern ergaben, dass die Umweltqualitätsnorm für Quecksilber in Fischen in allen Fällen überschritten wurde. Quecksilber wird zu einem wesentlichen Teil über die Niederschlagsdeposition in die Gewässer eingetragen und reichert sich in Wasserorganismen an. Durch die ubiquitäre Quecksilberbelastung in Biota wurde der chemische Zustand in allen Oberflächengewässern der FGG Elbe mit „nicht gut“ bewertet (siehe Kap. 4.1.3).

Die Bewertung des chemischen Zustands erfolgte im Bewirtschaftungsplan 2009 auf Basis der UQN für „Prioritäre Stoffe“ und „bestimmte andere Schadstoffe“ des Anhangs I der Richtlinie 2008/105/EG vom 16.12.2008, erweitert um die UQN von Nitrat aus den Länderverordnungen und im aktuellen BP nach Anlage 7 der OGewV vom 20.7.2011, die diesen Nitratwert auch enthält. Die UQN beider Listen beziehen sich auf das Medium Wasser und sind identisch, allerdings ist die UQN in Biota verpflichtend in die Anlage 7 der OGewV aufgenommen worden. Ferner erfolgt im aktuellen Bewirtschaftungsplan zusätzlich eine differenzierte Bewertung aufgrund der Verschärfung im zukünftigen Recht (ab 2015) nach der Richtlinie 2013/39/EU vom 12.8.2013. Die hierfür überarbeiteten UQN sollten erstmals in den Bewirtschaftungsplänen für die Flusseinzugsgebiete für den Zeitraum 2015 bis 2021 berücksichtigt werden. Dabei muss unterschieden werden zwischen einigen im alten Recht vorhandenen Stoffen, die für Untersuchungen in der Wasserphase im neuen Recht verschärft oder geändert werden und weiteren Schadstoffen, die für Untersuchungen in der Wasserphase und in Biota zum ersten Mal geregelt werden. Verschärfte Anforderungen ergeben sich unter anderem bei den PAK. Benzo(a)pyren wird nach neuem Recht als Marker für die gesamte Gruppe der PAK betrachtet, die vorher einzeln geregelt waren. Bromierte Diphenylether werden zukünftig nur hinsichtlich der zulässigen Höchstkonzentration im Wasser sowie in Biota beobachtet. Im neuen Recht erstmalig geregelt werden u. a. Perfluoroktansulfonsäure, Dioxine, Hexabromcyclododecan sowie Heptachlor und Heptachlorepoxid. In Kapitel 4.1.3 und den entsprechenden Karten (4.3.1 bis 4.3.3) werden die Bewertungsergebnisse erläutert und dargestellt.

Nach Festlegung der Wasserdirektoren im 2010 Reporting Sheets for River Management planning – Final draft 30.05.2007 – Reporting Sheet Code SWM 3 erfolgte eine Zuordnung der prioritären Stoffe und bestimmten anderen Schadstoffe wie folgt in die Schadstoffgruppierungen Schwermetalle, Pestizide, industrielle und andere Schadstoffe (EU-Wasserdirektoren 2010):

Tabelle 13.12: Schadstoffgruppenübersicht
Schadstoffgruppe Nummer des Stoffes nach Anlage 7 OGewV
Schwermetalle 6, 20, 21, 23
Pestizide 1, 3, 8, 9, 13, 14, 18, 19, 26, 29, 33
Industrielle Schadstoffe 2, 4, 5, 6a, 7, 10, 11, 12, 22, 24, 25, 29a, 29b, 32
Andere Schadstoffe 9a, 9b, 15, 16, 17, 27, 28, 30, 31

 

Die Ergebnisse der Auswertung für die FGG Elbe und die Koordinierungsräume sind in Tabelle 13.3 enthalten. Aufgrund der Überschreitung von Quecksilber in Biota haben alle OWK Überschreitungen in der Schadstoffgruppe „Schwermetalle“ zu verzeichnen. Ein Vergleich der anderen Schadstoffgruppen zeigt überall Verbesserungen und Verschlechterungen bei der Zustandsbewertung. Die Verbesserungen überwiegen bei den Pestiziden und industriellen Schadstoffen, die Verschlechterungen hingegen bei anderen Schadstoffen und Nitrat.

Tabelle 13.13: Auswertung des chemischen Zustands der OWK differenziert nach der Einhaltung der UQN in den Schadstoffgruppierungen und Nitrat
KOR OWK gesamt chemischer Zustand darunter darunter darunter darunter darunter
    „nicht gut“ Schwer-metalle Pestizide industrielle Schadstoffe andere Schadstoffe Nitrat
  Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl Anzahl
Fließgewässer              
TEL 442 442 442 4 (+3) 3 (+2/-5) 41 (+17) 0
MEL 404 404 404 0 (-3) 1 (+1) 8 (+2) 14 (+6/-5)
HAV* 980 980 980 1 (+1/-2) 2 (+2/-12) 72 (+24/-20) 9 (+4)
SAL* 355 355 355 3 (+3/-2) 7 (+4/-5) 88 (+42/-12) 56 (+25/-7)
MES* 576 576 576 15 (+8/-11) 18 (+11/-14) 259 (+113/-39) 26 (+8/-6)
ODL** 19 19 19 0 0 2 (+1) 0
BER** 1 1 1 0 0 0 0
HVL** 2 2 2 0 0 0 0
FGG gesamt 2.779 2.779 2.779 23 (+15/-18) 31 (+20/-36) 470 (+199/-72) 105 (+43/-18)
Seen              
TEL 15 15 15 0 0 2 (+2) 0
MEL 73 73 73 0 0 0 0
HAV* 215 215 215 0 0 (-7) 26 (+18/-9) 0
SAL* 36 36 36 0 1 (+1/-2) 0 (-5) 0
MES* 22 22 22 0 0 (-1) 3 (+2) 0
FGG gesamt 361 361 361 0 1 (+1/-10) 31 (+22/-14) 0
Übergangsgewässer              
TEL/FGG 1 1 1 1 (+1) 0 1 0
Küstengewässer              
TEL/FGG 5 5 5 0 0 0 0

* ohne tschechische Anteile an deutschen Koordinierungsräumen
** deutscher Anteil an tschechischen Koordinierungsräumen

Grundwasser

Wie in Kap. 13.4.1 beschrieben, haben sich mit dem Inkrafttreten der GrwV 2010 auch Änderungen bei der Zustandsbewertung im Bereich Grundwasser gegenüber dem Bewirtschaftungsplan 2009 ergeben, die beim nachfolgenden Vergleich zu berücksichtigen sind.

Die Tabelle 13.14 beinhaltet für die Koordinierungsräume die Anzahl der Grundwasserkörper, die derzeit im „guten“ Zustand hinsichtlich des Gesamtzustands, des mengenmäßigen und chemischen Zustands sowie hinsichtlich der einzelnen Schadstoffgruppen sind, und deren Änderungen seit dem Bewirtschaftungsplan 2009. Die Abbildung 13.7 stellt die aktuelle Zustandsbewertung und Entwicklung seit dem Bewirtschaftungsplan 2009 noch einmal graphisch für alle GWK in der FGG Elbe dar.

Im ersten Bewirtschaftungszeitraum konnte für insgesamt 21 Grundwasserkörper der „gute“ Gesamtzustand herbeigeführt werden, bei 19 Grundwasserkörpern aufgrund der Verbesserung des chemischen Zustands und bei zwei Grundwasserkörpern in den Koordinierungsräumen MES und SAL aufgrund der Verbesserung des mengenmäßigen Zustands. Die Verbesserung des chemischen Zustands konnte bei zehn Grundwasserkörpern für Nitrat (KOR MEL, HAV und SAL), bei zehn Grundwasserkörpern für Schadstoffe des Anhangs II WRRL und/oder sonstige Schadstoffe (KOR MEL, HAV, MES und SAL) und bei einem Grundwasserkörper im Koordinierungsraum TEL für Pflanzenschutzmittel erwirkt werden.

Allerdings musste für 23 Grundwasserkörper der Gesamtzustand gegenüber 2009 von „gut“ auf „schlecht“ geändert werden, alle aufgrund der Verschlechterung des chemischen Zustands. Bei insgesamt sieben Grundwasserkörpern in den Koordinierungsräumen MES, SAL, HAV und MEL verschlechterte sich der Zustand bei Nitrat, bei insgesamt zwei Grundwasserkörpern in den Koordinierungsräumen MES und SAL der Zustand bei PSM und bei insgesamt elf Grundwasserkörpern in den Koordinierungsräumen MES, SAL, MEL und HAV der Zustand bei Schadstoffen des Anhangs II GWRL. Die restlichen drei Grundwasserkörper in den Koordinierungsräumen SAL, MEL und HAV weisen Überschreitungen der Schwellenwerte bei mehreren Schadstoffgruppen auf. Ein Grundwasserkörper im Koordinierungsraum SAL musste im ersten Bewirtschaftungszeitraum mengenmäßig in den „schlechten“ Zustand eingestuft werden. Dieser war bereits im ersten Bewirtschaftungsplan 2009 hinsichtlich der Chemie im „schlechten“ Zustand.

Die Änderung der Zustandsbewertung der Grundwasserkörper gegenüber dem Bewirtschaftungsplan 2009 beruht meist nicht auf realen Verbesserungen oder Verschlechterungen, sondern geht auf folgende Gründe zurück:

  • Änderungen bei den Bewertungsverfahren in den Bundesländern (z. B. nutzungsunabhängiger Flächenbezug, anderes Regionalisierungsverfahren, Berücksichtigung von Hintergrundbelastungen, messwertbasierter anstelle worst-case-Betrachtung)
  • Anpassung oder Verdichtung des Messnetzes
  • verbesserte oder erweiterte Datengrundlagen
Abbildung 13.7: Prozentuale Bewertung des Zustands der Grundwasserkörper in der FGG Elbe mit Darstellung der Verbesserung und Verschlechterung seit dem Bewirtschaftungsplan 2009 für Gesamtzustand, mengenmäßigen und chemischen Zustand und Schadstoffgruppen
Abbildung 13.7: Prozentuale Bewertung des Zustands der Grundwasserkörper in der FGG Elbe mit Darstellung der Verbesserung und Verschlechterung seit dem Bewirtschaftungsplan 2009 für Gesamtzustand, mengenmäßigen und chemischen Zustand und Schadstoffgruppen
Tabelle 13.14: Aktuelle Anzahl der GWK gesamt und GWK im „guten“ Zustand hinsichtlich Menge und Chemie und der chemischen Qualitätskomponenten sowie deren Änderungen gegenüber dem Bewirtschaftungsplan 2009 nach Koordinierungsräumen. Die Werte in Klammern zeigen die Entwicklung seit dem Bewirtschaftungsplan 2009. Positive Werte sind GWK, die mittlerweile den „guten“ Zustand erreicht haben, negative Werte hingegen sind GWK, die im Bewirtschaftungsplan 2009 im „guten“ Zustand waren und sich seitdem verschlechtert haben, also nicht mehr im „guten“ Zustand sind.
KOR Anzahl GWK gesamt

Aktuelle Anzahl GWK im „guten“ Zustand
und deren Änderungen gegenüber dem BP 2009

    Gesamt-
zustand
mengen-
mäßiger Zustand
chemischer Zustand Nitrat PSM Anhang II GWRL andere Schadstoffe
TEL 28 15 (+1) 27 (+/-0) 15 (+1) 16 (+/-0) 27 (+2/-1) 26 (+2) 28 (+/-0)
MEL 28 14 (+2/-4) 28 (+/-0) 14 (+2/-4) 20 (+2/-4) 28 (+1) 19 (+4/-6) 27 (+/-0)
HAV* 34 20*** (+4/-3) 31 (+/-0) 20*** (+4/-3) 31 (+1/-2) 34 (+/-0) 22 (+1/-6) 34 (+6)
SAL* 73**** 41 (+10/-6) 71 (+1/-1) 41 (+9/-6) 48 (+8/-6) 70 (-3) 60 (+3/-5) 69 (+2)
MES* 59 26 (+4/-10) 58 (+1) 26 (+3/-10) 43 (+1/-2) 57 (-2) 40 (+4/-9) 58 (+1)
ODL** 3 3 (+/-0) 3 (+/-0) 3 (+/-0) 3 (+/-0) 3 (+/-0) 3 (+/-0) 3 (+/-0)
BER** 1 (+1) 1 1 1 1 1 1 1
HVL** 2 (+2) 2 2 2 2 2 2 2
FGG gesamt 228 122*** (+21/-23) 221 (+2/-1) 122*** (+19/-23) 164 (+12/-14) 222 (+3/-6) 173 (+14/-26) 222 (+9)

* ohne tschechische Anteile an deutschen Koordinierungsräumen
** deutscher Anteil an tschechischen Koordinierungsräumen
*** ein GWK mit „unbekannt“ hinsichtlich des chemischen Zustands bewertet; wurde bei Auswertung nicht berücksichtigt
**** 2 GWK im 2. BPZ nicht mit 1. BPZ vergleichbar

Schutzgebiete

Oberflächengewässer

Die Anzahl der Oberflächenwasserkörper mit Trinkwasserentnahmen nach Art. 7 Art. 1 WRRL ist im Vergleich zum Bewirtschaftungsplan 2009 deutlich gesunken, dementsprechend sank auch die Anzahl der Oberflächenwasserkörper mit Trinkwasserentnahmen und UQN-Überschreitungen bei Schadstoffen des ökologischen Zustands (Tabelle 13.15). Alle Oberflächenwasserkörper mit Trinkwasserentnahmen überschreiten jedoch die UQN bei Schadstoffen des chemischen Zustands, was durch die ubiquitäre Belastung mit Quecksilber verursacht wird. Die Trinkwasserverordnung wird auch weiterhin in allen Oberflächenwasserkörpern eingehalten.

Tabelle 13.15: Vergleich des Zustands von OWK für die Entnahmen von Trinkwasser nach Art. 7 WRRL im Bewirtschaftungsplan 2009 und 2015
KOR Anzahl OWK gesamt Anzahl OWK darunter Anzahl OWK mit
    Trinkwasser-
entnahme> 100 m³/d
Überschreitung UQN Schadstoffe Überschreitung UQN-Schadstoffe Überschreitung Parameter TrinkwV im TW
      Ökol. Zustand Chem. Zustand (gemessen nach Aufbereitung)
  1./2. BP 1./2. BP 1./2. BP 1./2. BP 1./2. BP
Fließgewässer          
TEL 436/442 0/0 0/0 0/0 0/0
MEL 409/404 0/0 0/0 0/0 0/0
HAV* 982/980 13/14 6/0 6/14 0/0
SAL* 354/355 13/3 1/0 0/3 0/0
MES* 573/576 9/9 9/5 3/9 0/0
ODL** 16/19 7/0 0/0 0/0 0/0
BER** 3/1 0/0 0/0 0/0 0/0
HVL** 2/2 0/0 0/0 0/0 0/0
FGG gesamt 2.775/2.779 42/26 16/5 9/26 0/0
Seen          
TEL 15/15 0/0 0/0 0/0 0/0
MEL 69/73 0/0 0/0 0/0 0/0
HAV* 213/215 11/13 0/0 0/13 0/0
SAL* 35/36 6/5 0/0 0/5 0/0
MES* 27/22 5/5 0/0 0/5 0/0
FGG gesamt 359/361 22/23 0/0 0/23 0/0

* ohne tschechische Anteile an deutschen Koordinierungsräumen
** deutscher Anteil an tschechischen Koordinierungsräumen

Grundwasser

Während des ersten Bewirtschaftungszeitraums hat sich der Anteil der Grundwasserkörper mit Trinkwasserentnahmen nach Art. 7 WRRL von 93 % auf 90 % verringert (Tabelle 13.16). Die Anzahl der Grundwasserkörper mit Trinkwasserentnahmen und Schwellenwert-Überschreitungen bei Nitrat sowie Anhang II GWRL und sonstigen Schadstoffen ist im Vergleich zum Bewirtschaftungsplan 2009 leicht gestiegen. Die Anzahl der Grundwasserkörper mit Trinkwasserentnahmen und Schwellenwert-Überschreitungen bei Pflanzenschutzmitteln ist ebenfalls angestiegen. Die Trinkwasserverordnung wird weiterhin in allen Grundwasserkörpern eingehalten.

Tabelle 13.16: Vergleich des Zustands von GWK für die Entnahmen von Trinkwasser nach Art. 7 WRRL im Bewirtschaftungsplan 2009 und 2015
KOR Anzahl GWK gesamt Anzahl GWK mit TW-Entnahmen nach Art. 7 WRRL
    gesamt davon mit Überschreitung davon mit Überschreitung davon mit Überschreitung davon mit davon nicht zu bewerten
      UQN Nitrat im GW UQN PSM im GW Anhang II GWRL und andere Schadstoffe im GW Nicht­einhaltung TrinkwV im TW
  1./2. BP 1./2. BP 1./2. BP 1./2. BP 1./2. BP 1./2. BP 1./2. BP
TEL 28/28 25/27 12/12 2/1 4/2 0/0 0/0
MEL 28/28 28/28 6/8 1/0 8/9 0/0 1/0
HAV* 33/34 31/31 2/3 0/0 13/12 0/0 4/0
SAL* 73/73 71/71 27/26 0/3 10/11 0/0 16/0
MES* 59/59 50/45 11/12 0/2 15/17 0/0 0/0
ODL** 3/3 3/2 0/0 0/0 0/0 0/0 0/0
BER** -/1 -/1 -/0 -/0 -/0 -/0 -/0
HVL** -/2 -/1 -/0 -/0 -/0 -/0 -/0
FGG gesamt 224/228 208/206 58/61 3/6 50/51 0/0 21/0

* ohne tschechische Anteile an deutschen Koordinierungsräumen
** deutscher Anteil an tschechischen Koordinierungsräumen