2.1.2 Punktquellen

Wesentliche Punktquellen, die zu signifikanten Belastungen führen können, sind im Einzugsgebiet der Elbe:

  • kommunale Abwasserbehandlungsanlagen
  • Abwasser aus der Nahrungsmittelindustrie
  • Abwasser aus der chemischen und pharmazeutischen Industrie
  • Abwasser aus der Zellstoff- und Papierindustrie
  • Metallherstellung, Metallbe- und –verarbeitung
  • Mineralöl verarbeitende Industrie
  • Bergbau einschließlich Altbergbau (Stollenwässer) und Braunkohlenverarbeitung
  • Glasindustrie und Herstellung keramischer Erzeugnisse
  • (Dampf-)Kraftwerke

Für die Ermittlung der signifikanten Belastungen durch Punktquellen sind in der WRRL im Anhang II Nr. 1.4 Angaben enthalten, welche bestehenden EG-Richtlinien und welche Stoffe bzw. Stoffgruppen zu beachten sind, insbesondere die Kommunalabwasser-Richtlinie (91/271/EWG) sowie die IVU-Richtlinie (96/61/EG), die inzwischen durch die Richtlinie über Industrieemissionen (2010/75/EG) ersetzt wurde.

Mit der Verordnung (EG) Nr. 166/2006 über die Schaffung eines europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregisters (European Pollutant Release and Transfer Register – European PRTR) wurden – über die Bestimmungen des bisherigen Schadstoffemissionsregisters (EPER) hinaus – die Voraussetzungen zur Dokumentation von Emissionen oberhalb festgelegter Schwellenwerte für verschiedene Tätigkeiten und 91 Schadstoffe geschaffen. Im Berichtsjahr 2012 wurden für das deutsche Einzugsgebiet der Elbe 66 meldepflichtige Einleiter mit Freisetzungen in das Medium Wasser registriert (nach Datenportal des UBA www.thru.de).

Diese Anlagen überschritten im Jahr 2012 einen oder mehrere Schwellenwerte folgender Parameter:

  • Arsen, Blei, Cadmium, Kupfer, Quecksilber, Nickel und Zink
  • Chlorid, Cyanid und Fluorid
  • Dichlormethan, Trichlormethan, AOX, HCH und PCBs
  • Gesamt-Stickstoff, Gesamt-Phosphor und TOC
  • Nonylphenol/-ethoxylate und andere Phenolverbindungen
  • TBT

Schwerpunkte der Verteilung von Anlagen, die über das PRTR erfasst sind, sind der Koordinierungsraum Saale (SAL) mit 21 Anlagen sowie die Koordinierungsräume Tideelbe (TEL) und Mulde-Elbe-Schwarze Elster (MES) mit je 16 Anlagen (Tabelle 2.5).

Tabelle 2.5: PRTR-Anlagen in der FGG Elbe (Quelle: www.thru.de mit Stand 31.03.2015)
KOR Anzahl PRTR-Anlagen
(direkte oder indirekte Einleitung in Gewässer)
FGG gesamt 66
TEL 16
MEL 3
HAV 10
SAL 21
MES 16
ODL* 0
* deutscher Anteil an tschechischen Koordinierungsräumen

 

Neben den Anlagen, die über das PRTR erfasst sind, tragen auch andere Punktquellen zur Belastung bei, die jedoch aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Emission nicht im PRTR registriert sind. Für diese muss daher fallweise abgeschätzt werden, ob für einen Wasserkörper eine signifikante Belastung vorliegt. Entscheidend ist hierbei insbesondere die Menge der Einleitung in Relation zum Wasserkörper. Diese Abhängigkeit kann bei punktförmigen Einleitungen über eine Auswertung von Immissionsdaten beschrieben werden (LAWA 2013c). Für Abwassereinleitungen aus kommunalen und industriell-gewerblichen Abwasserbehandlungsanlagen werden z. B. die Jahresfrachten der Stoffe gemäß Anlage 7 OGewV und der flussgebietsspezifischen Stoffe nach Anlage 5 OGewV ermittelt und für die weitere Abschätzung zu Grunde gelegt. Zudem liegt ein signifikanter Stoffeintrag vor, wenn sich aus den Immissionsdaten aus der Fließgewässerüberwachung eine Überschreitung der halben UQN ergibt. Die Quelle bzw. die entsprechenden Emissionen eines Verursachers sind in diesen Fällen zu ermitteln (LAWA 2013c).

Nach den LAWA-Kriterien werden auch signifikante Einleitungen aus dem Salzbergbau, Einträge aus Stollen des Altbergbaus sowie signifikante Kühlwassereinleitungen zu den Punktquellen gezählt. Insgesamt weisen im deutschen Teil des Einzugsgebiets 1.310 Wasserkörper (41,6 % aller Wasserkörper der Flüsse, Seen und Übergangsgewässer im deutschen Einzugsgebiet der Elbe) signifikante Belastungen aus Punktquellen auf.

An Kraftwerks- und Industriestandorten entfällt ein Anteil der eingesetzten Primärenergie auf Abwärme. Diese wird in der Regel über Kühltürme an die Atmosphäre und direkt in ein Gewässer abgegeben. Für den Gewässerschutz können Einleitungen von Kühlwasser aus Kraftwerken oder industriellen Anlagen von Bedeutung sein. Durch ein verändertes Wasserdargebot in den Sommermonaten (z. B. extremes Niedrigwasser, verstärktes Aufwärmen der Gewässer) im Rahmen des Klimawandels ist insgesamt eine Verstärkung der negativen Auswirkungen der Kühlwassernutzung im Gewässer zu erwarten.

Eine Kühlwassereinleitung kann nur umfassend beurteilt werden, wenn wegen der Summenwirkung der Kühlwassereinleitungen eine flussabschnittsbezogene Betrachtung aller Wärmeeinleiter vorgenommen wird. Auch unterhalb liegende Flussabschnitte können von der Aufwärmung noch betroffen sein. In diesen Fällen ist eine Gesamtbetrachtung z. B. im Rahmen eines Wärmelastplans hinsichtlich der zulässigen Aufwärmspannen vorzunehmen.

Ein Beispiel ist der „Wärmelastplan für die Tideelbe“ als ermessenslenkende Verwaltungsvorschrift für die Genehmigungsbehörden in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (Wassergütestelle Elbe 2008). Mit diesem Plan werden die temperaturabhängigen Parameter (maximale Einleittemperatur des Kühlwassers, maximale Aufwärmspanne des Kühlwassers sowie maximale kühlwasserbedingte Gewässertemperatur, maximale kühlwasserbedingte Aufwärmspanne des Gewässers) geregelt.

Im Abschnitt der Binnenelbe hat diese Problematik bisher eine untergeordnete Rolle gespielt. Derzeit sind daher keine weiteren Wärmelastpläne vorgesehen. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel lassen bestimmte Szenarien im Hauptstrom jedoch mittlere Abflussrückgänge im August um bis zu 20 % erwarten (Kaltofen et al. 2011). In Gebieten mit hoher Dichte von industriellen Wassernutzern (inkl. thermische Kraftwerke) könnten in Zukunft ggf. auch in der Binnenelbe Gewässergüteparameter wie die Wassertemperatur zu Einschränkungen führen und die Erarbeitung von Wärmelastplänen, wie sie für Hamburg bereits existieren, notwendig werden.