2.1.3 Diffuse Quellen

In nahezu allen Oberflächenwasserkörpern im deutschen Einzugsgebiet der Elbe (3.130 OWK) wurden signifikante diffuse Belastungen durch Einträge von Nährstoffen und Schadstoffen identifiziert. Die diffusen Einträge von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor und von Pflanzenschutzmitteln in die Oberflächengewässer sind zum größten Teil auf die Landbewirtschaftung zurückzuführen.

Nährstoffe

Die Nährstoffeinträge (Stickstoff und Phosphor) in die Elbe sind seit Inkrafttreten der WRRL im Jahr 2000 weiter zurückgegangen. Im Vergleich zu den Verhältnissen Mitte der 1980er Jahre konnten die Stickstoffkonzentrationen am Pegel Schnackenburg halbiert und die Phosphorkonzentrationen um zwei Drittel gesenkt werden (Abbildung 2.3). Diese Veränderungen sind im Wesentlichen auf den Bau von Abwasserbehandlungsanlagen mit Nährstoffeliminierung und die Verminderungen der Stickstoffüberschüsse auf landwirtschaftlichen Nutzflächen zurückzuführen. Auch mit Beginn der WRRL haben die Stickstofffrachten am Pegel Schnackenburg im Vergleich der Fünf-Jahreszeiträume 1998 - 2002 zu 2008 - 2012 um 22 % und die Phosphorfrachten um 39 % abgenommen. Insgesamt hat sich der abnehmende Trend aber im Vergleich mit den Veränderungen gegenüber den 1980er Jahren abgeschwächt. Aus überregionaler Sicht der Küstengewässer und Binnengewässer ist daher eine weitere Verringerung der Nährstoffeinträge notwendig, um die durch Eutrophierung aquatischer Systeme gefährdete Zielerreichung in den Küsten- und Übergangsgewässern und dem Elbestrom zu erreichen.

Abbildung 2.3: Mittlere jährliche Stickstoff- und Phosphorkonzentration der Elbe bei Schnackenburg im Zeitraum von 1985 bis 2012
Abbildung 2.3: Mittlere jährliche Stickstoff- und Phosphorkonzentration der Elbe bei Schnackenburg im Zeitraum von 1985 bis 2012 (Quelle: Fachinformationssystem der FGG Elbe)

Nährstoffe gelangen über diffuse und punktuelle Eintragspfade in die Gewässer (Abbildung 2.4). Im Elbeeinzugsgebiet werden Nährstoffeinträge mit einem kombinierten Ansatz modelliert. Dafür wird das Modell MONERIS 3.0 verwendet; daneben werden für bundesweite Betrachtungen das Model MoRE und für länderspezifische Fragestellungen die jeweiligen Modellsysteme der Länder verwendet. Hohe Phosphoreinträge durch Erosion stammen vorrangig aus reliefreichen Gebieten mit intensiver Ackernutzung. Die Einträge werden verstärkt durch erosionsgefährdete Bodenbedeckungen insbesondere bei stärkeren Gefällen wie z. B. im Mittelgebirge. Im norddeutschen Tiefland gelangen erhebliche Einträge an Stickstoff vor allem über Drainagen (Abbildung 2.5) und das Grundwasser in die Oberflächengewässer.

Abbildung 2.4: Anteile modellierter Eintragspfade für Stickstoff- und Phosphoreinträge im deutschen Teil des Elbeeinzugsgebiets im Zeitraum 2006 bis 2010 (Datenstand: 28.04.2014 FGG Elbe 2014)
Abbildung 2.4: Anteile modellierter Eintragspfade für Stickstoff- und Phosphoreinträge im deutschen Teil des Elbeeinzugsgebiets im Zeitraum 2006 bis 2010 (Datenstand: 28.04.2014 FGG Elbe 2014)
Abbildung 2.5: Verteilung der mittleren jährlichen Stickstoff- und Phosphoreinträge im Zeitraum 2006 – 2010 über Drainagen im Elbeeinzugsgebiet (Daten: MONERIS 3.0; dhi-wasy/igb im Auftrag der FGG Elbe)
Abbildung 2.5: Verteilung der mittleren jährlichen Stickstoff- und Phosphoreinträge im Zeitraum 2006 – 2010 über Drainagen im Elbeeinzugsgebiet (Daten: MONERIS 3.0; dhi-wasy/igb im Auftrag der FGG Elbe)

Die anthropogen beschleunigte Eutrophierung von Binnenseen, dem Elbestrom und der Nordsee ist nach wie vor ein ökologisches Problem und erfordert auch künftig weitere Maßnahmen zur Reduzierung von diffusen und punktuellen Nährstoffeinträgen sowie zur Verbesserung der Nährstoffrückhaltung (siehe auch Kap. 5.1.2 und Anhang A0-1 – Nr. 4). Zu weiteren Schäden, die durch Bodenerosion auf Ackerschlägen ausgelöst werden, gehört die Kolmation der Gewässersohle in Gewässeroberläufen, die dort besonders kieslaichende Fischarten betrifft.

Schadstoffe

Als Resultat umfangreicher Sanierungs- und Umweltschutzmaßnahmen im Bereich der Industrie sowie der kommunalen Abwasserreinigung, aber auch durch den massiven Industrierückbau sowie aufgrund von Produktionsumstellungen innerhalb des gesamten Elbeeinzugsgebiets in Deutschland und in der Tschechischen Republik konnte ab Mitte der 1980er Jahre bis Ende der 1990er Jahre (schadstoffspezifisch) ein erheblicher Rückgang der Schadstoffkonzentrationen (Wasserphase) und -gehalte (Feststoffphase) sowie -frachten an den einzelnen Bilanzmessstellen entlang der Elbe und ihrer Hauptnebenflüsse (Moldau, Mulde, Saale, Schwarze Elster, Havel) verzeichnet werden. Trotzdem stellen sich eine Reihe persistenter, bio- und geoakkumulierbarer Stoffe mit einer langen industriellen Vergangenheit weiterhin als überregional elberelevante Problemstoffe dar.

Die Plausibilitätsanalyse zur „Bestandsaufnahme der Emissionen, Einleitungen und Verluste nach § 4 Abs. 2. OGewV (Art. 5 der RL 2008/105/EG)“ der FGG Elbe hat ergeben, dass eine überblicksartige Einschätzung des Schadstoffeintrags in die Elbe (2006 - 2008) erfolgen kann (vgl. Tabelle 2.6), sofern die jeweiligen Rahmenbedingungen der Modellierung berücksichtigt werden. Beispielsweise zieht die regionalisierte Pfadanalyse (RPA) nach MoRE (MoRE 2013) für die Einträge aus industriellen Direkteinleitern lediglich die Daten des PRTR heran. Dies ist unzureichend, da das Register nur die Stoffe, die Gegenstand der betrieblichen Eigen- und Fremdüberwachung sind, quantifiziert. Einschränkend ist zu den MoRE-Ergebnissen zu sagen, dass der wesentliche Hauptwirkpfad, der für die heutige Schadstoffsituation maßgeblich ist, die Remobilisierung von partikulär gebundenen Schadstoffen, in der Modellbetrachtung unberücksichtigt bleibt. Auch das betrachtete Stoffspektrum spiegelt nicht das relevante Schadstoffinventar des Elbeeinzugsgebiets (29 elberelevante Schadstoffe, davon acht anorganische Stoffe und 21 organische Stoffe/Stoffgruppen) wider.

Tabelle 2.6: Relevanz von Emissionspfaden im Elbegebiet (Einträge gemittelt für den Bilanzzeitraum 2006-2008 (berechnet am 25.10.2013 mit dem Modellinstrument MoRE)
Pfade [%]

Stoff
Atmosphärische Deposition auf die Gewässeroberfläche Altbergbau Erosion Grundwasser Oberflächen
-abfluss
Dränagen Urbane
Systeme
Industrie Kläranlagen Abdrift
Cd 2,9 48,3 7,8 8,4 4 9 6,4 3,6 9,5  
Hg 6,7 2,3 15,7 15,4 6,3 33,3 13,6 6,3 0,4  
Ni 1,3 2,7 17,9 42,9 1,3 17,4 4,5 3,8 8,3  
Pb 4,4 12,2 46,2 2,2 5,6 0,9 23,5 1,9 3  
PAK 12,6 18,6 7,2 1,6 15,1 0,2 41,1 0 3,5  
DEHP 5,2   1,3   34,5   48,5 0 10,1  
Isoproturon         46,8 43 4,1 0 5,4 0,7
Diuron             68,7 0 31,3  
Nonylphenol             40,4 0 59,6  

Nach derzeitigem Kenntnisstand stammt das heutige Problem der Elbe mit einer Reihe „klassischer“ Schadstoffe - insbesondere der organischen Verbindungen - in hohem Maße nicht aus gegenwärtigen Einträgen. Vielfach haben sich aus historischen Quellen eingetragene Schadstoffe an Schwebstoffpartikel an- und sedimentgebunden abgelagert. Vor diesem Hintergrund hat die FGG Elbe ein Sedimentmanagementkonzept (FGG Elbe 2013) für den deutschen Teil der Elbe erarbeitet, welches auch Handlungsempfehlungen zur Reduzierung der Schadstoffbelastungen für die Bundesländer ausspricht. Es dient als Grundlage und Entscheidungshilfe zur Festlegung von Maßnahmen und ist gleichzeitig der nationale Beitrag zum Sedimentmanagementkonzept für das gesamte Einzugsgebiet der Elbe (IKSE 2014). Detaillierte Aussagen zu den überregionalen Strategien innerhalb der FGG Elbe zur Erreichung der Umweltziele bzgl. der signifikanten stofflichen Belastungen finden sich im Kapitel 5.1.2 und im Anhang A0-1 (Nr. 5).