2.1.4 Signifikante Wasserentnahmen/Wiedereinleitungen

Wasserentnahmen können aufgrund wesentlicher Veränderungen des Wasserhaushaltes insbesondere die Fischfauna und das Makrozoobenthos signifikant beeinträchtigen. Sie erfolgen hauptsächlich im industriellen-gewerblichen, energetischen, landwirtschaftlichen sowie fischereilichen Sektor. Im Einzelnen werden Wasserentnahmen für Bewässerungsmaßnahmen, für die öffentliche Wasserversorgung, als Brauchwasser, als Kühlwasser für Kraftwerke, für Wasserkraftanlagen mit Ausleitungsstrecken, für die Flutung von Tagebauen und Steinbrüchen, für Schifffahrtskanäle und für die Bewirtschaftung von Fischteichen unterschieden (siehe LAWA 2013c).

Als signifikant bezeichnet werden in diesem Zusammenhang Wasserentnahmen, die für Fischfauna und/oder Makrozoobenthos nachweislich den „guten“ Zustand verhindern oder folgenden Kriterien entsprechen (nach LAWA 2013c):

  • Wasserentnahmen ohne Festlegung zu Mindestrestwasserregelung
  • Wasserentnahmen, die geltende Vorgaben für Mindestwasserregelungen der Länder nicht einhalten
  • Wasserentnahmen > 1/3 MNQ (alternativ Entnahme > 0,1 * MQ oder > 50 l/s)

Insgesamt wurden im Bereich der FGG Elbe für 100 Oberflächenwasserkörper signifikante Belastungen durch Wasserentnahmen dokumentiert (vgl. Tabelle 2.1).  

Besonders problematisch in der FGG Elbe sind Wasserentnahmen im Rahmen des Braunkohlebergbaus und Überleitungen in benachbarte Flussgebietseinheiten sowie Teil-einzugsgebiete der Elbe. Die Braunkohleförderung aus Tagebauen in Mitteldeutschland und der Lausitz hat insgesamt zu erheblichen wasserwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdefiziten geführt, die noch über Jahrzehnte wassermengen- und wassergütewirtschaftlich nachwirken werden (Grünewald 2005). Im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2012 erfolgte beispielsweise eine Überleitung von ca. 60 Mio. m³/a aus der Spree und ca. 30 Mio. m³/a aus der Schwarzen Elster zur Flutung der Bergbaufolgeseen im Lausitzer Braunkohlerevier – mit zuletzt rückläufiger Tendenz (nach LMBV 2007, 2013). Die aufgebauten Flutungsprognosen einiger Bergbaufolgeseen hinsichtlich der Erreichung der angestrebten Endwasserstände mussten auch in den vergangenen Jahren immer weiter in die Zukunft verschoben werden.

Insbesondere vor dem Hintergrund des Rückganges der Grubenwassereinleitungen aus dem aktiven Bergbau ist davon auszugehen, dass der Bedarf an Wasser zum Erreichen eines sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushaltes insgesamt die Leistungsfähigkeit der Einzugsgebiete von Spree und Schwarzer Elster übersteigt (siehe auch Kapitel 5.1). Die Niedrigwasserführung der Spree stellt für den Berliner Raum bereits seit Jahrzehnten eine besondere Herausforderung dar. Sowohl der zur Sicherung der Wasserversorgung von Berlin geforderte Mindestabfluss von 8 m³/s am Pegel Große Tränke UP sowie die erforderliche Mindestwasserführung von 4,5 m³/s unterhalb des Spreewaldes am Pegel Leibsch UP wurden in den Sommermonaten Juni bis August der 2000er Jahre permanent unterschritten (nach Grünewald 2010). Insgesamt ist auffällig, dass nicht nur die wasserwirtschaftlich angestrebten Mindestabflüsse der Spree, sondern auch die der Havel (Pegel Borgsdorf: 6 m³/s) im Sommerhalbjahr teilweise unterschritten werden.

Modellrechnungen haben gezeigt, dass vor allem in den Teileinzugsgebieten von Spree, Schwarzer Elster und Havel in längeren Trockenperioden mit erheblichen Defiziten der Wasserbereitstellung für verschiedenste Nutzer und Nutzungen zu rechnen ist (Möhring & Grossmann 2011). Erste Grundlagen auf dem Weg zu einem überregionalen Wassermengenmanagementkonzept, das den Prinzipien der Nachhaltigkeit sowie des Vorsorge- und Verursacherprinzips Rechnung trägt und sowohl Klima- als auch Landnutzungswandel berücksichtigt, wurden für den deutschen Teil des Elbeeinzugsgebiets bereits erarbeitet (Kapitel 5.1).