5.1.1 Verbesserung von Gewässerstruktur und Durchgängigkeit

a) Verbesserung der Gewässerstruktur

Das Ausmaß und die Vielzahl der wasserbaulichen Eingriffe (s. Kap. 2.1.5) machen die großen Herausforderungen deutlich, vor denen die FGG Elbe bei der Verbesserung der ökologischen Bedingungen für die aquatischen Lebensgemeinschaften steht. Maßstab der Bewertung der Gewässerstruktur ist sowohl für Seen als auch für Fließgewässer zumeist der natürliche, d. h. der vom Menschen ungestörte, (potenziell) natürliche Gewässerzustand (auch Referenzzustand oder Leitbild genannt). Die Strukturgüteklasse eines Gewässer- bzw. Seeuferabschnitts zeigt somit an, inwieweit ein Gewässer durch menschliche Eingriffe von seinem natürlichen Erscheinungsbild abweicht. Die Referenzzustände der verschiedenen Strukturelemente weisen naturräumlich bedingte Unterschiede auf, weshalb die Bewertung jedes Strukturelements in Abhängigkeit von den naturraumspezifischen, für den jeweiligen Gewässertyp charakteristischen, Eigenschaften erfolgt.

Wesentliche Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur sind insbesondere

  • Maßnahmen zur Verbesserung von Habitaten im Gewässer durch Laufveränderung, Ufer- oder Sohlgestaltung,
  • Maßnahmen zur Verbesserung von Habitaten im Uferbereich,
  • Maßnahmen zur Initiierung einer eigendynamischen Gewässerentwicklung,
  • Maßnahmen zur Verbesserung von Habitaten innerhalb des vorhandenen Profils,
  • Maßnahmen zur Anpassung und Optimierung der Gewässerunterhaltung,
  • Maßnahmen zur Auenentwicklung und zur Verbesserung von Habitaten in der Aue,
  • Maßnahmen zum Anschluss von Seitengewässern und Altarmen,
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Geschiebehaushalts bzw. Sedimentmanagements.

Ein wichtiges Element ist die Verbesserung der Quervernetzung bzw. der lateralen Konnektivität (Durchgängigkeit zwischen Fluss- und Auenlebensräumen) zwischen dem Fließgewässer und den Auenbereichen.

Im Land Mecklenburg-Vorpommern ist eine Kulisse der typkonformen Schutz- und Entwicklungskorridore entwickelt worden (s. Anhang A5-1).

Die Planung von Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur erfolgt in den meisten Bundesländern durch die Erarbeitung von Gewässerentwicklungskonzepten bzw. -plänen. Im Rahmen dieser Konzepte und Pläne werden teils unter Einbeziehung der Öffentlichkeit konkrete Maßnahmen entwickelt und verortet. Neben den Nutzungsinteressen und Rechten Betroffener werden hierbei auch Maßnahmenkosten und Wechselwirkungen sowie Synergien mit anderen Zielen, wie u.a. Zielen des Natur- oder Hochwasserschutzes, berücksichtigt. Die Gewässerentwicklungskonzepte/-pläne sind im Rahmen weiterer Planungsschritte zu konkretisieren und durch die entsprechenden Zulassungsverfahren (i. d. R. Planfeststellung oder Plangenehmigung) umzusetzen.

An Bundeswasserstraßen finden Maßnahmen zur alleinigen Verbesserung der Gewässerstruktur im Rahmen eines Ausbaus durch die jeweiligen Bundesländer statt. Bei verkehrsbezogenen Ausbaumaßnahmen sind im Rahmen der Kompensation von Eingriffen nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) auch Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) möglich. Als Beispiele lassen sich Nebengewässeranschlüsse sowie die Herstellung von Flachwasserzonen und Seitengerinnen anführen.

Gesetzliche Anforderungen an die Gewässerunterhaltung ergeben sich aus dem WHG. § 39 WHG gibt die Ausrichtung der Gewässerunterhaltung an den Zielen der WRRL vor. Im Detail sind dazu die Erhaltung des Gewässerbettes und der Ufer auch durch standortgerechte Ufervegetation sowie die Erhaltung und Förderung der ökologischen Funktionsfähigkeit des Gewässers als Lebensraum verankert. Weitere Regelungen finden sich z. T. in den Landeswassergesetzen und den Unterhaltungsrichtlinien der Länder. Der Leitfaden „Umweltbelange bei der Unterhaltung von Bundeswasserstraßen“ (BMVI 2015) ist ein Beispiel dafür, wie diese gesetzlichen Vorgaben praktisch untersetzt werden.

Gewässerstrukturverbesserungen können auch im Rahmen der Gewässerunterhaltung erzielt werden, deren Aufgabenbereich nach Einführung der WRRL zunehmend um die Berücksichtigung ökologischer Ziele erweitert wurde. Für die in der Regel zu berücksichtigenden Nutzungsansprüche (Sicherung des Wasserabflusses und der angrenzenden Nutzflächen) stehen zahlreiche angepasste Methoden zur Verfügung, mit denen die Revitalisierung eines Baches oder Flusses verbessert werden kann. Dazu gehören u. a.

  • optimierte Krautung/Böschungsmahd, z. B. durch Mähen einer Mittelgasse zur Schonung amphibischer Bereiche oder Erhalt charakteristischer Röhrichtsäume,
  • Einbringen von Totholz zur Sohlstrukturierung und damit „Anlocken“ gewünschter aquatischer Bewohner,
  • wechselnder Einbau von Raubaum-, Faschinen- oder Steinschüttbuhnen als Strömungslenker,
  • standortgerechte Uferbepflanzung zur Beschattung, u. a. um die Gewässererwärmung und die Sohlmahd zu reduzieren,
  • Einbringen von Kies in übermäßig versandete Bäche zur Entwicklung von Laichhabitaten,
  • Einbau von Weidenspreitlagen oder Vegetationsmatten als naturnahe Ufersicherung,
  • zeitliche und räumliche Einschränkung der Gewässerpflege, um Laich-, Brut- und Winterruhezeiten zu berücksichtigen,
  • Veränderung oder Optimierung des Technikeinsatzes, z. B. Vermeidung des Einsatzes von Schlegeltechnik bei der Böschungsmahd.

An Bundeswasserstraßen finden durch die WSV Unterhaltungsmaßnahmen zur Erhaltung der Verkehrsfunktion statt, in deren Rahmen die Bewirtschaftungsziele nach WHG bzw. Umweltziele nach WRRL zu berücksichtigen sind (§§ 7, 8 WaStrG). Darüber hinaus ist der Bund als Eigentümer der Bundeswasserstraßen zur Unterhaltung in wasserwirtschaftlicher Hinsicht (s. o.) verpflichtet. Im Rahmen der Unterhaltung können daher über den reinen Verkehrsbezug hinaus auch ökologische Zielstellungen aktiv erreicht werden (BMVBS 2010; IKSE 2012). Beispielhaft lassen sich hierfür Modifikationen von Strombauwerken (z. B. die Schaffung von Ein- und Auslaufsenken zur temporären Hinterströmung bei Parallelwerken, Kerbbuhnen, Erhöhung der Strukturvielfalt durch partielle Buhnenfeldberäumung, alternative Ufersicherungen, Entfernung von nicht mehr regelungswirksamen Bauwerken) anführen, wobei klarstellend zu erwähnen ist, dass dies im Bereich der Tideelbe in der Regel nicht möglich sein wird. Aber auch die Zugabe von Geschiebeersatzmaterial in Erosionsstrecken eines Gewässers (PG Erosionsstrecke 2009) kann der ökologisch angepassten Gewässerunterhaltung zugeordnet werden. Weitere Beispiele an Bundeswasserstraßen sind die Verwendung von geeignetem Baggergut zur Herstellung der Strukturvielfalt (z. B. Schaffung und Förderung von Kiesbänken und Inseln im Randbereich von Gewässern), der Erhalt von Abbrüchen und Ausspülungen zur Verbesserung der Gewässerstruktur sowie der Erhalt der Anbindung von Altarmen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur haben im ersten Bewirtschaftungszeitraum an mehr als 2.000 Wasserkörpern und somit an rund zwei Dritteln aller Wasserkörper im deutschen Einzugsgebiet der Elbe Eingang in das Maßnahmenprogramm gefunden. Die Bilanz der Umsetzung verdeutlicht den Umfang des zu bewältigenden Pensums: Bis Dezember 2012 wurden Maßnahmen an rund 10 % der geplanten Wasserkörper umgesetzt. An etwa 15 % der Wasserkörper befanden sich Maßnahmen in der Bauphase und an ca. 41 % in der Planung. An rund 34 % der Wasserkörper konnten die erforderlichen Schritte noch nicht begonnen werden. Der hohe Anteil noch nicht begonnener bzw. in Planung befindlicher Maßnahmen hat verschiedene Gründe. Oft sind bei der Planung und Umsetzung von Gewässerstrukturmaßnahmen komplizierte Abstimmungen zwischen sehr unterschiedlichen Interessen und zeitaufwändige Genehmigungsverfahren erforderlich, womit sich der Schritt von der Planung zur Umsetzung unter Umständen deutlich verzögern kann. Aber auch fehlende Flächen für die Maßnahmenumsetzung oder unzureichende finanzielle Ressourcen der Aufgabenträger können Gründe für Verzögerungen sein. Im zweiten Bewirtschaftungszeitraum bedarf es daher weiterer Anstrengungen, um den Umsetzungsprozess zu forcieren (vgl. Anhang A0-1 – Nr. 1 und 3).

Mit dem Sedimentmanagementkonzept der FGG Elbe (FGG Elbe 2013) sowie mit dem Sedimentmanagementkonzept der IKSE (IKSE 2014) wurden Handlungsempfehlungen entwickelt, deren Umsetzung einen Beitrag zur Verbesserung des Geschiebehaushaltes bzw. des Sedimentmanagements unter überregionalen Geschichtspunkten darstellen können.

Ein Kernaspekt ist dabei die besondere Bedeutung des Sedimenthaushalts für die Hydromorphologie eines Gewässers. Beide Aspekte beeinflussen sich gegenseitig. Je naturnäher der Sedimenthaushalt ist, desto naturnäher kann sich in der Regel auch der gewässertypspezifische Formenschatz eines Gewässers, d. h. die Gewässerstruktur ausbilden. Schlechter ausgeprägte hydromorphologische Eigenschaften fungieren als „Zeiger“ eines gestörten Sedimenthaushalts. Umgekehrt üben die hydromorphologischen Gewässereigenschaften Einfluss auf die Ausprägung der vorherrschenden Sedimentverhältnisse aus. Der Zusammenhang wird in diesem Konzept anhand folgender hydromorphologischer Indikatoren dargestellt: Sedimentbilanz/Beeinflussung des Abflussregimes, Sedimentdurchgängigkeit, Breitenvarianz, Tiefenvarianz, Korngrößenverteilung des Sohlsubstrats, Uferstruktur/Uferstabilität und Verhältnis von rezenter zu morphologischer Aue/Marsch. Herausgearbeitet wird, dass die großräumige und langfristige Sedimentbilanz sowie die Sedimentdurchgängigkeit eine Schlüsselfunktion für die Ausprägung der hydromorphologischen Gewässereigenschaften insgesamt haben. Auf der Basis detaillierter Erfassung und Bewertung der hydromorphologischen Indikatoren lautet die zentrale Handlungsempfehlung des Sedimentmanagementkonzepts der IKSE unter dem Aspekt Hydromorphologie für die Binnenelbe deshalb, flussgebietsübergreifende Ansätze zum Ausgleich des Sedimentdefizits und zur wirksamen Verhinderung der weiteren Sohleintiefung zu verfolgen. Hierzu gehört auch die Erhöhung der Sedimentzufuhr aus dem Einzugsgebiet, u. a. auch durch die verbesserte Sedimentdurchgängigkeit (FGG Elbe 2013, IKSE 2014). Die Berücksichtigung dieser Empfehlung kann zur Verbesserung der Gewässerstruktur beitragen.

Das Elbe-Ästuar stellt ein hochdynamisches hydromorphologisches System dar. Es unterliegt ständigen großräumigen natürlichen Veränderungen sowie zahlreichen Eingriffen in das System. Neben strombaulichen Maßnahmen im Zusammenhang mit den Fahrrinnenanpassungen zur Gewährleistung einer seeschiffstiefen Zuwegung zum Hamburger Hafen, sind auch Sturmflutsicherungsmaßnahmen, das Abtrennen von Nebenelben, der Verlust von Flachwasserbereichen durch Abgrabungen und Zuschüttungen und der Verlust von schadlos überflutbaren Außendeichbereichen von besonderer ökologischer Bedeutung. Im Bereich der Tideelbe hat die schifffahrtliche Nutzung eine hohe Bedeutung. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und die Hamburg Port Authority (HPA) unterhalten die Tideelbe gemeinsam. Die morphologischen Veränderungen in der Tideelbe haben insgesamt zu einem unausgeglichenen Sedimenthaushalt geführt. Dies wirkt sich negativ auf die Gewässerstruktur und andere Belange wie Naturschutz und Unterhaltungsbedarf aus. In der Tideelbe soll durch eine optimierte und koordinierte Unterhaltungstätigkeit von Sedimenten im Gewässer ein möglichst ausgeglichener Sedimenthaushalt erreicht werden. Unterstützend sollen hydromorphologisch wirksame strombauliche Maßnahmen Einfluss auf die Tidecharakteristik nehmen mit dem Ziel der Verringerung des „Tidal Pumping“, also des Stromauftransports von Feinsedimenten im Ästuar.

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und die Hamburg Port Authority haben ein gemeinsames Sedimentmanagementkonzept für die Tideelbe erarbeitet und sind dabei, dieses weiter zu entwickeln. Ziel ist eine Verringerung der Gesamtbaggermengen durch ein flexibles, adaptives Sedimentmanagement, das durch geeignete strombauliche Maßnahmen flankiert werden muss.

b) Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit

Die ökologische Durchgängigkeit der Fließgewässer ist im Hinblick auf die Zielerreichung der WRRL ein bedeutender Teilaspekt innerhalb der hydromorphologischen Komponenten in Unterstützung der biologischen Komponenten Fischfauna und wirbellose Fauna. Sie bildet eine wichtige Voraussetzung für eine gewässertypspezifische Ausbildung der Fischartengemeinschaft. Zudem müssen parallel auch die Lebensraumbedingungen so ausgestaltet sein, dass sie den Zielfischarten geeignete Laich- und Aufwuchshabitate bieten.

Sind die Durchgängigkeit und die Lebensraumbedingungen gestört, beispielsweise durch Ausbaumaßnahmen, Querbauwerke oder chemische Verhältnisse („Sauerstofftal“ der Tideelbe, s. u.), kann der Fluss oder Bach einen Teil seiner ökologischen Funktionen im Naturhaushalt verlieren. Die Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit der Fließgewässer und die Wiederherstellung von angemessenen Lebensräumen mit geeigneten Laich- und Aufwuchshabitaten für Fische und Neunaugen sind daher wichtige Gesichtspunkte zur Erreichung der Bewirtschaftungsziele der WRRL im Flussgebiet der Elbe.

Innerhalb des Hydromorphologie-Teilaspektes „Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit“ stellen die Querbauwerke in Fließgewässern (z. B. Sohlabstürze, Wehre, Talsperren, Wasserkraftanlagen) eine besondere Belastung dar. Es sind aber nicht nur die Querbauwerke selbst, sondern auch die damit im Zusammenhang stehenden negativen ökologischen Folgen, wie Veränderungen des Fließverhaltens und der mit der Behinderung des Sedimenttransportes einhergehenden Veränderungen der Substratstruktur und bestimmter wasserchemischer Kenngrößen (z. B. Sauerstoffmangel in Rückstaubereichen), die den Wanderfischen und Neunaugen erhebliche Probleme bereiten können.

Erwarteter Stand der Umsetzung der Handlungsziele 2015 gemäß Bewirtschaftungsplan 2009

Im Bewirtschaftungsplan 2009 wurden zur Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit an 135 Querbauwerken im Vorranggewässernetz der FGG Elbe Handlungsziele bis 2015 formuliert.

Mit der Überprüfung der Handlungsziele zum Ende des 1. Bewirtschaftungszeitraums wurden Querbauwerke, sofern sie miteinander in einem hydrologischen Zusammenhang stehen (z. B. bei Abflussaufteilungen), zu einem Standort zusammengefasst. Die für die o. g. 135 Querbauwerke gesetzten Handlungsziele verteilen sich damit auf 129 Standorte. Des Weiteren hat die Überprüfung des Maßnahmenbedarfs ergeben, dass von diesen 129 Standorten 13 Standorte bereits vor 2009 hinreichend durchgängig waren, so dass der Umsetzungsstand der geplanten Maßnahmen letztendlich an 116 Standorten zu überprüfen war.

Die 2009 im Bewirtschaftungsplan an den 116 Standorten geplanten Maßnahmen werden bis zum Ende des ersten Bewirtschaftungszeitraums 2015

  • an 34 Standorten abgeschlossen (29 %),
  • an 47 Standorten in Planung (41 %) und
  • an 26 Standorten noch nicht begonnen (22 %)

sein. An weiteren drei Standorten in der Schwarzen Elster wurden im ersten Bewirtschaftungszeitraum neue Fischaufstiegsanlagen errichtet, für die die Funktionskontrolle erhebliche Defizite auswies. Für diese Standorte wird der Umsetzungsstand daher weiterhin als „im Bau“ angegeben (3 %). Darüber hinaus stehen an sechs Standorten technisch-hydraulische und biologische Untersuchungen zur Durchgängigkeit noch aus, so dass unklar ist, ob ein Standort z. B. nach dem Bau einer Fischaufstiegsanlage oder dem Rückbau eines Querbauwerkes als durchgängig eingestuft werden kann (5 %). In der Praxis hat sich allerdings gezeigt, dass diese Abrechnung das in der Zwischenzeit tatsächlich Geleistete und Erreichte nicht vollständig widerspiegelt. Über die 2009 gesetzten Handlungsziele hinaus wurden die Planungen für weitere Standorte begonnen und z. T. auch schon umgesetzt, so dass zum Ende des ersten Bewirtschaftungszeitraums von den insgesamt 321 Standorten mit bereits identifiziertem oder noch zu klärendem Maßnahmenbedarf im Vorranggewässernetz der FGG Elbe die Maßnahmen

  • an 60 Standorten abgeschlossen und
  • an 88 Standorten in Planung

sein werden. Fünf Maßnahmen sind im Bau. An 144 Standorten der insgesamt 321 Standorte konnten die Planungen bisher noch nicht begonnen werden. Darüber hinaus ist für 24 Standorte zu klären, ob vor dem Hintergrund der Bewirtschaftungsziele nach WRRL Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit erforderlich sind.

In Abbildung 5.2 sind die Querbauwerke des Vorranggewässernetzes dargestellt, die bei der Überprüfung der Handlungsziele erfasst wurden. Der Status der Querbauwerke verdeutlicht die Defizite und den daraus abzuleitenden Handlungsbedarf bei der ökologischen Durchgängigkeit der Fließgewässer und der Etablierung einer gewässertypspezifischen Fischzönose. Über den erwarteten Stand der Umsetzung der Handlungsziele 2015 gemäß dem Bewirtschaftungsplan 2009 gibt ebenfalls Abbildung 5.2 die entsprechende Auskunft.

Große Anstrengungen haben die Länder auch bei der Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit außerhalb des Vorranggewässernetzes unternommen. Die Durchführung dieser Maßnahmen erfolgt einerseits bei der Wahrnehmung der wasserwirtschaftlichen Aufgaben, z. B. durch die Bezirke/Kreise, andererseits durch Kooperationen mit Verbänden und Organisationen im Rahmen von Aktionsbündnissen, Projekten und Patenschaften.

Mit dem Maßnahmenprogramm der FGG Elbe für den ersten Bewirtschaftungszeitraum wurde der Grundstein für eine umfassende Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit für die biologische Qualitätskomponente Fischfauna gelegt. Allerdings wurde bei der Umsetzung der Maßnahmen auch deutlich, dass viele der gesteckten Ziele nicht erreicht werden konnten und auf den nächsten Bewirtschaftungszeitraum verschoben werden müssen. Deshalb ist es weiterhin erforderlich, die bestehenden logistischen, rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten effizient einzusetzen und deren Verstärkung anzustreben.

Die Wiederherstellung von freien Wandermöglichkeiten sowohl für Fische als auch für die wirbellose Fauna ist allerdings nur ein Teilaspekt im Bemühen um eine generelle und grundlegende Verbesserung der aquatischen Lebensgrundlage in den Oberflächengewässern. Maßnahmen zur Aufwertung von Gewässerstrukturen, wie das Anlegen von Kiesbetten, die Entschlammung bestimmter Gewässerbereiche, das Einbringen von Totholz und Strömungslenkern, die Wiederansiedlung von Wasserpflanzen, der Rückbau von verbauten Uferbereichen sowie das Anlegen von naturnahen Umlaufgerinnen, stellen weitere wichtige Handlungsfelder dar (siehe Hintergrunddokument zum Teilaspekt „Verbesserung der Gewässerstruktur“ im Anhang A0-1 – Nr. 3).

Abbildung 5.2: Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit (Fischaufstieg) an Querbauwerken in Vorranggewässern der FGG Elbe - Erwarteter Stand der Umsetzung der Handlungsziele 2015 gemäß dem 1. BP
Abbildung 5.2: Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit (Fischaufstieg) an Querbauwerken in Vorranggewässern der FGG Elbe - Erwarteter Stand der Umsetzung der Handlungsziele 2015 gemäß dem 1. BP

 

 

 

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Im Hinblick auf die Elbe kommt dem im Jahr 1960 in Betrieb genommenen Wehr Geesthacht (Strom-km 585,9) eine Schlüsselstellung zu (ARGE ELBE/FGG ELBE 2008). Dieses etwa 140 km oberhalb der Mündung gelegene Querbauwerk, das die Schnittstelle zwischen der Tideelbe und der tidefreien Elbe darstellt, ist das einzige Hindernis auf bundesdeutschem Gebiet für die im Elbestrom wandernden Arten. Die Passierbarkeit des Wehres Geesthacht ist demnach von entscheidender Bedeutung für die gewässerökologische Anbindung der Mittleren und Oberen Elbe sowie ihrer Nebengewässer an die Tideelbe und die Nordsee. Oberhalb des Wehres Geesthacht befinden sich 135.013 km2 des Elbeeinzugsgebiets; dies entspricht 91 % der Flussgebietseinheit. Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Bewirtschaftungsplans 2009 war der im Jahr 1998 am Südufer errichtete Fischpass zwar nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik als durchgängig eingeschätzt worden. Aber im Sinne einer weiteren nachhaltigen Entwicklung, insbesondere der „störungsempfindlichen Arten“, war bis zum Jahr 2010 die Fischwechselkapazität am Wehr Geesthacht mit nur einer Fischwechselanlage am Südufer kritisch zu betrachten. Gemessen an den Aufstiegszahlen im Zusammenhang mit der Breite des Stromes ergab sich aus fischökologischer Sicht der Bedarf, die Fischwechselmöglichkeiten am Wehr Geesthacht zu Gunsten des ökologischen Zustands der Teileinzugsgebiete der Mittleren und der Oberen Elbe weiter zu verbessern.

Im Zuge einer auferlegten Schadensbegrenzungsmaßnahme für das Kraftwerk Moorburg errichtete die Vattenfall Europe Generation AG & Co. KG eine weitere Fischaufstiegshilfe am Nordufer des Wehres Geesthacht, die im Jahr 2010 erfolgreich in Betrieb genommen wurde (Abbildung 5.3). Die Kosten für die großzügig dimensionierte Anlage, die als Vertical-Slot-Beckenpass mit Doppelschlitzanordnung errichtet wurde, betrugen rd. 20 Mio. Euro.

Abbildung 5.3: Wehr Geesthacht, Strom-km 586, Blick auf die Fischwechseleinrichtung am Nordufer
Abbildung 5.3: Wehr Geesthacht, Strom-km 586, Blick auf die Fischwechseleinrichtung am Nordufer (Quelle: Gaumert)

Wie Ergebnisse des Monitorings belegen, verbesserte sich mit dieser Anlage die Aufstiegssituation für Fischarten und Neunaugen sowohl im Hinblick auf die Artenzahl als auch im Hinblick auf die Individuenzahlen spürbar.

Unterstützung erhält der Teilaspekt „Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit“ durch die neue Verantwortung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Mit der am 01.03.2010 in Kraft getretenen Neufassung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) wird die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) durch § 34 Abs. 3 WHG verpflichtet, an den von ihr errichteten oder betriebenen Stauanlagen der Bundeswasserstraßen Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Durchgängigkeit durchzuführen, soweit diese zur Erreichung der Ziele der WRRL erforderlich sind. Die WSV handelt hierbei hoheitlich im Rahmen ihrer Aufgaben nach dem Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG). Wenngleich die Gesamtverantwortung für die WRRL bei den Bundesländern verbleibt, so hat die WSV dennoch eine neue, aktive Rolle für Maßnahmenumsetzungen an den Bundeswasserstraßen erhalten.

Besonderer Schutz des Aals

Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der Durchgängigkeit in überregionalen Vorranggewässern sei darauf hingewiesen, dass wesentliche Grundlagen, die im Rahmen der Umsetzung der WRRL erarbeitet wurden, Eingang bei der Aufstellung des Aalmanagementplanes für die FGG Elbe gem. Verordnung (EG) Nr. 110/2007 des Rates vom 18.09.2007 mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Bestandes des Europäischen Aals gefunden haben. Beispielsweise wurde das Netz der überregionalen Vorranggewässer, in dem die ökologische Durchgängigkeit wiederhergestellt werden soll, auch als wichtiger Beitrag für die Verbesserung der Lebensgrundlage des Aales und seiner Bestandsstärke identifiziert und angeführt (Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow 2008). Zum Umsetzungsstand des Aalmanagementplanes ist regelmäßig zu berichten.

Handlungsziele des 2. Bewirtschaftungsplanes im Vorranggewässernetz bis 2021

Aufgabe im Rahmen des zweiten Bewirtschaftungszeitraums ist es, die noch nicht erreichten Handlungsziele des ersten Bewirtschaftungszeitraums weiter voranzutreiben. Zusätzlich sind jene Querbauwerke schrittweise in Angriff zu nehmen, die bereits im Bewirtschaftungsplan 2009 als „nicht durchgängig für die Fischwanderung“ identifiziert wurden, aber z. B. aus Kapazitäts- und Kostengründen nicht in das Maßnahmenprogramm aufgenommen werden konnten.

Die für das Vorranggewässernetz benannten Handlungsziele für den zweiten Bewirtschaftungszeitraum bis 2021 – insgesamt 172 Standorte betreffend – finden sich in der Abbildung 5.4.

Eine Identifizierung der in der Abbildung 5.4 dargestellten Standorte ist im Hintergrunddokument zur Wichtigen Wasserbewirtschaftungsfrage „Verbesserung der Gewässerstruktur und Durchgängigkeit“ – Teilaspekt „Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit“ über die als Anhang beigefügte Querbauwerkstabelle möglich (vgl. Anhang A0-1 – Nr. 2).

Abbildung 5.4: Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit (Fischaufstieg) an Querbauwerken in Vorranggewässern der FGG Elbe - Handlungsziel 2021 -
Abbildung 5.4: Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit (Fischaufstieg) an Querbauwerken in Vorranggewässern der FGG Elbe - Handlungsziel 2021 -

 

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