5.1.2 Reduktion der signifikanten Belastung aus Nähr- und Schadstoffen (Teil a)

Nährstoff- und Schadstoffeinträge wirken sowohl auf Oberflächengewässer als auch auf das Grundwasser. Im deutschen Recht ist der Grundsatz des flächendeckenden Gewässerschutzes in einer Vielzahl konkreter Rechtsvorschriften verankert. Diese sind als ständig wirkende „grundlegende Maßnahmen“ im Sinne des Maßnahmenprogramms anzusehen. Sie werden ausführlich in Kapitel 7 erläutert. Die grundlegenden Maßnahmen gewährleisten häufig einen flächendeckenden Mindestschutz.

Beispielhaft seien genannt: Der Vollzug der auf der Grundlage der Nitratrichtlinie (91/676/EWG) erlassenen Düngeverordnung soll die Verringerung der Nitratbelastung aus landwirtschaftlichen Quellen sicherstellen. Hier besteht durch das laufende Vertragsverletzungsverfahren ein Anpassungsbedarf bei der rechtlichen Umsetzung und dem Vollzug der Nitratrichtlinie in Deutschland. Die auf der Grundlage der novellierten Pflanzenschutzmittelrichtlinie (EG-Verordnung 1107/2009) erlassenen Verordnungen über Pflanzenschutzmittel und Pflanzenschutzgeräte (Pflanzenschutzmittelverordnung) und über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutzmittelanwendungsverordnung) bewirken, dass die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln weniger schädliche Auswirkungen auf die Gewässer hat. Bundesbodenschutzgesetz und Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung regeln die Verpflichtung zur Sanierung von Altlasten und altlastenbedingten Grundwasserschäden. Damit wird der Eintrag von altlastentypischen Schadstoffen in die Gewässer verringert und die Ausbreitung von altlastenbedingten Gewässerschäden verlangsamt bzw. verhindert.

Bereits im Bewirtschaftungsplan 2009 wurde eine deutliche Reduzierung der stofflichen Belastung an der Bilanzmessstelle Schnackenburg (Strom-km 474,5) insbesondere seit der politischen Wende dargestellt. Als Resultat umfangreicher Sanierungs- und Umweltschutzmaßnahmen im Bereich der Industrie sowie der kommunalen Abwasserreinigung aber auch durch den massiven Industrierückbau sowie aufgrund von Produktionsumstellungen in Mitteldeutschland und in der Tschechischen Republik konnte ab Mitte der 1980er Jahre bis Ende der 1990er Jahre (elementspezifisch) ein erheblicher Rückgang der Schadstoffgehalte und ‑frachten an den einzelnen Bezugsmessstellen im Elbeeinzugsgebiet verzeichnet werden.

Für den Zeitraum seit Inkrafttreten der WRRL im Jahr 2000 lassen sich dagegen nur noch geringe Veränderungen in Bezug auf die Abnahme von Stofffrachten feststellen. In Abb. 5.5 sind für einige Stoffe beispielhaft normierte Jahresfrachten der Elbe von 1997 bis 2012 an der Bilanzmessstelle Schnackenburg aufgetragen (für die Nährstoffparameter Gesamtstickstoff und Gesamtphosphor vgl. Abbildung 2.3). Die bisherigen Anstrengungen reichen trotz der erzielten Erfolge insgesamt noch nicht aus, um die Ziele der WRRL zu erfüllen. Nährstoffe und Schadstoffe zählen immer noch zu den signifikanten stofflichen Belastungen, die das Erreichen des „guten“ Zustands in vielen Oberflächenwasserkörpern verhindern (vgl. auch Kap. 2.1). Nachfolgend werden für beide Stoffgruppen daher die überregionalen Handlungsziele dargestellt.

Im Gegensatz zum Oberflächengewässer wird das Grundwasser durch Nährstoff- und Schadstoffeinträge eher lokal und wasserkörperbezogen beeinflusst, so dass es nicht notwendig ist, für das Grundwasser eigene überregionale Ziele abzuleiten. Da die Maßnahmen zur Erreichung der überregionalen Ziele u. a. auch die Landnutzung in den Einzugsgebieten der Oberflächengewässer betreffen, bewirken diese Flächenmaßnahmen gleichzeitig auch eine Verbesserung des Grundwasserzustands. Dem Ziel des „guten“ chemischen Zustands des Grundwassers wird bei der Maßnahmenplanung insoweit Rechnung getragen, als Flächenmaßnahmen zur Reduzierung der Nähr- und Schadstoffeinträge auf Gebiete mit „schlechtem“ Grundwasserzustand konzentriert werden, z. B. durch die Bildung von Flächenkulissen für Maßnahmen.

Abbildung 5.5: normierte Jahresfrachten [kg/a] der Elbe an der Bilanzmessstelle Schnackenburg 1997 bis 2012; Analyse der Schwermetalle in Wochenmischproben, organische Parameter in Einzelproben.
Abbildung 5.5: normierte Jahresfrachten [kg/a] der Elbe an der Bilanzmessstelle Schnackenburg 1997 bis 2012 (Quelle: Fachinformationssystem (FIS) der FGG Elbe); Analyse der Schwermetalle in Wochenmischproben, organische Parameter in Einzelproben.

a) Nährstoffe

Überhöhte Nährstoffkonzentrationen von Stickstoff und Phosphor führen in den Küsten-gewässern, im Elbestrom sowie in Seen und Fließgewässern zu Eutrophierungserscheinungen wie erhöhten Algenkonzentrationen und vermehrten Algenblüten, z. T. häufigeren Sauerstoffmangelsituationen und erhöhter Wassertrübung, die andere Qualitätskomponenten beeinträchtigen. Die Reduzierung der Nährstoffbelastungen von Seen ist eher eine regional zu lösende Aufgabe der Bundesländer. Das Erreichen des „guten“ ökologischen Zustands in den Küstenwasserkörpern der Elbe sowie in den Wasserkörpern des Elbestroms ist hingegen ein gemeinsam zu bewältigendes Ziel, das trotz der inzwischen erreichten Reduzierung der Nährstofffrachten aus der Elbe weiterhin verfehlt wird.

In den der Elbe vorgelagerten Küstengewässern wird der Zielwert für das 90-Perzentil der Chlorophyll a-Konzentration der Vegetationsperiode (März–September) in den Jahren 2009 -2012 um 38 % bis mehr als 400 % überschritten. Die Verhältnisse in der Nordsee werden neben dem Eintrag aus der Elbe zu einem großen Teil über den Nährstoffzustrom mit dem küstenparallelen Strom beeinflusst. Im Übergangsbereich zwischen dem limnischen und marinen System am Pegel Seemannshöft in Hamburg wird der meeresökologisch abgeleitete Zielwert von 2,8 mg/l Gesamtstickstoff als Jahresmittelwert in den Jahren 2009 - 2012 um 1 bis 25 % und im Mittel um 22 % überschritten. Die im Vergleich zum ersten BPZ geänderte Ableitung der Zielkonzentration und weitere z. T. neue Orientierungswerte sind im Hintergrunddokument zur WWBF „Reduktion der signifikanten stofflichen Belastungen aus Nähr- und Schadstoffen“ (Teilaspekt Nährstoffe) näher erläutert (vgl. Anhang A0-1 – Nr. 4). Die ökologischen Ziele in den Küstengewässern der Nordsee können nur erreicht werden, wenn auch die Stoffausträge der übrigen Nordseeanrainer verringert werden.

Im Einzugsgebiet der Elbe wird gemäß derzeitigem wissenschaftlichen Erkenntnisstand die meeresökologisch notwendige Zielkonzentration für Gesamt-Stickstoff um ca. 22 % bezogen auf das Bilanzprofil Seemannshöft überschritten; dies entspricht einem Reduzierungsbedarf der Stickstoffeinträge von 18 %. Die gegenüber dem ersten Bewirtschaftungsplan veränderte Zielableitung wurde im Auftrag der LAWA entwickelt, um für alle in die Nordsee mündenden Gewässer die gleiche Methode anzuwenden. Dieser Methodenwechsel hat zur Folge, dass nicht mehr die Differenz zwischen IST und SOLL der Chlorophyll-Konzentration in den der Elbe vorgelagerten Küstenwasserkörpern, sondern jetzt die Differenz zwischen der aktuellen mittleren, jährlichen Gesamt-Stickstoffkonzentration und der Zielkonzentration von 2,8 mg/l Gesamt-Stickstoff den Handlungsbedarf bestimmt. Bei beiden Verfahren schwankt der Handlungsbedarf aufgrund von abfluss- und witterungsbedingten Faktoren und ist daher keine dauerhaft konstante Größe.

Bei Phosphor besteht zusätzlicher überregionaler Handlungsbedarf, die Einträge im Elbestrom zu verringern. In vielen Fällen werden die gewässertypspezifischen Orientierungswerte nicht erreicht. Zum Beispiel wird am Pegel Schnackenburg der Orientierungswert für gelösten Gesamtphosphor von 0,1 mg/l im Zeitraum 2009 bis 2012 im Mittel um 30 % und am Bilanzpegel Seemannshöft um 60 % überschritten. Weitere Informationen zu den Orientierungswerten sind im Hintergrunddokument zur WWBF gegeben (vgl. Anhang A0-1 – Nr. 4).

Durch den Ausbau und die Sanierung insbesondere der großen Abwasseranlagen in den letzten beiden Jahrzehnten wurde der Anteil der Punktquellen an der Gesamtfracht erheblich reduziert. Die Anforderungen der Kommunalabwasserrichtlinie werden in Deutschland erfüllt. Im aktualisierten Maßnahmenprogramm sind ergänzende Maßnahmen zur Verminderung der Einträge aus Punktquellen dargestellt und in Kapitel 7 des aktualisierten Bewirtschaftungsplans zusammengefasst. Die Nährstofffrachten aus diffusen Quellen haben sich dagegen weniger stark vermindert. Hier sind daher weitere Frachtreduzierungen und eine Verbesserung des Stoffrückhalts erforderlich. Eine der Haupteintragsquellen ist die Landbewirtschaftung. Insofern geht es besonders um eine Minimierung von Nährstoffüberschüssen bei der landwirtschaftlichen Düngung sowie um die Verminderung von oberflächlichen Abschwemmungen und der Nitratauswaschung in Grund- und Oberflächenwasser. Als Maßnahmen kommen Bewirtschaftungsauflagen im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen, Gewinnen von Retentionsflächen bzw. -räumen, die Wiedervernässung von Feuchtgebieten und der Flussauen sowie die Anlage von Gewässerrandstreifen zur Verringerung von Nährstoffeinträgen in Oberflächengewässer zur Anwendung (vgl. Kap. 7). Durch eine umfassende Novellierung der Düngeverordnung können die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Einhaltung der Regeln und Auflagen für die Landbewirtschafter verbessert werden, so dass auch der Vollzug vor allem in primär landwirtschaftlich geprägten Belastungsgebieten weiter gestärkt werden kann. In einem Positionspapier legt die FGG Elbe die aus Sicht des Gewässerschutzes notwendigen Anforderungen an die Novellierung der Düngeverordnung dar (vgl. Anhang A0-1 – Nr. 14). Darin wird betont, dass die Düngeverordnung dahingehend zu novellieren ist, dass zu hohe Nährstoffeinträge in die Gewässer überall zuverlässig vermieden und belastete Wasserkörper zielstrebig saniert werden können. Die novellierte Fassung der Düngeverordnung soll klare und eindeutige Regelungen beinhalten, so dass aus diesem Rechtsakt Handlungsanpassungen resultieren und gleichzeitig der Grundstein für eine effizientere Kontrollierbarkeit gelegt wird. Die Einhaltung der Düngeverordnung ist nach deren Inkrafttreten verstärkt durch die dafür zuständigen Behörden zu kontrollieren. Darüber hinaus empfiehlt der Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung eine nationale Stickstoffstrategie zu erarbeiten. Ohne eine weitergehende Kooperation mit dem landwirtschaftlichen Sektor sind die Nährstoffreduktionsziele nur schwer zu erreichen. Erfreulicherweise gibt es hier erste Ansätze, so z. B. die „Allianz für den Gewässerschutz“ in Schleswig-Holstein, in der sich Landesbehörden und Bauernverband gemeinsam für die Bereitstellung breiter und möglichst dauerhafter Gewässerrandstreifen einsetzen.

Zahlreiche der festgelegten Maßnahmen für den zweiten BPZ werden ihre volle Wirkung erst im Laufe mehrerer Jahre entfalten, da der Nährstofftransport hin zum Oberflächengewässer über das Grundwasser mit zeitlicher Verzögerung erfolgt. Verminderte Nährstoffbilanzsalden als Folge einer novellierten Düngemittelverordnung wirken sich somit erst mittelfristig im Oberflächengewässer aus. Daher können die aus den ökologischen Anforderungen der Küstengewässer abgeschätzten Reduzierungsziele von 18 % am Bilanzpegel Seemannshöft auch nach Durchführung aller umsetzbaren Maßnahmen nicht innerhalb des zweiten Bewirtschaftungszeitraums bis 2021 erreicht werden. Derzeit wird geschätzt, dass bis 2027 das Erreichen des „guten“ Zustands der Küstenwasserkörper möglich ist. Hierzu werden jedoch in dem sich anschließenden dritten Planungszyklus nach 2021 weitere Maßnahmen und Regelungen insbesondere zur Reduzierung der diffusen Nährstoffeinträge aus der Landbewirtschaftung erforderlich sein.

Auf Grundlage von Wirkungsabschätzungen der Bundesländer für die im zweiten Bewirtschaftungszeitraum geplanten Maßnahmen wurde ermittelt, dass durch diese Maßnahmen im deutschen Teil der Flussgebietseinheit Elbe bis zum Ende des zweiten Bewirtschaftungszeitraums 2021 voraussichtlich eine Verminderung der Stickstoffeinträge um ~ 7,3 % und der Phosphoreinträge um ~ 6,1 % gegenüber den am langjährigen Abfluss normierten Nähr-stofffrachten des Jahres 2006 erwartet wird. Die eintragsmindernde Wirkung der als maßgebliche grundlegende Maßnahme einzuordnenden Novellierung der Düngeverordnung wird in einer Prognose der LAWA flächenhaft für Deutschland für Stickstoff mit ca. 10 % angenommen (LAWA 2014d). Aufgrund der im Vergleich zum Zielwert der Düngeverordnung nur relativ geringen Überschüsse in vielen Regionen des deutschen Teils des Elbeeinzugsgebiets kann für die FGG Elbe insgesamt jedoch nur eine geringere Reduktion von 4 % erwartet werden. Die novellierte Düngeverordnung wird vermutlich auch zu einer Verringerung der Phosphordüngung führen, so dass sich mittelfristig die Gehalte im Boden und damit einhergehend auch die Austräge vermindern werden. Diese Einschätzungen werden durch aktuelle Modellierungsergebnisse zur Nährstoffbilanzierung unterstützt. Abbildung 5.6 verdeutlicht die Abschätzung der Eintragsminderung für ergänzende Maßnahmen in den Ländern differenziert nach Eintragspfaden. Der Schwerpunkt für Stickstoff liegt dabei in einer

Reduzierung der Einträge über das Grundwasser bzw. den Interflow in den südlichen Ländern der FGG Elbe und über Drainagen in den Ländern im Norden. Eine effektive Eintragsminderung bei Phosphor ist für Punktquellen und urbane Systeme abgeschätzt. Synergien der Maßnahmen untereinander oder mit weiteren Maßnahmen, z. B. aus dem Bereich Gewässerstruktur, konnten bisher nicht berücksichtigt werden. Weitere Informationen sind im Hintergrunddokument zur WWBF - insbesondere in den Anhängen - vorhanden (vgl. Anhang A0-1 Nr. 4).

Abbildung 5.6: Pfadbezogene Abschätzung der Eintragsminderung für Stickstoff und Phosphor differenziert nach Bundesländern
Abbildung 5.6: Pfadbezogene Abschätzung der Eintragsminderung für Stickstoff und Phosphor differenziert nach Bundesländern

Es ist davon auszugehen, dass sich die Stickstoff- und Phosphorfrachten an der Bilanzmessstelle bis 2021 ebenfalls um die Größenordnung der Stoffeinträge verringern. Es kann daher erwartet werden, dass alleine durch die Maßnahmen im deutschen Anteil des Elbeeinzugsgebiets 2021 die mittlere jährliche Gesamt-Stickstoff-Konzentration auf 3,2 mg/l und die mittlere jährliche Gesamt-Phosphor-Konzentration auf 0,15 mg/l sinkt (vgl. Anhang A0-1 – Nr. 4 und Tabelle 5.1). Zusätzlich erfolgen Maßnahmen im tschechischen Elbeeinzugsgebiet, so dass sich die Differenz zum Bewirtschaftungsziel insgesamt noch weiter verringern wird.

Tabelle 5.1 summiert die Wirkungsabschätzungen für die grundlegenden und ergänzenden Maßnahmen. Die bis 2021 erwartete Reduzierung der Stickstoffeinträge von 7,3 % setzt sich aus der Umsetzung der Nitratrichtlinie mit 4 % und zu geringeren Anteilen aus ergänzenden Maßnahmen zusammen, die oben erläutert sind. Mit 5 % ist der Beitrag der ergänzenden Maßnahmen im Abwasserbereich der größte Anteil bei der erwarteten Reduzierung von 6,1 % bei den Phosphoreinträgen. Für den dritten BPZ bis 2027 ist eine weitere Verminderung der Stickstoffeinträge vorgesehen und wird das Erreichen der Meeresschutzziele erwartet. Voraussetzung dafür ist eine an die Anforderungen des Gewässerschutzes angepasste Düngeverordnung sowie die zusätzliche Optimierung der Abwasserbehandlung und Verbesserung der Retention von Stickstoff.

Für Phosphor sind Maßnahmen zur weiteren Reduzierung der Einträge im Elbstrom bis 2027 vorgesehen. Der Schwerpunkt liegt bei den ergänzenden Maßnahmen im Bereich der kommunalen Abwasserbehandlung.