5.1.3 Ausrichtung auf ein nachhaltiges Wassermengenmanagement

Die Ausrichtung auf ein nachhaltiges Wassermengenmanagement ist aus nachfolgenden Gründen eine wichtige überregionale Wasserbewirtschaftungsfrage in der FGE Elbe:

  • Die Elbe zählt zu den abflussärmsten Flussgebieten Europas. Unterschiedliche Wasserstressindikatoren weisen das Elbeeinzugsgebiet als „Wassermangelgebiet“ oder Gebiet mit „Wasserstress“ aus.
  • Das Einzugsgebiet der Elbe ist dicht besiedelt und wird vielfältig genutzt, z. B. zur Trinkwassergewinnung und Energieerzeugung, durch Industrie, Landwirtschaft, Binnenfischerei und Binnenschifffahrt sowie Erholungsaktivitäten an und im Wasser.
  • Szenarien zu den Auswirkungen des Klimawandels in Mittel- und Osteuropa beinhalten die Zunahme der Luft- und Wassertemperatur, ein häufigeres Auftreten von Temperaturextremen, den Rückgang der Niederschlagshöhe im Sommer sowie eine zunehmende Häufigkeit, Dauer und Intensität von Niedrigwasserabflüssen. Dies führt zu einer stärkeren Gefährdung des Wasserdargebots im Zusammenhang mit seiner zurückgehenden Ergiebigkeit und sich verschlechternden Qualität.

Die besondere Situation der Wasserverfügbarkeit bzw. des regionalen Wassermangels stellt eine Herausforderung für die Wasserbewirtschaftung im Elbeeinzugsgebiet dar. Das Elbeeinzugsgebiet weist deshalb ein stark anthropogen reguliertes Wasserdargebot, z. B. durch Talsperren, auf. Ein umfassendes überregionales Fernwasserversorgungssystem im mitteldeutschen Raum sowie überregionale Wasserüberleitungen sorgen für einen Ausgleich von Wasserüberschuss- zu Wassermangel-Regionen.

Für den Hauptstrom Elbe und die Hauptnebengewässer sind übergreifende Strategien für ressourcenschonende Wasserentnahmen notwendig. Dabei gilt es zum einen, die ökologischen Funktionen der Gewässer nicht zu beeinträchtigen, zum anderen aber auch die bestehenden oder zukünftigen Nutzungen aufrechtzuerhalten. Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung bietet die langjährige Bewirtschaftung unter Berücksichtigung von Mindestabflüssen, z. B. die Nutzung von multifunktionalen Talsperren zur ökologischen Niedrigwasseraufhöhung. Der Schwerpunkt der Maßnahmen zur Gewährleistung von ökologisch begründeten Mindestwasserabflüssen, aber auch zur Wiederherstellung einer gewässertypischen Abflussdynamik im deutschen Elbegebiet liegt in den Koordinierungsräumen HAV und MES.

Auch die Stärkung des natürlichen Wasserrückhalts in der Fläche ist ein wichtiger Baustein in der Wassermengenbewirtschaftung, die durch eine Vielzahl von dezentralen Maßnahmen unterstützt wird, z. B. die Wiederanbindung und Entwicklung von Gewässerauen, die Bewirtschaftung von Teichen oder die Steuerung von Sielen. Darüber hinaus sind Moorschutzprogramme der Länder ein wichtiger Bestandteil der Stabilisierung des Landschaftswasserhaushalts.

Die Veränderungen durch den Klimawandel sind aufgrund ihrer voraussichtlichen Auswirkungen in diese Betrachtungen mit einzubeziehen. Ziel ist es, unter Sicherung des Vorsorge- und des Verursacherprinzips bei der Gewinnung, Überleitung und Nutzung von Wasser für den menschlichen Gebrauch eine Ausrichtung der Bewirtschaftung auf ein nachhaltiges Wassermengenmanagement zu ermöglichen. Mit den sich abzeichnenden verminderten Werten des potenziellen und stabilen Wasserdargebotes werden sich vielfältige Konsequenzen vor allem in den Teileinzugsgebieten ergeben, die sich bereits gegenwärtig durch niedrigere Wasserverfügbarkeit oder geringe Eigendargebotswerte im Vergleich zu den wassermengen- und wassergütewirtschaftlichen Anforderungen auszeichnen. Dies betrifft vor allem das Gebiet der Oberen Havel, der Schwarzen Elster und der Spree. Daher müssen vor allem für diese Problemgebiete differenzierte und vertiefende Betrachtungen vorgenommen, weitere Maßnahmen und Managementkonzeptionen erarbeitet und die Ergebnisse länder-, sektoren- und akteurübergreifend verabredet werden.

Weitere Informationen sind dem Hintergrunddokument zu den wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen „Ausrichtung auf ein nachhaltiges Wassermengenmanagement“ und „Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels“ (vgl. Anhang A0-1 – Nr. 8) zu entnehmen.