5.1.4 Verminderung regionaler Bergbaufolgen

Bergbauaktivitäten haben sowohl aktuell als auch nach Stilllegung einen erheblichen Einfluss auf die Gewässer. Von den Bergbaufolge- und den noch aktiven Bergbaugebieten wirken sich insbesondere der großräumige Braunkohlenabbau (Abbildung 5.7) und der Kalisalzbergbau auf die hydrologischen Verhältnisse des deutschen Elbeeinzugsgebiets aus. Der Altbergbau hat lokale bis regionale, unter Beachtung der Auswirkungen über die Fließgewässer auf den Meeresschutz auch überregionale Bedeutung. Daher wurden die „Bergbaufolgen mit Auswirkungen auf die Gewässer“ als eine der wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen im deutschen Teil des Einzugsgebiets der Elbe sowohl im ersten als auch im zweiten Bewirtschaftungszyklus festgestellt. Im Hintergrunddokument „Regionale Bergbaufolgen“ zu den wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen für den 2. Bewirtschaftungszeitraum 2015-2021 (vgl. Anhang A0-1 – Nr. 9) werden die Zusammenhänge, auf die nachfolgend kurz eingegangen wird, ausführlicher erläutert.

Braunkohlebergbau

In Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt liegen zwei große Braunkohlereviere, das Lausitzer Revier und das Mitteldeutsche Revier, in denen durch die Braunkohlegewinnung im Tagebau in erheblichem Umfang Grundwasserleiter und Oberflächengewässergüte- und mengenmäßig beeinträchtigt, zeitweise als Gewässer ganz beseitigt oder auch neu hergestellt werden oder wurden. Aufgrund der energiepolitischen (Brückentechnologie) und wirtschaftlichen Bedeutung sowie der langfristigen Tagebauplanung kann die Braunkohlenutzung vorläufig nicht eingeschränkt werden.

Als Belastung auf den mengenmäßigen Zustand wirken Sanierungsbergbau und aktiver Bergbau gleichermaßen, aber mit jeweils umgekehrtem Vorzeichen. Während der Sanierungsbergbau gegenwärtig in Größenordnungen Wasser aus der fließenden Welle zur aktiven Flutung der Restlöcher entnimmt, gibt der Aktivbergbau gehobenes Grundwasser in die Vorflut ab. In Westsachsen bzw. im Mitteldeutschen Braunkohlerevier ist dieses Verhältnis gegenwärtig weitgehend ausgeglichen, da die im aktiven Bergbau gehobenen Grundwassermengen zu großen Teilen für die Flutung der Tagebaurestseen verwendet werden können.

Abbildung 5.7: Tagebau Nochten, Sachsen
Abbildung 5.7: Tagebau Nochten, Sachsen (Quelle: Vattenfall)

Auch im zweiten Bewirtschaftungszeitraum wird der Sanierungsbergbau mit dem Ziel eines sich weitgehend selbst regulierenden Wasserhaushalts fortgesetzt. Grundlage bilden die zwischen Bund und den betroffenen Bundesländern abgestimmten „Grundsätze zur nachhaltigen Sicherung der wasserwirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen in den Gebieten des Braunkohlebergbaus der Lausitz und Mitteldeutschlands“ (BMU 2001). In den letzten Jahren wurden in den Braunkohlerevieren im Einzugsgebiet der Elbe maßgebliche Sanierungsfortschritte erzielt sowie ein wissenschaftlich-technischer Vorlauf für die – unter den Bedingungen des bereits fortgeschrittenen Grundwasserwiederanstiegs anstehenden – weiteren Sanierungsschritte geschaffen. Im Hinblick auf einen ausgeglichenen Grundwasserhaushalt konnten damit in den letzten Jahrzehnten mit hohem finanziellem Einsatz bereits große Erfolge erzielt werden, die sich zwischenzeitlich positiv auf die neu entstandenen Ökosysteme auswirken. Mit Fortschreiten des Grundwasserwiederanstiegs wirken sich allerdings die hydrochemischen Veränderungen verstärkt auf die Gewässer aus und stehen zunehmend im Fokus von Gegenmaßnahmen. Bergbaubedingt veränderte Fließgewässer sind darüber hinaus aus gewässermorphologischer Sicht eine Herausforderung.

Die weitere Nutzung von Braunkohlevorkommen wird im Einklang mit den Anforderungen und Zielen der WRRL erfolgen. Das schließt die Inanspruchnahme von Ausnahmen ein (vgl. Kap. 5.2 und 5.3). Soweit erforderlich, werden dazu entsprechende, zwischen den betroffenen Bundesländern abgestimmte Konzepte aufgestellt und bei Genehmigung und Betrieb berücksichtigt.

Kalibergbau

In einzelnen Regionen Thüringens wie z. B. im Südharz wurden die Kalisalzgewinnung und deren Verarbeitung bereits eingestellt. Andere Produktionsstandorte wie Zielitz in Sachsen-Anhalt (KOR MEL) werden auch zukünftig Bestand haben.

Insbesondere die Rückstandshalden aus der Kaliproduktion werden längerfristig von Bedeutung für die Belastung der Gewässer sein. Mit dem Ablauf von Niederschlagswässern werden leicht lösliche Salze aus den Halden gelöst und in das Grundwasser oder in die Vorflut eingetragen. Als Maßnahmen kommen daher insbesondere die Fortführung der Haldenabdeckung und Begrünung sowie eine kontinuierliche Salzlaststeuerung in Betracht.

Im Bereich des aktiven Kalibergbaus liegt das Hauptaugenmerk auf Lösungen zur Gesamtsituation im Grundwasser und in den Oberflächengewässern. In diesem Zusammenhang geht es um standortbezogene Gesamtkonzepte zur Verminderung der Salzbelastung im Grundwasser und in den Oberflächengewässern, die auch technische Maßnahmen zur Reduzierung des technologisch bedingten Salzwasseranfalls und alternative Entsorgungsvarianten für die flüssigen und festen Rückstände aus der Kaliproduktion beinhalten.

Altbergbau

Auch stillgelegte Bergbaustandorte sind nach wie vor Ursache von Gewässerbelastungen. Zu diesem so genannten Altbergbau zählen insbesondere der ehemalige Erzbergbau im Erzgebirge und im Harz, der Steinkohlebergbau in Sachsen, der Schieferbergbau in Thüringen sowie der Uranerzbergbau in Sachsen und Thüringen. Radioaktive und konventionelle Schadstoffe wurden in die Atmosphäre, die Böden und die Hydrosphäre abgegeben und haben die Umwelt in erheblichem Maße belastet bzw. geschädigt.

Ende 1990 wurde der Uranerzbergbau eingestellt. Die Verwahrung und Beseitigung der zugehörigen Produktionsanlagen sowie die damit verbundene Sanierung und Wiedernutzbar­machung von devastierten und kontaminierten Flächen und Anlagen wird seit 1991 umgesetzt.

Das hydraulische Regime in den Altbergbaugebieten wurde durch die bergbaubedingte Absenkung stark verändert. Der Schwerpunkt der Sanierung liegt deshalb in der sicheren Verwahrung der Grubengebäude und der Wiederherstellung der sich natürlich einstellenden hydrogeologischen Verhältnisse durch die Grubenflutung.

Es werden über derzeit nicht absehbare Zeiträume hinweg kontaminierte Wässer wie Stollen- und Haldensickerwässer anfallen. Zur Einhaltung vorgegebener Grenzwerte der betroffenen chemischen Parameter und um mögliche Schädigungen des Grund- und Oberflächenwassers so weit wie möglich zu minimieren, wäre eine Reinigung dieser Wässer erforderlich. Für die Einrichtung entsprechender Reinigungsanlagen sind zunächst Studien bzw. Gutachten zu erstellen, die die Frage der Erheblichkeit der einzelnen Emittenten und vor allem die Frage der Verhältnismäßigkeit des Aufwandes zur Einrichtung und zum dauerhaften Betrieb der Reinigungsanlagen beantworten. Erst nach Vorlage entsprechender Unterlagen kann über eine konkrete Umsetzung der jeweiligen Maßnahme entschieden werden.

Umgang mit Bergbaufolgen

Im Umgang mit den Auswirkungen der Bergbaufolgen auf die Gewässer wird eine zwischen den betroffenen Bundesländern abgestimmte Strategie verfolgt. Die Auswirkungen des Bergbaus auf den Wasserhaushalt werden so gering wie möglich gehalten und weiter minimiert.

Die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Reduzierung der Belastungen aus Bergbaufolgen hinsichtlich der Wassermenge und -beschaffenheit werden konsequent fortgeführt. Zur Vermeidung von Nutzungskonflikten werden Maßnahmen entwickelt, die geeignet sind, die Belastungen der natürlichen Vorflut unter Beachtung wirtschaftlicher Aspekte und technischer Machbarkeiten auf ein Mindestmaß zu beschränken. Es werden geeignete länderübergreifende Strategien unter Beachtung der schon eingeleiteten Maßnahmen bei der Sanierung der Bergbaufolgelandschaften zur Wiederherstellung eines weitgehend sich selbst regulierenden Wasserhaushaltes vor dem Hintergrund des zur Verfügung stehenden Wasserdargebotes im Bereich Grund- und Oberflächenwasser entwickelt.

Die Koordinierung und die Durchführung von Sanierungen sowie die Entwicklung der Bergbaufolgelandschaften erfolgt im aufgelassenen Braunkohlebergbau (Sanierungsbergbau) im Auftrag des Bundes und der Länder durch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Die aktiven Braunkohlebergbau-Unternehmen Vattenfall Europe Mining AG (VEM) und Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) sind im Rahmen der laufenden Zulassungs- und Genehmigungsverfahren schon während des laufenden Abbaus um die Abmilderung der Umweltauswirkungen des Bergbaubetriebs bemüht.

Das Ziel der Umsetzung länderübergreifender Strategien und Konzepte zur Bewirtschaftung der Gewässer in den Braunkohlebergbaurevieren besteht einerseits in einer optimalen Nutzung der verfügbaren Wasserdargebote für Flutung und Nachsorge der Tagebauseen. Hierbei sind die jeweiligen überregionalen und regionalen Interessen sowie die Rechte von Dritten angemessen zu berücksichtigen. Andererseits wird zeitparallel das Erreichen der in den Betriebsplänen und Sanierungsrahmenplänen festgelegten mengen- und gütewirtschaftlichen Zielstellungen für die Tagebauseen und Flüsse sowie für das Grundwasser angestrebt. Dabei werden die Umweltziele der WRRL im erforderlichen Umfang mit einbezogen. Insbesondere ist einer Verschlechterung des Zustands der betroffenen Grund- bzw. Oberflächenwasserkörper nachhaltig entgegenzuwirken.

Die vollständige Berücksichtigung der Bergbaufolgeseen im Bewirtschaftungsplan und im Maßnahmenprogramm erfolgt erst nach der Fertigstellung der Gewässer und nach der weitgehenden Erfüllung der Auflagen der wasserrechtlichen Anforderungen in den Planfeststellungsbeschlüssen. In Bergbaufolgeseen, deren Fertigstellung in absehbarer Zeit erwartet wird, erfolgt bereits ein begleitendes Monitoring nach WRRL zur Ermittlung des ökologischen Potenzials.

Maßgebliches Planungs- und Entscheidungsinstrument für eine länderübergreifende Flussgebietsbewirtschaftung im Lausitzer Braunkohlerevier ist das Langfrist-bewirtschaftungsmodell „WBalMo“. Grundlage dieses Modellsystems sind spezielle „Grundsätze für die länderübergreifende Bewirtschaftung der Flussgebiete Spree, Schwarze Elster und Lausitzer Neiße“, die im Rahmen einer Arbeitsgruppe zur Flussgebietsbewirtschaftung von den betroffenen Bundesländern aufgestellt und abgestimmt wurden. In Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der Einflussfaktoren auf den Wasser- und Stoffhaushalt der Gebiete und den sich daraus ergebenden Handlungserfordernissen erfolgt eine stetige Fortschreibung und Anpassung der Bewirtschaftungsgrundsätze an neue Erkenntnisse. Die aktuelle Steuerung zur Optimierung der Speicherbewirtschaftung und Fremdflutung der Tagebauseen orientiert sich dabei an den Steuervorgaben im Rahmen der jeweiligen wasserrechtlichen Gestattungen. Zur Unterstützung der Umsetzung der Bewirtschaftungsgrundsätze bei der aktuellen Steuerung wird das Steuermodell „GRMSTEU Spree-Schwarze Elster“ verwendet.