5.2 Ziele und Ausnahmen für Oberflächenwasserkörper

5.2.1 Künstliche und erheblich veränderte Oberflächenwasserkörper

Gewässer können gemäß § 28 WHG (Art. 4 Abs. 3 WRRL) als erheblich veränderte oder künstliche Gewässer eingestuft werden, wenn die zur Erreichung des „guten“ ökologischen Zustands notwendigen hydromorphologischen Maßnahmen signifikant negative Auswirkungen auf Entwicklungstätigkeiten des Menschen oder die Umwelt im weiteren Sinne haben (vgl. Kap. 1.2.3). Die WRRL benennt als Tätigkeiten explizit Schifffahrt inkl. Häfen, Freizeitnutzung, Wasserspeicherung, Trinkwassernutzung, Stromerzeugung, Hochwasserschutz, Landentwässerung.

Für künstliche und erheblich veränderte Wasserkörper sieht die WRRL ein eigenes Bewertungsverfahren in Anlehnung an die Bewertung des ökologischen Zustands und ein alternatives Umweltziel vor. Hier gilt es, ein „gutes“ ökologisches Potenzial und einen „guten“ chemischen Zustand zu erreichen (vgl. Kap. 4.1 und Abbildung 5.8). Zum Erreichen der Umweltziele wurden analog zu den natürlichen Gewässern Maßnahmen in das Maßnahmenprogramm aufgenommen.

Die Umweltziele für HMWB und AWB sind kartographisch in den Karten 5.1 und 5.2 im Anhang sowie tabellarisch für die einzelnen Wasserkörper im Anhang 5-2 dargestellt.

Bei Vorliegen der rechtlichen Anforderungen können auch für erheblich veränderte und künstliche Wasserkörper, die das „gute“ ökologische Potenzial oder den „guten“ chemischen Zustand voraussichtlich nicht fristgerecht erreichen, Ausnahmen in Anspruch genommen werden.

Im Rahmen der Prüfung führten in den Bundesländern der FGG Elbe die signifikanten Nutzungen Landentwässerung, Hochwasserschutz, Trinkwassernutzung sowie Urbanisierung zur Ausweisung der Gewässer als erheblich verändert. Weiterhin wurden in einigen Bundesländern Freizeit und Erholung sowie die Schifffahrt als signifikante Nutzung bewertet.

Die im ersten Bewirtschaftungsplan vorgenommene Einstufung des Elbestroms hat sich bestätigt, so dass die sich von der tschechischen Grenze stromabwärts bis zum Wehr Geesthacht erstreckenden Wasserkörper als natürliche Gewässer eingestuft werden. Die im Koordinierungsraum Tideelbe liegenden Flüsse und Übergangsgewässer werden hingegen aufgrund der maßgeblichen hydromorphologischen Überprägung als erheblich veränderte Gewässer angesehen. Dementsprechend wird als Umweltziel oberhalb von Geesthacht der „gute“ ökologische Zustand angestrebt, während in den erheblich veränderten Wasserkörpern der Tideelbe das „gute“ ökologische Potenzial zu erreichen ist (Abbildung 5.8).

Abbildung 5.8: Umweltziele für den Elbestrom
Abbildung 5.8: Umweltziele für den Elbestrom (Quelle: GS FGG Elbe)