5.3.2 Fristverlängerungen für Grundwasserkörper

Die Umweltziele sind bis Ende 2015 zu erreichen. Diese Frist kann gemäß § 47 Abs. 2 WHG maximal zweimal um je sechs Jahre verlängert werden und endet damit Ende des Jahres 2027. Eine Verlängerung darüber hinaus ist nur möglich, wenn sich die Ziele aufgrund der natürlichen Gegebenheiten nicht innerhalb des verlängerten Zeitraums erreichen lassen.

Die wasserkörperscharf dargelegten Gründe der Fristverlängerung sind nachfolgend näher erläutert.

In der FGG Elbe werden für 41 % der Grundwasserkörper Fristverlängerungen vor allem für Grundwasserkörper mit Belastungen aus diffusen Quellen, hauptsächlich durch Nährstoffeinträge, aber auch Schwermetalle unbekannter Herkunft und Salzwasserintrusionen, in einigen Fällen auch für Belastungen aus Punktquellen, hauptsächlich durch Schadstofffeinträge aus Altlasten und dem Bergbau, in Anspruch genommen. Davon ist in vier Grundwasserkörpern vorgesehen, dass die Umweltziele im Rahmen der Fristverlängerung bis 2021 erreicht werden. Die Tabelle 5.6 und Tabelle 5.7 geben einen Überblick zu den Gründen für die Fristverlängerungen und den Belastungen. Die Inanspruchnahme einer Fristverlängerung ist dabei aus verschiedenen Gründen erforderlich, die in Anhang 5-3 im Einzelnen dargestellt und in der Abbildung 5.10 zusammengefasst sind.

Abbildung 5.10: Begründung für Fristverlängerung bei Grundwasserkörpern in der FGG Elbe
Abbildung 5.10: Begründung für Fristverlängerung bei Grundwasserkörpern in der FGG Elbe

Natürliche Gegebenheiten

  • Lange Sickerwasserverweil- und Grundwasserfließzeiten (oft > 50 Jahre) erlauben auch trotz Reduzierung des Stoffeintrags im Zeitrahmen der WRRL keine signifikante Verbesserung der Grundwasserqualität bis zum „guten“ chemischen Zustand.
  • Natürliche Rückhalte- und Abbauprozesse im Grundwasserleiter finden je nach Schadstoff entweder gar nicht statt oder benötigen sehr lange, den Zeitrahmen der WRRL überschreitende Zeiträume.

Fehlende technische Lösungen

  • Die Auswaschung in das Grundwasser von im Boden großräumig diffus verteilten Schadstoffen, die durch langjährige frühere Nutzungen dort akkumuliert wurden, kann nicht durch technische Lösungen verhindert werden.
  • Grundwassersanierung, d. h. das Entfernen vorwiegend von gelösten Schadstoffen aus dem Grundwasser, ist technisch lediglich für kleinräumige Grundwasserverunreinigungen möglich.
  • In einigen Fällen sind Probleme (Belastungen oder Auswirkungen auf das Grundwasser) entstanden, für die technische Lösungen erst im Zuge der laufenden Sanierung entwickelt oder weiterentwickelt werden müssen. Es sind z. B. noch Forschungsmaßnahmen erforderlich, um neue oder die laufende Sanierung ergänzende technische Lösungen ableiten zu können. In diesen Fällen kann jetzt noch nicht abgeschätzt werden, ob und wann Maßnahmen zu einer Zustandsverbesserung führen werden.

Laufzeit technischer Lösungen

  • Um effizient zu arbeiten, sind in einigen Fällen bestimmte Abfolgen von aufeinander aufbauenden Maßnahmen erforderlich (z. B. stufenweise Erkundung, schrittweise Sanierung), die zu langen Laufzeiten der technischen Arbeiten und damit zum Überschreiten der Fristen führen.
  • Die mit der Realisierung von technischen Lösungen verbundenen Verfahren, z. B. Ausschreibungsverfahren, Genehmigungsverfahren, Rechtsstreitigkeiten, bewirken Zeitverzögerungen.

Ursachen der Belastung sind unbekannt

  • In einigen Grundwasserkörpern sinken Grundwasserstände oder wurden Schwellenwerte in relevantem Ausmaß überschritten (Schwermetalle, Ammonium), ohne dass bislang die konkrete Ursache der i. d. R. den diffusen Schadstoffquellen oder Grundwasserentnahmen zuzuordnenden Belastung geklärt werden konnte. Daher ist es noch nicht möglich, technische Maßnahmen abzuleiten. Es sind stattdessen weitere Untersuchungen erforderlich und es ist jetzt noch nicht absehbar, wann der „gute“ Zustand erreicht werden kann.

Unverhältnismäßige Kosten

  • Dieses Kriterium war Ursache für Fristverlängerungen im Koordinierungsraum SAL. Die Begründungen dafür liegen in den betroffenen Bundesländern vor.
Tabelle 5.6: Gründe der Fristverlängerungen für GWK (Mehrfachnennungen sind möglich)
KOR Grundwasserkörper, für die eine Fristverlängerung in Anspruch genommen wird
  bezogen auf alle
Wasserkörper
technische Durchführbarkeit unverhältnismäßige Kosten natürliche Gegebenheiten
  Anzahl in % (Fläche) Anzahl in % (Fläche) Anzahl in % (Fläche) Anzahl in % (Fläche)
TEL 13 56 3 13 0 0 12 54
MEL 14 42 11 34 0 0 14 42
HAV* 10 11 5 6 0 0 10 11
SAL* 29 52 10 22 13 21 28 52
MES* 28 48 27 46 0 0 15 27
ODL** 0 0 0 0 0 0 0 0
BER** 0 0 0 0 0 0 0 0
HVL** 0 0 0 0 0 0 0 0
FGG
gesamt
94 40 56 23 13 5 79 36

* ohne tschechische Anteile an deutschen Koordinierungsräumen
** deutscher Anteil an tschechischen Koordinierungsräumen

Tabelle 5.7: Fristverlängerungen für GWK in Bezug auf mögliche Belastungen
Maßgebliche Belastung

Anzahl der Grundwasserkörper
mit Fristverlängerungen bezüglich

des mengenmäßigen Zustands

Anzahl der Grundwasserkörper
mit Fristverlängerungen bezüglich

des chemischen Zustands

diffuse Quellen nicht zutreffend 93
punktuelle Quellen nicht zutreffend 17
Grundwasserentnahmen 0 nicht zutreffend
Grundwasseranreicherung 0 nicht zutreffend
Salzwasserintrusionen 1 nicht zutreffend
grundwasserabhängige
Oberflächenwasserökosysteme
0 0
grundwasserabhängige
Landökosysteme
0 0
andere 0 12

 

Im Anhang A5-3 ist zusammengestellt, bis wann die Grundwasserkörper den „guten“ Zustand erreichen. Für eine Reihe von Grundwasserkörpern ist danach allerdings festzustellen, dass aufgrund der o. g. Unsicherheiten noch nicht näher bestimmt werden kann, wann der „gute“ Zustand erreicht wird.

Um diese Grundwasserkörper bis zum Ende der verlängerten Frist in den „guten“ Zustand zu überführen, sind Maßnahmen im zweiten Bewirtschaftungszeitraum bis 2021 (vgl. Kap. 7) und darüber hinaus (vgl. Anhang A5-3) vorgesehen. Das sind insbesondere Maßnahmen zur Minderung bergbau- und altlastbedingter Belastungen, zur Reduzierung von Nährstoffeinträgen und zur Kanalsanierung sowie das Monitoring zur Ursachenermittlung von Stoffeinträgen.