7.3 Ergänzende Maßnahmen

Ergänzende Maßnahmen gemäß Art. 11 Abs. 4 WRRL sind für alle der identifizierten überregional bedeutsamen Belastungsschwerpunkte erforderlich, da die festgelegten Umweltziele nach Art. 4 mit den in Kapitel 7.2 beschriebenen grundlegenden Maßnahmen nicht erreicht werden können. Überregional ausgerichtet ist das Maßnahmenprogramm demnach auf

  • Verbesserung der Gewässerstruktur und Durchgängigkeit,
  • Reduktion der signifikanten stofflichen Belastungen aus Nähr- und Schadstoffen,
  • Ausrichtung auf ein nachhaltiges Wassermengenmanagement,
  • Verminderung regionaler Bergbaufolgen,
  • Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels.

Dem Maßnahmenprogramm für den zweiten Bewirtschaftungszeitraum der FGG Elbe liegt ein deutschlandweit einheitlicher Maßnahmenkatalog (Version vom 24.01.2014) zugrunde, der sich an der Aufzählung der grundlegenden und ergänzenden Maßnahmen gem. Anhang VI WRRL orientiert und 100 Maßnahmentypen umfasst. Diese Version wurde um zwei Maßnahmentypen erweitert und um weitere Informationen zur Anwendung des DPSIR-Ansatzes sowie der Synergien zu HWRM-RL und MSRL ergänzt. Der fortgeschriebene LAWA-BLANO Maßnahmenkatalog ist zukünftig zu verwenden (LAWA 2015).

Nachfolgend sind die für den zweiten Bewirtschaftungszeitraum festgelegten ergänzenden Maßnahmen in den Oberflächengewässern und im Grundwasser nach den Belastungsschwerpunkten dargestellt.

Oberflächengewässer

In den Oberflächengewässern der FGG Elbe sind im zweiten Bewirtschaftungszeitraum fast 25.500 Maßnahmen geplant. Ca. 6.500 dieser Maßnahmen wurden bereits im ersten Bewirtschaftungszeitraum geplant und werden weiter fortgeführt bzw. abgeschlossen. Im deutschen Anteil des Koordinierungsraums Obere Moldau sind keine Maßnahmen in den Oberflächengewässern vorgesehen.

Mit mehr als der Hälfte aller Maßnahmen liegt der Schwerpunkt der Maßnahmenumsetzung in den Oberflächengewässern in fast allen Koordinierungsräumen der FGG Elbe auch im zweiten Bewirtschaftungszeitraum auf der Reduzierung der Belastungen durch Abflussregulierungen und hydromorphologische Änderungen (Abbildung 7.1). Am häufigsten vertreten sind

  • Maßnahmen zur Herstellung/Verbesserung der linearen Durchgängigkeit an Staustufen/Flusssperren, Abstürzen, Durchlässen und sonstigen wasserbaulichen Anlagen
  • Maßnahmen zur Habitatverbesserung im Uferbereich (z. B. Gehölzentwicklung)
  • Maßnahmen zur Habitatverbesserung im Gewässer durch Laufveränderung, Ufer- oder Sohlgestaltung
  • Maßnahmen zur Habitatverbesserung durch Initiieren/Zulassen einer eigendynamischen Gewässerentwicklung
  • Maßnahmen zur Habitatverbesserung im vorhandenen Profil
  • Maßnahmen zur Anpassung/Optimierung der Gewässerunterhaltung
  • Maßnahmen zur Auenentwicklung und zur Verbesserung von Habitaten
  • Maßnahmen zum Anschluss von Seitengewässern, Altarmen (Quervernetzung) sowie
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Geschiebehaushaltes bzw. zum Sedimentmanagement
  • technische und betriebliche Maßnahmen vorrangig zum Fischschutz an wasserbaulichen Anlagen.
Abbildung 7.1: Anteil der Maßnahmen in OWK nach Belastungen und Koordinierungsräumen
Abbildung 7.1: Anteil der Maßnahmen in OWK nach Belastungen und Koordinierungsräumen

Einen weiteren bedeutenden Schwerpunkt in Oberflächengewässern stellen mit knapp 30% Anteil Maßnahmen zur Reduzierung von stofflichen Belastungen aus diffusen Quellen dar. Im deutschen Einzugsgebiet der Elbe werden v.a. Maßnahmen im landwirtschaftlichen Bereich durchgeführt. Hierzu zählen insbesondere Maßnahmen zur Reduzierung

  • der Nährstoff- und Feinmaterialeinträge durch Erosion und Abschwemmung
  • der Nährstoffeinträge durch Anlage von Gewässerschutzstreifen
  • auswaschungsbedingter Nährstoffeinträge und
  • direkter Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft.

Einen größeren Schwerpunkt bei der Maßnahmenumsetzung, insbesondere in den Koordinierungsräumen MES und SAL, stellt zudem die Reduzierung der stofflichen Belastungen durch Punktquellen dar (Abbildung 7.2). Dieser umfasst insgesamt ca. 15 % aller Maßnahmen in der FGG Elbe und betrifft besonders Maßnahmen zum

  • Neubau und zur Umrüstung von Kleinkläranlagen
  • Anschluss bisher nicht angeschlossener Gebiete an bestehende Kläranlagen
  • Neubau und zur Anpassung von Anlagen zur Ableitung, Behandlung und zum Rückhalt von Misch- und Niederschlagswasser sowie zur
  • Optimierung der Betriebsweise kommunaler Kläranlagen.

Maßnahmen zur Reduzierung von Wasserentnahmen und von anderen anthropogenen Auswirkungen, wie z. B. der Fischzucht, spielen in den Oberflächengewässern der FGG Elbe nur eine untergeordnete Rolle und machen insgesamt nur 1 % aller Maßnahmen aus.

Grundwasser

Im Grundwasser sind im zweiten Bewirtschaftungszeitraum insgesamt 628 Maßnahmen zur Verbesserung des Zustands der Grundwasserkörper geplant. Davon stammen knapp 20 % der Maßnahmen aus dem ersten Bewirtschaftungszeitraum, 80 % sind neue Maßnahmen. In den deutschen Anteilen der Koordinierungsräume Berounka und Obere Moldau werden keine Maßnahmen im Grundwasser durchgeführt.

Das Hauptaugenmerk der Maßnahmenplanung liegt im Grundwasser auch im zweiten Bewirtschaftungszeitraum auf der Verringerung der Belastungen durch diffuse Quellen (Abbildung 7.2). 90 % aller Maßnahmen können diesem Bereich zugeordnet werden und betreffen v. a. die Minderung der Nähr- und Schadstoffeinträge durch die Landwirtschaft. Hierzu zählen Maßnahmen zur Reduzierung

  • der Nährstoffeinträge durch Auswaschung
  • der Nährstoffeinträge durch besondere Anforderungen in Wasserschutzgebieten und
  • der Einträge von Pflanzenschutzmitteln.

Neben der Reduzierung der landwirtschaftlichen Stoffeinträge stellt die Belastung durch den Bergbau einen weiteren Schwerpunkt bei der Maßnahmenplanung hinsichtlich der Minderung der diffusen Belastungen im Grundwasser dar. Hierzu sind Maßnahmen in den betroffenen Grundwasserkörpern in den Koordinierungsräumen MES, SAL und HAV vorgesehen.

Abbildung 7.2: Anteil der Maßnahmen in GWK nach Belastungen und Koordinierungsräumen
Abbildung 7.2: Anteil der Maßnahmen in GWK nach Belastungen und Koordinierungsräumen

Punktuelle Stoffeinträge in das Grundwasser erfolgen in der FGG Elbe v. a. durch Altlasten und den Bergbau. Altlasten und Altstandorte kommen v. a. in urbanen Ballungsräumen der neuen Bundesländer mit industrieller Tradition sowie im sog. "Mitteldeutschen Chemiedreieck" vor. Insgesamt 51 Maßnahmen (8 %) sind zur Reduzierung der Grundwasserverschmutzungen durch Punktquellen in den Koordinierungsräumen SAL, MES, HAV und MEL im zweiten Bewirtschaftungszeitraum geplant.

Ebenso wie in den Oberflächengewässern sind Maßnahmen zur Reduzierung von Wasserentnahmen und von anderen anthropogenen Auswirkungen, wie z. B. Salzwasserintrusionen, in der FGG Elbe von untergeordneter Bedeutung. Maßnahmen zur Reduzierung von Wasserentnahmen sind in insgesamt vier Grundwasserkörpern in den Koordinierungsräumen HAV und MES und Maßnahmen zur Reduzierung von anderen anthropogenen Auswirkungen in drei Grundwasserkörpern in den Koordinierungsräumen TEL und MEL vorgesehen.

Das Maßnahmenprogramm beinhaltet weiterhin zahlreiche konzeptionelle Maßnahmen in den Oberflächengewässern und im Grundwasser. Diese haben eine unterstützende Wirkung auf die grundlegenden und weiteren ergänzenden Maßnahmen. Hierzu zählen die Erstellung von Konzeptionen, Studien und Gutachten, die Durchführung von Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben, vertiefende Untersuchungen und Kontrollen sowie Beratungs-, Informations- und Fortbildungsmaßnahmen.

Beratungsmaßnahmen tragen dazu bei, die Nährstoff- und Pflanzenschutzmitteleinträge aus diffusen Quellen zu reduzieren. Fortbildungsmaßnahmen stellen eine weitere Möglichkeit dar, um im Rahmen einer angepassten Gewässerunterhaltung eine Verbesserung der Gewässerstruktur zu erreichen. Die Kosten für diese konzeptionellen Maßnahmen können nicht immer bestimmten Wasserkörpern zugeordnet werden, weil sie u. a. auch landesweit durchgeführt werden.