2 Grundlagen zur Erarbeitung des Hochwasserrisikomanagementplans

2.1 Beschreibung des Elbeeinzugsgebietes

2.1.1 Geografischer und administrativer Überblick

Die Elbe entspringt im tschechischen Teil des Riesengebirges in einer Höhe von 1.386 m ü. NN und mündet bei Cuxhaven 2 m ü. NN in die Nordsee (Abbildung 2.1). Sie hat eine Länge von 1.094,3 km. Davon befinden sich 727,0 km (66,4 %) in Deutschland und 367,3 km (33,6 %) in der Tschechischen Republik. Der Elbehauptstrom wird in die Obere, Mittlere und Untere Elbe unterteilt (siehe Tabelle 2‑1).

Abbildung 2.1: Topografische Übersichtskarte des Einzugsgebiets der Elbe (Quelle: GS FGG Elbe)
Abbildung 2.1: Topografische Übersichtskarte des Einzugsgebiets der Elbe (Quelle: GS FGG Elbe)
Tabelle 2.1: Einteilung des Elbehauptstromes (Quelle: IKSE, 2005)
Einteilung der Elbe Elbeabschnitte Elbelänge [km] Einzugsgebiet [km²]
Obere Elbe Elbequelle bis zum Übergang zum Norddeutschen Tiefland beim Schloss Hirschstein (Elbe-km 96,0 auf deutschem Gebiet) 463 54.170
Mittlere Elbe Schloss Hirschstein (Elbe-km 96,0) bis zum Wehr Geesthacht (Elbe-km 585,9) 489 80.843
Untere Elbe Wehr Geesthacht (Elbe-km 585,9) bis zur Mündung in die Nordsee an der Seegrenze in Höhe Cuxhaven-Kugelbake (Elbe-km 727,7) 142 13.255
Elbe gesamt   1.094 148.268

 

Die Größe des Gesamteinzugsgebietes der Elbe beträgt 148.268 km². Die Hauptnebenflüsse sind auf tschechischem Gebiet die Moldau mit einem Einzugsgebiet von 28.090 km² und in Deutschland die Saale mit 24.167 km², die Havel mit 23.860 km², die Mulde mit 7.400 km² und die Schwarze Elster mit 5.705 km². Weitere bedeutende Teileinzugsgebiete sind die Spree mit 9.800 km², die Berounka mit 8.861 km², die Unstrut mit 6.343 km², die Weiße Elster mit 5.154 km² und die grenzüberschreitende Eger mit 5.614 km².

Bedeutende natürliche stehende Gewässer sind die Müritz (112,6 km²), der Schweriner See (60,6 km²), der Plauer See (38,8 km²) und der Kölpinsee (20,3 km²) im Einzugsgebiet der Elde sowie der Schaalsee (23,3 km²) im Einzugsgebiet der Sude. Größere Talsperren im deutschen Elbegebiet sind die Talsperren Bleiloch (9,2 km²), Hohenwarte (7,3 km²) und Rappbode (3,9 km2) im Einzugsgebiet der Saale, die Talsperre Bautzen (5,9 km²) im Einzugsgebiet der Spree sowie die Talsperre Eibenstock (3,9 km²) im Einzugsgebiet der Mulde. Größter See infolge der Füllung von Braunkohletagebaurestlöchern ist mit ca. 18 km² der Geiseltalsee im Einzugsgebiet der Saale.

Mehr als die Hälfte der Gesamtfläche des Elbeeinzugsgebietes liegt unter 200 m ü. NN und ist damit im Wesentlichen der Norddeutschen Tiefebene zuzuordnen. Demgegenüber sind nur ca. 30 % des Einzugsgebiets mit Höhen über 400 m ü. NN, d. h. dem Mittelgebirge zuzurechnen.

Die FGE Elbe umfasst neben der Binnenelbe auch die der Tideelbe vorgelagerten Küstengewässer der Nordsee und die Insel Helgoland, die etwa 60 km vor der Küste liegt. Die Küstenlinie entlang der Tideelbe (von Friedrichskoog-Spitze in Schleswig-Holstein über Hamburg mit der Elbinsel Wilhelmsburg und Geesthacht bis Cuxhaven in Niedersachsen) hat eine Länge von etwa 347 km. An der Mündung, zwischen Friedrichskoog-Spitze und Cuxhaven-Kugelbake, ist die Tideelbe über 15 km breit. Bei Wedel am Hamburger Stadtrand beträgt die Breite noch etwa 800 m, bei Geesthacht nur noch etwa 300 m. Das Wehr in Geesthacht bildet die obere Tidegrenze.

Deutschland hat einen Anteil von 96.269 km² (65,54 %) am Einzugsgebiet der Elbe, die Tschechische Republik einen Anteil von 49.933 km² (33,68 %). Kleinere Anteile verteilen sich auf Österreich (921 km² = 0,62 %) und Polen (239 km² = 0,16 %). Die Elbe ist damit nach der Fläche des Einzugsgebietes das viertgrößte Flussgebiet Mittel- und Westeuropas. Die Flächenanteile der zehn Bundesländer, die vollständig bzw. teilweise im Einzugsgebiet der Elbe liegen, variieren zwischen 2,8 % bei Bayern und 100 % im Falle von Berlin und Hamburg (Tabelle 2‑2).

Tabelle 2.2: Landflächenanteile der deutschen Bundesländer im Einzugsgebiet der Elbe ohne Meeresflächen (Quelle: Statistische Landesämter, 2013)
Bundesland Flächen der Bundesländer im Einzugsgebiet Flächenanteil an der Landesfläche
  [km²] [%] [%]
Bayern (BY) 1.976 2,0 2,8
Berlin (BE) 892 0,9 100
Brandenburg (BB) 23.412 24,4 80
Hamburg (HH) 755 0,8 100
Mecklenburg-Vorpommern (MV) 6.176 6,3 26,5
Niedersachsen (NI) 9.021 9,6 19,4
Sachsen (SN) 17.591 18,2 95,8
Sachsen-Anhalt (ST) 19.752 20,4 96,6
Schleswig-Holstein (SH) 5.773 6,4 39,4
Thüringen (TH) 10.921 11 65,0
Summe/Mittelwert 96.269 100 62,6

 

Um eine fachlich fundierte, effektive und koordinierte Vorgehensweise für eine integrierte Gewässerbewirtschaftung zu gewährleisten, wurde im Rahmen der Umsetzung der HWRM-RL und WRRL die FGE nach hydrologischen Gesichtspunkten in zehn Koordinierungsräume entsprechend den Einzugsgebieten der Nebengewässer unterteilt. Informationen zu den fünf Koordinierungsräumen, für die Deutschland federführend zuständig ist, können Tabelle 2‑3 entnommen werden.

Tabelle 2.3: Flächen der Koordinierungsräume mit Meeresflächen für die Deutschland federführend zuständig ist
Name Tideelbe Mittlere
Elbe/Elde
Havel Saale Mulde-Elbe-Schwarze Elster
Abkürzung TEL MEL HAV SAL MES
Fläche
[km²]
15.921 16.551 23.860 24.167 18.738
Fläche in Deutschland [km²] 15.921 16.551 23.790 24.068 18.074
Fläche in Deutschland [%] 100 100 99,7 99,6 96,0
Beteiligte
Bundesländer
HH, NI, SH, ST BB, MV, NI, SH, ST BB, BE, MV, SN, ST BY, NI, SN, ST, TH BB, SN, ST, TH

 

Darüber hinaus gibt es drei Koordinierungsräume, an denen Deutschland einen Anteil hat, die jedoch federführend von der Tschechischen Republik betreut werden (Tabelle 2‑4). Die Koordinierungsräume umfassen jeweils ein oder mehrere hydrologische Teileinzugsgebiete der Elbe. Damit kann sowohl den wasserwirtschaftlichen als auch den administrativen Gegebenheiten im deutschen Teil der FGE Elbe Rechnung getragen werden.

Tabelle 2.4: Daten der deutschen Anteile an tschechischen Koordinierungsräumen
Name Eger und
Untere Elbe
Berounka Obere Moldau
Abkürzung ODL BER HVL
Fläche
[km²]
9.569 8.872 11.986
Fläche in Deutschland [km²] 922 56 75
Fläche in Deutschland [%] 9,6 1,0 1,0
Beteiligte
Bundesländer
BY, SN BY BY

Der Begriff „Untere Elbe“ für den Koordinierungsraum bezieht sich auf die Untere Elbe in der Tschechischen Republik. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem Naturraum Untere Elbe.

 

Innerhalb der Koordinierungsräume wurden für die Maßnahmenplanung nach WRRL 59 Planungseinheiten mit einer Fläche von 300 bis 5.600 km² ausgewiesen, die in der Regel mehrere Gewässer zusammenfassen (vgl. Abbildung 2.2). Auch die Risikogebiete der HWRM-RL sind diesen Planungseinheiten zugeordnet, wodurch eine gemeinsame Gebietskulisse gewährleistet ist.

Abbildung 2.2: Übersichtskarte der Koordinierungsräume bzw. Planungseinheiten der FGG Elbe
Abbildung 2.2: Übersichtskarte der Koordinierungsräume bzw. Planungseinheiten der FGG Elbe