2.1.2 Klima und hydrologische Verhältnisse

Das Einzugsgebiet der Elbe befindet sich im Bereich des Übergangs vom feuchten ozeanischen Klima Westeuropas zum trockenen kontinentalen Klima Osteuropas. Bedeutender maritimer Einfluss liegt nur in der Unteren Elbe vor.

Die Niederschläge innerhalb des (deutschen) Elbeeinzugsgebietes sind sehr unterschiedlich verteilt. Auf Grund des kontinentalen Einflusses treten im Tiefland Gebiete mit mittleren jährlichen Niederschlägen unter 500 mm auf, u. a. im Mitteldeutschen Trockengebiet, im Kern des Thüringer Beckens, im Oderbruch und in Teilen der Uckermark (DWD 2011). Die höchsten mittleren Jahresniederschläge werden mit ca. 1.800 mm auf dem Brocken im Harz sowie mit 1.150 bis 1.250 mm im Böhmerwald bzw. Thüringer Wald erreicht. In den mittleren und höheren Lagen des Einzugsgebiets fällt ein bedeutender Anteil des Niederschlags als Schnee. Die Elbe zählt auf Grund ihrer Durchflussparameter und ihrer Regimekennziffern zu den Flüssen des Regen-Schnee-Typs. Das Abflussverhalten wird wesentlich durch Schneespeicherung und Schneeschmelze beeinflusst und daher vorwiegend durch Winter- und Frühjahrshochwasser geprägt (IKSE 2005).

Einer mittleren Niederschlagshöhe von 628 mm steht eine Verdunstungshöhe von 445 mm gegenüber. Das bedeutet, dass im Mittel 71 % des Niederschlags verdunsten. Über 60 % des mittleren Jahresabflusses fließen im Winterhalbjahr ab. Im langjährigen Mittel ergibt sich daraus am Pegel Schöna am tschechisch-deutschen Grenzprofil ein Durchfluss von 311 m³/s bzw. 9,8 Mrd. m³/a. Der mittlere gemessene Durchfluss am Pegel Neu Darchau oberhalb von Geesthacht, dem Übergang zum Bereich der Unteren Elbe bzw. Tideelbe, beträgt 708 m³/s (22,3 Mrd. m³/a) (MQ 1874-2012; Quelle: Datenplattform Undine der BfG). In der Unteren Elbe (Tideelbe) unterhalb des Wehres Geesthacht werden das Abflussverhalten und die Wasserstände durch Ebbe und Flut geprägt. An der Mündung der Elbe in die Nordsee liegt der langjährige mittlere Abfluss bei 861 m³/s bzw. 27,2 Mrd. m³/a (FGG Elbe 2011).

Starke Sommerniederschläge stellen die Ausnahme dar, die wie z. B. im August 2002 und im Juni 2013 zu extremen Hochwasserereignissen in der Elbe führen können (siehe Abbildung 2.3). Winterhochwasser in der Elbe entstehen hauptsächlich in Folge intensiver Schneeschmelze bis in die Kammlagen der Mittelgebirge in Verbindung mit großflächigem ergiebigem Regen. Insbesondere in den vergangenen Jahren haben sich mehrere Hochwasser ereignet, die zu Pegelhöchstständen geführt haben (vgl. Tabelle 2‑5 und Tabelle 2‑6).

Abbildung 2.3: Junihochwasser 2013 – Rotehornpark Magdeburg (LHW)
Abbildung 2.3: Junihochwasser 2013 – Rotehornpark Magdeburg (LHW)
 Tabelle 2.5: Beispielhafte Pegelstände und Durchflüsse (Quellen: Pegeldatenbank der WSV1 bzw. IKSE (2004))
Pegel/Durchfluss/Pegelstände 2002 2003 2006 2011 2013
Schöna 16.08.2002 4780 m3/s
1204 cm
06.01.2003 2020 m3/s
743 cm
04.04.2006 2740 m3/s
881 cm
17.01.2011 2050 m3/s
746 cm
06.06.2013
3750 m³/s 1065 cm
Dresden 17.08.2002
4580 m3/s
940 cm
06.01.2003
2010 m3/s
669 cm
04.04.2006
2870 m3/s
749 cm
17.01.2011
2280 m3/s
680 cm
06.06.2013
3950 m³/s
878 cm
Magdeburg Strombrücke 19.08.2002
4180 m3/s
680 cm
09.01.2003
3070 m3/s
588 cm
04.04.2006
3670 m3/s
626 cm
19.01.2011
3720 m3/s
630 cm
09.06.2013
5140 m³/s 747 cm
Wittenberge 20.08.2002
3830 m3/s
734cm
12.01.2003
3210 m3/s
674 cm
08.04.2006
3720 m3/s
723 cm
22.01.2011
3790 m3/s
730 cm
09.06.2013
4330 m3/s 785 cm
Neu Darchau 23.08.2002 3420 m3/s
732 cm
13.01.2003
3030 m3/s
692 cm
09.04.2006
3600 m3/s
749 cm
22.01.2011
3600 m3/s
749 cm
11.06.2013
4080 m³/s 792 cm

Tabelle 2‑5: Beispielhafte Pegelstände und Durchflüsse (Quellen: Pegeldatenbank der WSV1 bzw. IKSE (2004))​

1 Die übermittelten Datensätze entstammen der Pegeldatenbank der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). Sie wurden durch die pegelbetreibenden Wasser- und Schifffahrtsämter geprüft und veröffentlicht.

 

Tabelle 2.6: Beispielhafte Pegelstände Sturmfluten
Pegel/Pegelstände 16.02.1962 03.01.1976 06.12.2013
Cuxhaven NN +4,94 m NN +5,10 m NN +5,07 m
St. Pauli NN +5,70 m NN +6,45 m NN +6,09 m

 

Die Küstenniederung wird durch eine geschlossene Deichlinie vom Sturmflutgeschehen im Ästuar getrennt. Im Bereich der einmündenden Nebenflüsse sind Sperrwerke vorhanden, die im Sturmflutfall geschlossen werden und über die bei normalen Tideverhältnissen ein Einschwingen der Tide ermöglicht wird. Die von eindringendem Meerwasser bedrohten Küstengebiete weisen an der tiefsten Stelle eine Geländehöhe von etwa drei Meter unter NN auf. Zu den extremsten Sturmfluten der letzten 100 Jahre zählen die Sturmfluten von 1962, 1976 und die Nikolausflut vom 06. Dezember 2013, bei der die bisherigen Rekordwerte von 1976 teilweise fast erreicht wurden. Ursache für die hohen Sturmflutwasserstände sind starke Orkanwinde aus nordwestlicher Richtung, die wegen der längeren Sturmdauer am 05. und 06. Dezember 2013 für eine Serie von mehreren aufeinanderfolgenden Sturmfluten sorgten.