2.3.1 Beschreibung der Inhalte der Karten

Die von den zuständigen Behörden in den Bundesländern erstellten Hochwassergefahren- und -risikokarten sind für die oberirdischen Gewässer in den Bearbeitungsmaßstäben 1:5.000 bis 1:25.000 und zusätzlich zur Darstellung der Ergebnisse für verschiedene räumliche Bezugsebenen in der FGG Elbe und den Küstengebieten in geeigneten kleineren Maßstäben dargestellt. Eine Übersicht über die in den Karten abgebildeten Überflutungsgebiete ist in Abbildung 2.6 dargestellt.

Abbildung 2.6: Potenzielle Überflutungsgebiete
Abbildung 2.6: Potenzielle Überflutungsgebiete

Hochwassergefahrenkarten:

In den Hochwassergefahrenkarten (beispielhafte Darstellung siehe Abbildung 2.7) sind die Wassertiefen für die Gebiete dargestellt, die bei Auftreten der folgenden Szenarien potenziell überflutet sind:

  • Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit oder bei Extremereignissen

  • Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit, entspricht einem statistischen Wiederkehrintervall von mindestens 100 Jahren und

  • Hochwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit, d. h. häufige Ereignisse.

 

Abbildung 2.7: Beispiel für eine Hochwassergefahrenkarte (Hamburg)
Abbildung 2.7: Beispiel für eine Hochwassergefahrenkarte (Hamburg)

In der Legende für die Hochwassergefahrenkarten sind die dargestellten Farbstufen der Wassertiefen erläutert sowie die Grenzen der Gebietskörperschaften dargestellt. Zudem wird jeweils beschrieben, welches Szenario mit welchem Wiederkehrintervall (Ausnahme: Extremereignis ohne Wiederkehrintervall) dargestellt ist (FGG Elbe 2014).

Für das mittlere Hochwasserereignis wurde ein einheitliches Wiederkehrintervall von 100 Jahren festgelegt. Für Extremereignisse bzw. Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit ist für den Elbe-Hauptstrom ein Wiederkehrintervall von 200 Jahren ggf. unter Berücksichtigung des Versagens von Hochwasserabwehrinfrastruktureinrichtungen festgelegt worden. Für die weiteren Gewässer im Elbe-Einzugsgebiet sind Wiederkehrintervalle zwischen 200 und 1000 Jahren ggf. unter Berücksichtigung des Versagens von Hochwasserabwehrinfrastruktureinrichtungen festgelegt worden. Für Hochwasser mit hoher Wahrscheinlichkeit gilt für den Elbe-Hauptstrom ein Wiederkehrintervall von 20 Jahren, für die Nebengewässer der Elbe ein Wiederkehrintervall von 10 bis 25 Jahren.

Für die ausreichend geschützten Küstengebiete im deutschen Teil der FGE Elbe wurde abweichend von den Festlegungen an den Binnengewässern für Hochwasser mit niedriger Wahrscheinlichkeit oder Szenarien für Extremereignisse festgelegt, dass der regionsspezifisch ermittelte Wasserstand mit korrespondierendem Wiederkehrintervall ggf. einschließlich eines Versagens der Hochwasserinfrastruktureinrichtungen gilt.

Mit den unterschiedlichen Intensitäten ist eine unterschiedliche Gefährdung verbunden. Die dunkelblau eingefärbten Flächen kennzeichnen Bereiche mit einer hohen Gefährdung infolge einer hohen Wassertiefe. Analog ergibt sich für die hellblau eingefärbten Bereiche eine niedrigere Gefährdung.

Unabhängig vom Farbton gehören alle blau eingefärbten Flächen zum überschwemmten Gebiet beim jeweils dargestellten Hochwasserereignis. Die auf den Karten dargestellte Intensität der Gefahr durch Überschwemmung bezieht sich stets auf ein Hochwasserereignis mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Beispielsweise wird ein Hochwasserereignis mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit (HQ100) statistisch gesehen einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten. Die Flächen außerhalb der dargestellten überschwemmten Gebiete können jedoch durch ein selteneres Hochwasser betroffen sein. Demnach kann auch außerhalb des durch ein niedriges bzw. extremes Hochwasser betroffenen Gebietes ein Restrisiko bzgl. der Gefahr durch Überschwemmung bestehen.

Hochwasserrisikokarten:

In den Hochwasserrisikokarten sind die möglichen hochwasserbedingten nachteiligen Auswirkungen der oben genannten Hochwasserszenarien innerhalb der Flächenkulisse der Hochwassergefahren dargestellt (siehe Abbildung 2.8). Für jedes betrachtete Ereignis liegen Hochwasserrisikokarten vor.

Im Einzelnen enthalten die Hochwasserrisikokarten folgende Inhalte/Betroffenheiten:

  • Anzahl der potenziell betroffenen Einwohner; diese ist mit einem Symbol, der Zahlenangabe (gerundet) und dem Namen der Gemeinde oder, bei stärkerer räumlicher Differenzierung, der zusammenhängenden Siedlungsfläche angegeben
  • Art der wirtschaftlichen Tätigkeit; sie wurde wie folgt unterschieden:
    • Wohnbauflächen und Flächen gemischter Nutzung
    • Industrieflächen, Flächen besonderer funktionaler Prägung
    • Verkehrsflächen
    • landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wald und Forst
    • Gewässer
    • sonstige Flächen

In der Karte sind nur die von Überflutung betroffenen Flächennutzungen dargestellt.

  • Industrielle Anlagen, die in den Überschwemmungsflächen liegen; hierbei handelt es sich z. B. um Anlagen des Energiesektors, Anlagen zur Herstellung und Verarbeitung von Metallen, mineralverarbeitende Industrie, chemische Industrie, Anlagen zur Be- und Verarbeitung von Papier und Holz oder Intensivtierhaltungen, von denen eine besondere Gefährdung im Hochwasserfall ausgehen kann (Standorte von IED-Anlagen, ggf. PRTR- und IVU-Anlagen).
  • Schutzgebiete (FFH- und Vogelschutzgebiete sowie die Gebiete nach Art. 7 Abs. 1 WRRL) sowie potenziell betroffene Erholungs- und Badegewässer
  • Kulturgüter mit besonderer Bedeutung, wie z. B. die UNESCO-Weltkulturerbestätten

In der Legende der Hochwasserrisikokarten sind die in der Karte verwendeten Symbole für die betroffenen Einwohner, die Art der wirtschaftlichen Tätigkeit, die Standorte der IED-Anlagen ggf. PRTR- und IVU-Anlagen, die Schutzgebiete sowie für die Kulturgüter mit besonderer Bedeutung mit ihren jeweiligen Klassifizierungen erläutert (FGG Elbe 2014).

Abbildung 2.8: Beispiel für eine Hochwasserrisikokarte (Hamburg)
Abbildung 2.8: Beispiel für eine Hochwasserrisikokarte (Hamburg)

Durch die farblich differenzierte Flächennutzung innerhalb der überschwemmten Gebiete wird eine anschauliche Darstellung hinsichtlich der Betroffenheit durch Hochwasser erreicht. Die Hochwasserrisikokarten ergänzen und erweitern somit die Informationen der Hochwassergefahrenkarten und bilden zusammen mit den Hochwassergefahrenkarten eine gute Grundlage, um Handlungsschwerpunkte für das HWRM zu identifizieren.

Darüber hinaus sind in den Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten weitere Informationen (z. B. Bauwerke, vorhandene Hochwasserschutzanlagen, Pegelanlagen, sonstige Anlagen, Objekte mit besonderem Schutzbedürfnis, Gewässerstationierungen oder die Grenze der Überflutungsfläche) entsprechend den örtlichen Erfordernissen dargestellt. Die Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten enthalten auch eine Datumsangabe zum Stand der Karte (Veröffentlichungsdatum oder Erstellungsdatum).

Interaktive Kartenanwendung:

Der zentrale Zugriff auf die Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten wird für die breite Öffentlichkeit über eine interaktive Kartenanwendung der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) ermöglicht. Der Einstieg für die FGE Elbe erfolgt über:

http://geoportal.bafg.de/mapapps/resources/apps/IKSE_DE/index.html?lang=de

Die Karte (Abbildung 2.9) zeigt die potenziellen Überflutungsgebiete in der gesamten FGE Elbe.

Die Karte dient zur Auswahl des gewünschten Gebiets und zur Weiterleitung auf die Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten der Bundesländer. Automatisch ist in der Karte nur das Extremszenario (niedrige Wahrscheinlichkeit) aktiviert. Die anderen Szenarien (hohe und mittlere Wahrscheinlichkeit), lassen sich zusätzlich aktivieren.

Die Darstellungen beruhen auf den von den zuständigen Behörden in Deutschland und der Tschechischen Republik bereitgestellten Informationen.

Abbildung 2.9: Einstiegsseite des Kartenportals (Quelle: http://geoportal.bafg.de)
Abbildung 2.9: Einstiegsseite des Kartenportals (Quelle: http://geoportal.bafg.de/mapapps/resources/apps/IKSE_DE/index.html?lang=de)