2.3.2 Schlussfolgerungen aus den Karten

Ausgangspunkt der Hochwasserrisikomanagementplanung sind die aus den Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten ableitbaren Schlussfolgerungen. Aus der Interpretation der dargestellten Inhalte lassen sich Ziele, Aktivitäten und Maßnahmen ableiten.

Die Erarbeitung und Veröffentlichung der Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten liefert einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung bzw. Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für Hochwasserrisiken.

Durch die Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten erhalten die am Hochwasserrisikomanagement beteiligten Akteure aufbereitete Grundlagen und Hinweise, um die bestehende Hochwassergefahr im eigenen Wirkungsbereich bei Planungen berücksichtigen zu können. Letztlich profitiert die gesamte Gesellschaft, wenn durch die den vorhandenen Hochwasserrisiken Rechnung tragenden Maßnahmen private und volkswirtschaftliche Schäden vermindert oder vermieden werden.

Im Einzugsgebiet der Elbe sind die in der nachfolgenden Tabelle 2.8 dargestellten Flächen bei Hochwasser betroffen.

Tabelle 2.8: Überflutungsflächen im deutschen Teil der FGE Elbe bezogen auf die Wahrscheinlichkeit von Hochwasserszenarien (Grundlage: Datenendupload am 11.08.2015)
  Wahrscheinlichkeit des Szenarios Überflutungsfläche gesamt [km2]
Landseitige Szenarien hoch 2.423,8
mittel 4.324,7
gering 8.306,7
Seeseitige Szenarien hoch 41,1
mittel 42,8
gering 661,4

 

Darüber hinaus ergeben sich aus den Hochwassergefahren- und -risikokarten die folgenden nachteiligen Folgen für die menschliche Gesundheit, die durch die Anzahl der betroffenen Einwohner dargestellt wird (Tabelle 2.9).

Tabelle 2.9: Anzahl der betroffenen Einwohner* (Grundlage: Datenendupload am 11.08.2015)
KOR Tideelbe (TEL) Mittlere Elbe/Elde (MEL) Havel (HAV) Saale (SAL) Mulde-Elbe-Schwarze Elster (MES) Eger und Untere Elbe (ODL)
bei HQexrem/HQselten 629.070 210.668 98.764 197.072 431.800 209
bei HQmittel 19.870 12.186 72.340 103.409 169.105 129
bei HQhäufig 8.610 3.478 20.105 32.557 39.570 60

* Es kann zu Mehrfachzählungen der betroffenen Einwohner kommen, wenn sich die Risikogebiete in Mündungsbereichen bzw. die Szenarien der Küsten- und Flusshochwasser (Tideelbe) überlagern.

 

Die nachteiligen Folgen für die Umwelt ergeben sich aus der Anzahl der betroffenen IED-Anlagen, ggf. PRTR- und IVU-Anlagen (Tabelle 2.10). Von diesen kann im Hochwasserfall eine besondere Gefährdung für das Schutzgut Umwelt hervorgehen.

Tabelle 2.10: Anzahl der betroffenen industriellen Anlagen* (Grundlage: Datenendupload am 11.08.2015)
KOR Tideelbe (TEL) Mittlere Elbe/Elde (MEL) Havel (HAV) Saale (SAL) Mulde-Elbe-
Schwarze Elster (MES)
Eger und Untere Elbe
bei HQextrem/HQselten 163 289 13 260 294 1
bei HQmittel 66 27 4 96 39 0
bei HQhäufig 60 4 0 57 7 0

* Es kann zu Mehrfachzählungen der betroffenen Anlagen kommen, wenn sich die Risikogebiete in Mündungsbereichen bzw. die Szenarien der Küsten- und Flusshochwasser (Tideelbe) überlagern.

Die nachteiligen Folgen für die wirtschaftliche Tätigkeit leiten sich aus den betroffenen Flächennutzungen ab (Tabelle 2.11 und Tabelle 2.12).

Tabelle 2.11: Anzahl der Gebiete (bzw. Länge der Abschnitte) nach Art. 4 und 13.1a) in Verbindung mit Art. 5 oder nach Art. 13.1b), in denen wirtschaftliche Tätigkeit und die Umwelt durch die landseitigen Szenarien betroffen sind (Grundlage: Datenendupload am 11.08.2015)
Potenzielle hochwasserbedingte
nachteilige Auswirkungen
Mittlere Wahrscheinlichkeit
  Anzahl Kilometer
Wirtschaftliche Tätigkeit allgemein 235 6.802,5
Umwelt allgemein 235 6.802,5

 

Tabelle 2.12: Anzahl der Gebiete (bzw. Länge der Abschnitte) nach Art. 4 und 13.1a) in Verbindung mit Art. 5 oder nach Art. 13.1b), in denen wirtschaftliche Tätigkeit und die Umwelt durch die seeseitigen Szenarien betroffen sind (Grundlage: Datenendupload am 11.08.2015)
Potenzielle hochwasserbedingte
nachteilige Auswirkungen
Mittlere Wahrscheinlichkeit
  Anzahl Kilometer
Wirtschaftliche Tätigkeit allgemein 1 435,8
Umwelt allgemein 1 435,8

 

Die nachteiligen Folgen für das Schutzgut Kulturerbe sind über die nachstehenden betroffenen UNESCO-Weltkulturerbestätten im deutschen Einzugsgebiet der Elbe beschrieben:

  • Schlösser und Parks in Potsdam und Berlin (anerkannt seit 1990)
  • Altstadt von Quedlinburg (anerkannt seit 1994)
  • Luther-Gedenkstätten in Eisleben und Wittenberg (anerkannt seit 1996)
  • Gartenreich Dessau-Wörlitz (anerkannt seit 2000)
  • Klassisches Weimar (anerkannt seit 1998)

Ergänzend hierzu sind seit 2015 die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mit Chilehaus in Hamburg als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.

Darüber hinaus befinden sich in den überschwemmten Siedlungsgebieten weitere kulturell bedeutsame Stätten.

Zwischen den jeweiligen Schutzgütern sind Wechselwirkungen möglich. Die Aufzählungen sind hierbei nicht abschließend, stehen jedoch als Indikatoren für die jeweilige Betroffenheit.

Die Hochwassergefahren- und -risikokarten zeigen die räumliche Betroffenheit bei Überschwemmungen. Mit ihren Aussagen zur räumlichen und schutzgutbezogenen Betroffenheit bei Überflutungen bilden die Karten für die verschiedenen Akteure eine wesentliche Grundlage für die Konzeption von Maßnahmen, mit denen bestehende Risiken verringert oder neue Risiken vermieden werden können. Je nachdem ergibt sich ein unterschiedlicher Handlungsbedarf.

Abbildung 2.10: Eine Landstraße und Ackerflächen versinken im Juni 2013 in den Fluten. An der deutschen Verkehrsinfrastruktur und im Agrarbereich entstanden durch das Hochwasser große Schäden. (Quelle: LHW)
Abbildung 2.10: Eine Landstraße und Ackerflächen versinken im Juni 2013 in den Fluten. An der deutschen Verkehrsinfrastruktur und im Agrarbereich entstanden durch das Hochwasser große Schäden. (Quelle: LHW)