4.1.2 Schutz

Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser umfassen alle Maßnahmen, die zum Management natürlicher Überschwemmungen bzw. einem Abfluss- und Einzugsgebietsmanagement ergriffen werden, sowie Maßnahmen zur Regulierung des Wasserabflusses, klassische Hochwasserschutzanlagen im und am Gewässer bzw. an der Küste und in Überschwemmungsgebieten. Darüber hinaus werden auch Maßnahmen zum Management von Oberflächengewässern einbezogen.

Unter dem Management natürlicher Überschwemmungen bzw. einem Abfluss- und Einzugsgebietsmanagement sind Maßnahmen zur Speicherung, Verzögerung und Reduzierung des Abflusses in natürlichen und künstlichen Entwässerungssystemen, wie Verbesserung der Infiltration einschließlich der Speicherung in Überschwemmungsgebieten und in vorhandenen Anlagen in den Gewässern sowie der Wiederaufforstung von Böschungen zur Wiederherstellung natürlicher Systeme zu verstehen.

Maßnahmen zur Regulierung des Abflusses umfassen alle Maßnahmen, die sich signifikant auf das hydrologische Regime auswirken. Dazu gehören anlagenbedingte Eingriffe für die Abflussregulierung, wie der Bau, die Änderung oder Beseitigung von Wasser zurückhaltenden Strukturen (z. B. Dämme oder andere angeschlossene Speichergebiete) sowie die Weiterentwicklung bestehender Vorgaben zur Abflussregulierung. Dies sind insbesondere die Planung und der Bau von Hochwasserrückhaltemaßnahmen sowie deren Betrieb, Unterhaltung und Sanierung.

Unter Anlagen im Gewässerbett, an der Küste und im Überschwemmungsgebiet werden der Ausbau, die Ertüchtigung bzw. der Neubau von stationären und mobilen Schutzeinrichtungen wie Deiche, Hochwasserschutzwände, Sperrwerke oder mobile Hochwasserschutzanlagen zusammengefasst. Auch die Unterhaltung von vorhandenen stationären und mobilen Schutzbauwerken wird in diese Maßnahmengruppe mit einbezogen.

Unter dem Management von Oberflächengewässern sind Maßnahmen zur Freihaltung und Vergrößerung der Hochwasserabflussquerschnitte im Siedlungsraum und Auenbereich sowie Gewässerunterhaltung und Vorlandmanagement zu verstehen.

Sofern die beabsichtigten Schutzmaßnahmen keiner der vorgenannten Kategorie zugeordnet werden können, wird bei der Maßnahmenmeldung die Kategorie „sonstige Schutzmaßnahmen“ verwendet. Dies sind z. B. Hochwasserschutzkonzepte.

Tabelle 4.4: Risikogebiete mit Maßnahmen im EU-Aspekt „Schutz“ (Grundlage: Datenendupload am 24.09.2015)
HWRM-Zyklus HWRM-Zyklus HWRM-Zyklus Risikogebiete mit Maßnahmenmeldungen            
EU-Aspekt der HWRM EU-Maßnahmenart(LAWA-Handlungsbereich) LAWA-Handlungsfeld (Maßnahmen-Nr. gem. Anhang H1) Anzahl Risikogebiete je Koordinierungsraum Anzahl Risikogebiete je Koordinierungsraum Anzahl Risikogebiete je Koordinierungsraum Anzahl Risikogebiete je Koordinierungsraum Anzahl Risikogebiete je Koordinierungsraum Anzahl Risikogebiete je Koordinierungsraum  
      Eger und Untere Elbe (Σ 1) Mulde-Elbe-Schwarze Elster (Σ 38) Saale (Σ 86) Mittlere Elbe/Elde (Σ 35) Havel (Σ 105) Tideelbe (Σ 17) Gesamtanzahl Risikogebiete (Σ 282)
    Natürlicher Wasserrückhalt im Einzugsgebiet (310) 1 27 52 6 8 2 96
    Natürlicher Wasserrückhalt in der Gewässeraue (311) 1 29 31 3 10 6 80
    Minderung der Flächenversiegelung (312) 1 27 9 0 6 0 43
    Natürlicher Wasserrückhalt in Siedlungsbetrieben (313) 1 5 52 3 11 6 78
  Management natürlicher Überschwemmungen/Abfluss und Einzugsgebiets-
management [M31]

(Natürlicher Wasserrückhalt)
Wiedergewinnung von Überschwemmungsgebieten (314) 1 29 54 4 12 4 104
    Erstellung von Konzeptionen/Studien/Gutachten (501) 1 0 1 17 0 2 21
    Durchführung von Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben (502) 1 8 1 0 0 0 10
    Informations- und Fortbildungsmaßnahmen (503) 1 0 1 0 0 0 2
    Beratungsmaßnahmen (504) 0 0 0 15 0 0 15
    Freiwillige Kooperationen (506) 1 0 1 0 0 0 2
    Planung und Bau von Hochwasserrückhaltemaßnahmen (315) 1 12 24 8 4 4 52
    Betrieb, Unterhaltung und Sanierung von Hochwasserrückhaltemaßnahmen (316) 0 14 23 11 15 2 65
  Regulierung Wasserabfluss [M32] (Technischer Hochwasserschutz) Erstellung von Konzeptionen/Studien/Gutachten (501) 1 0 1 0 0 0 2
    Durchführung von Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben (502) 1 0 1 0 0 0 2
    Informations- und Fortbildungsmaßnahmen (503) 1 0 1 0 0 0 2
Schutz   Freiwillige Kooperationen (506) 1 0 1 0 0 0 2
    Deiche, Dämme, Hochwasserschutzwände, mobiler Hochwasserschutz, Dünen, Strandwälle (317) 0 22 53 14 13 5 107
    Unterhaltung von vorhandenen stationären und mobilen Schutzbauwerken (318) 0 12 48 8 13 10 91
 

Anlagen im Gewässerbett, an der Küste und im Überschwemmungsgebiet [M33]
(Technische Schutzanlagen)

Erstellung von Konzeptionen/Studien/Gutachten (501) 1 0 1 15 0 0 17
    Durchführung von Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben (502) 1 8 1 0 0 0 10
    Informations- und Fortbildungsmaßnahmen (503) 1 0 1 0 0 0 2
    Freiwillige Kooperationen (506) 1 0 1 0 0 0 2
    Freihaltung und Vergrößerung der Hochwasserabflussquerschnitte im Siedlungsraum und Auenbereich (319) 1 14 40 12 13 3 83
  Management von Oberflächengewässern [M34] (Technischer Hochwasserschutz) Freihaltung der Hochwasserabflussquerschnitte durch Gewässerunterhaltung und Vorlandmanagement (320) 1 19 66 24 99 17 226
    Erstellung von Konzeptionen/Studien/Gutachten (501) 1 0 1 0 0 3 5
    Sonstige Maßnahmen zur Verbesserung des Schutzes gegen Überschwemmungen (321) 0 27 60 8 4 2 101
  Sonstige Schutzmaßnahmen [M35] Erstellung von Konzeptionen/Studien/Gutachten (501) 0 0 0 15 0 0 15
    Einrichtung bzw. Anpassung von Förderprogrammen (505) 0 0 0 2 0 3 5
    Vertiefende Untersuchungen und Kontrollen (508) 0 0 0 0 0 1 1

 

In der Tabelle 4.4 sind die für das deutsche Einzugsgebiet der Elbe gemeldeten Maßnahmen des EU-Aspekts „Schutz“ aufgeführt. Deutlich wird, dass in vielen Risikogebieten Maßnahmen der EU-Maßnahmenart „Management von Oberflächengewässern“ vorgesehen sind. Hierbei geht es vor allem um das Freihalten der Hochwasserabflussquerschnitte durch Gewässerunterhaltung und Vorlandmanagement. Einen relativ hohen Anteil haben auch die Maßnahmen zum Management natürlicher Überschwemmungen im Einzugsgebiet, wie z. B. die Wiedergewinnung von Überschwemmungsgebieten oder der natürliche Wasserrückhalt im Einzugsgebiet. Für mehr als ein Drittel der Risikogebiete wurden zudem technische Schutzanlagen wie Deiche, Dämme, Hochwasserschutzwände, mobiler Hochwasserschutz, Dünen oder Strandwälle gemeldet.

Überregional bedeutsame Maßnahmen der FGG Elbe für den EU-Aspekt „Schutz“ sind die im nationalen Hochwasserschutzprogramm aufgenommenen Maßnahmen der Deichrückverlegung, der Schaffung von steuerbarem Rückhalteraum und zur Schwachstellenbeseitigung (siehe auch IKSE 2012).

Ein gutes Beispiel ist die geplante Optimierung und Anpassung der Havelpolderung und des Stauregimes von Havel und Spree. Hierbei handelt es sich um eine Verbundmaßnahme der Länder BB, BE, MV, NI und ST. Die Havelpolder haben sich bei den Hochwassern 2002 und 2013 bewährt und die Scheitelwasserstände der Elbe unterhalb der Havelmündung deutlich gesenkt (Abbildung 4.2).

Abbildung 4.2: Wehranlage Quitzöbel an der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg zum Hochwasser 2013 (Quelle: LHW)
Abbildung 4.2: Wehranlage Quitzöbel an der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg zum Hochwasser 2013 (Quelle: LHW)