3 Strategien zur Erreichung des "guten" Zustands

3.1 Überregionale Strategien zum Erreichen der Umweltziele

Für Belastungen im Oberflächen- und Grundwasser, die auf das gesamte nationale bzw. internationale Elbeeinzugsgebiet wirken, sind übergreifende Handlungsstrategien zu deren Vermeidung bzw. Verringerung erforderlich. Im deutschen Teil des Einzugsgebietes der Elbe wurden die im Folgenden beschriebenen Handlungsfelder als wichtige Wasserbewirtschaftungsfragen (WWBF) für den 2. BPZ identifiziert.

  1. Verbesserung der Gewässerstruktur und Durchgängigkeit

Die ökologische Durchgängigkeit eines Fließgewässersystems ist neben einer natürlichen Gewässermorphologie eine wesentliche Voraussetzung für eine standortgerechte Ausbildung der Fischbiozönose als ein Indikator für die Vitalität eines Ökosystems. Werden diese Bedingungen z. B. durch Querbauwerke gestört, kann das Gewässer seine Funktionen als Teil des Naturhaushaltes nur noch stark eingeschränkt erfüllen.

Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit wurden im 1. BPZ durch die Länder der FGG Elbe überregional bedeutsame Gewässer für Fische und Rundmäuler identifiziert und als „überregionale Vorranggewässer“ ausgewiesen. Für diese Hauptwanderkorridore im Gewässernetz werden Maßnahmen zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit, bezogen sowohl auf den Fischauf- als auch den -abstieg, als besonders wichtig erachtet. Aufgrund einer Vielzahl von Querbauwerken wurden zunächst ca. 150 nicht durchgängige Querbauwerke priorisiert.

Diese Strategie wird im 2. BPZ weiterverfolgt. Aufgabe wird es sein, die noch nicht erreichten Handlungsziele des 1. BPZ zu erfüllen. Zusätzlich sind weitere, noch nicht durchgängige Querbauwerke, die aus Kapazitäts- und Kostengründen nicht in das erste Maßnahmenprogramm aufgenommen werden konnten, schrittweise in Angriff zu nehmen. Zudem sind auch Maßnahmen innerhalb des nach WRRL berichtspflichtigen Gewässernetzes im Anschluss an die Hauptwanderkorridore umzusetzen. Unterstützung bei der Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit erhalten die Bundesländer durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, die seit dem Inkrafttreten der Neufassung des WHG im März 2010 verpflichtet ist, an den von ihr errichteten oder betriebenen Stauanlagen der Bundeswasserstraßen Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Durchgängigkeit durchzuführen, soweit diese zur Erreichung der Ziele nach WRRL erforderlich sind.

Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit ist auch eine wichtige Maßnahme zur Wiederauffüllung des Bestandes des Europäischen Aals und damit Gegenstand des Aalmanagementplans für die FGG Elbe (Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow 2008) gemäß Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 des Rates vom 18. September 2007. Dort werden auch die weiteren Maßnahmen zur Zielerreichung im Detail beschrieben.

Neben der ökologischen Durchgängigkeit kann für die Erreichung der Umweltziele der WRRL auch eine Verbesserung der Gewässermorphologie notwendig sein. Geprägt wird die Gewässerstruktur in Fließgewässern natürlicherweise durch morphodynamische Prozesse, die das Ergebnis von Feststoffhaushalt sowie Wasserstands- und Abflussdynamik sind. Den verschiedenen Teilkomponenten der Gewässerstruktur (Sohle, Ufer, Gewässerumfeld) kommen zahlreiche unterschiedliche ökologische Funktionen zu. Naturnahe Gewässerstrukturen stellen daher eine wichtige Grundlage für den Erhalt bzw. die Wiederansiedlung der natürlichen Lebensgemeinschaften dar und sind für die ökologische Funktionsfähigkeit eines Gewässers von hoher Bedeutung.

Bereits im Maßnahmenprogramm 2009 wurden Maßnahmen

  • zur Initiierung einer eigendynamischen Gewässerentwicklung,
  • zur Verbesserung von Habitaten im Gewässer durch Laufveränderung, Ufer- oder Sohlgestaltung,
  • zur Verbesserung von Habitaten im Uferbereich,
  • zur Auenentwicklung und zur Verbesserung von Habitaten in der Aue,
  • zur Verbesserung von Habitaten innerhalb des vorhandenen Profils,
  • zur Verbesserung des Geschiebehaushalts bzw. Sedimentmanagements,
  • zum Anschluss von Seitengewässern und Altarmen,
  • zur Anpassung und Optimierung der Gewässerunterhaltung sowie
  • zur Reduzierung flächenhafter Erosion

identifiziert und in zahlreichen Gewässern geplant. Fehlende Flächenverfügbarkeit, Nutzungskonflikte, mangelnde Maßnahmenakzeptanz, zeitaufwändige Verwaltungsverfahren sowie unzureichende finanzielle und personelle Ressourcen haben jedoch häufig zu Verzögerungen bei der Umsetzung von Maßnahmen geführt.

Im 2. BPZ gilt es, diese Herausforderungen anzunehmen und den Prozess der Umsetzung gewässermorphologischer Maßnahmen zu forcieren und voranzutreiben. Zudem stellen eine verstärkte Ausrichtung der Gewässerunterhaltung auf ökologische Aspekte sowie die Reduzierung von Wissensdefiziten hinsichtlich der ökologischen Wirksamkeit von Gewässerstrukturmaßnahmen durch gezieltes Erfolgsmonitoring weitere Handlungsfelder zur Verbesserung der Gewässerstruktur dar.

Nähere Informationen zur Verbesserung der Gewässerstruktur und Durchgängigkeit sowie hierzu geplanter Maßnahmen für den 2. BPZ sind in den Hintergrunddokumenten zur wichtigen Wasserbewirtschaftungsfrage „Verbesserung der Gewässerstruktur und Durchgängigkeit“ (FGG Elbe 2014f und FGG Elbe 2014g) sowie in Kapitel 4.7 zu finden. Des Weiteren werden Handlungsempfehlungen aus hydromorphologischer Sicht auch im Sedimentmanagementkonzept der FGG Elbe (FGG Elbe 2013) gegeben. Diese dienten den Ländern u.a. als Grundlage zur Ableitung weiterer Maßnahmen zur Reduzierung von Belastungen durch Abflussregulierungen und morphologische Veränderungen (vgl. auch Kapitel 4.7).

  1. Reduktion der signifikanten stofflichen Belastungen aus Nähr- und Schadstoffen

Neben der Verminderung hydromorphologischer Belastungen stellt die Reduzierung von Nähr- und Schadstoffeinträgen in die Oberflächengewässer und das Grundwasser der FGE Elbe eine weitere wichtige überregionale Wasserbewirtschaftungsfrage dar.

Obwohl seit 1990 die Nährstoffeinträge innerhalb des Elbeeinzugsgebietes bereits erheblich reduziert werden konnten, weisen Küsten- und Fließgewässer sowie Seen noch immer überhöhte Nährstoffkonzentrationen für Stickstoff und Phosphor auf, die zur Verfehlung der Ziele der WRRL und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) führen.

Darüber hinaus wird im Grundwasser die Umweltqualitätsnorm von 50 mg/l für Nitrat in Teilen des deutschen Elbeeinzugsgebietes überschritten.

Bereits im 1. BPZ wurde eine Nährstoffminderungsstrategie inkl. der dafür notwenigen Maßnahmen entwickelt. Insbesondere aufgrund natürlicher Gegebenheiten wie erhöhten Nährstoffvorräten in den Böden und langsamen Fließgeschwindigkeiten im Grundwasser wurde sich darauf verständigt, die notwendige Nährstoffreduzierung auf die drei Bewirtschaftungszeiträume bis 2027 aufzuteilen. Es wurden zahlreiche Maßnahmen in der Landwirtschaft und Siedlungswasserwirtschaft sowie zur Verbesserung des Stoffrückhalts geplant und umgesetzt. Deren Wirkung kann derzeit aufgrund von z. T. eher geringen Flächenumfängen, langen Reaktionszeiten und Synergie- oder Überlagerungseffekten nur bedingt von den Monitoringprogrammen erfasst werden. Die Entwicklung der Nährstofffrachten im 1. BPZ zeigt am Pegel Seemannshöft für Stickstoff sogar eine Erhöhung in 2010 und 2011, deren Ursachen noch unklar sind. Dagegen wurde eine stetige, aber abschwächende Minderung der Phosphorfrachten am gleichen Pegel verzeichnet, jedoch mit einer hohen Variabilität der Werte (vgl. Abschnitt 2.1.3 im aktualisierten BP).

Um die Umweltziele der WRRL und MSRL hinsichtlich der Nähstoffreduzierung dennoch bis 2027 zu erreichen, wurde die Nährstoffminderungsstrategie im Rahmen der Aktualisierung des BPs weiterentwickelt und erweitert. Es wurden neue Reduktionsziele unter Berücksichtigung der Anforderungen der MSRL wissenschaftlich fundiert abgeleitet und die Nährstoffeinträge/Reduktionsanforderungen für die einzelnen Bundesländer und Teileinzugsgebiete durch Modellierungen ermittelt.

Die für den 2. BPZ prognostizierte Verminderung der Stickstoffeinträge um ~ 7,3 % und der Phosphoreinträge um ~ 6,1 % gegenüber den am langjährigen Abfluss normierten Nährstofffrachten des Jahres 2006 soll auch künftig durch Maßnahmen in den Bereichen Land- und Siedlungswasserwirtschaft sowie zur Verbesserung der Stoffrückhaltung erreicht werden. Die Erfahrungen aus dem 1. BPZ zeigen, dass im landwirtschaftlichen Bereich nur durch eine Kombination aus angepasstem Ordnungsrecht und freiwilligen Maßnahmen eine Reduktion der Nährstoffeinträge in ausreichendem Maß gelingen kann. Die Europäische Kommission hat Deutschland ermahnt, stärker gegen die Verunreinigung von Wasser durch Nitrat vorzugehen. Aufgrund der aus ihrer Sicht mangelhaften Umsetzung der Nitratrichtlinie in Deutschland ist ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet worden. Deutschland reagiert hierauf mit einer Novellierung der Düngeverordnung, die zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokumentes noch in der Abstimmung ist.

Als weiterer Baustein des Maßnahmenprogramms werden auch im aktualisierten Bewirtschaftungsplan die ergänzenden freiwilligen Maßnahmen umgesetzt. Bei diesen Maßnahmen wird die Anpassung auf die veränderte Entwicklung aus dem Ordnungsrecht erfolgen, parallel dazu aber auch eine Optimierung der einzelnen Maßnahmen. 

Im Siedlungswasserbereich betrifft dies u. a. Optimierungsmaßnahmen bestehender Kläranlagen sowie die Erweiterung bzw. den Ausbau der Regenwasserbehandlung im Trennsystem. Eine Vereinheitlichung des Fachrechts für Abstandsauflagen bei Gewässerrandstreifen und deren Etablierung sowie die sukzessive Wiederherstellung von Überflutungsräumen und Auen sollen mittel- und langfristig zur Verbesserung des Stoffrückhalts beitragen.

Die Maßnahmen sind dabei im gesamten deutschen Einzugsgebiet der Elbe vorgesehen, besonders in Einzugsgebieten, in denen die Nebengewässer der Elbe und das Grundwasser hohe Nährstoffkonzentrationen aufweisen.

Schadstoffe können in Oberflächengewässern bereits in Spurenkonzentrationen toxische Wirkungen auf Tiere und Pflanzen haben und mittelbar über verschiedene Nutzungspfade wie Trinkwassergewinnung, Fischverzehr und landwirtschaftliche Auennutzung die menschliche Gesundheit beeinträchtigen. Aktuell verfehlen aufgrund von Schadstoffbelastungen alle Oberflächengewässer die Ziele der WRRL und z. T. der MSRL. Schadstoffbelastungen führen in einigen Grundwasserkörpern ebenfalls zur Einstufung in den „schlechten“ chemischen Zustand.

Die Festlegung und Umsetzung von Maßnahmen zur Verminderung der Schadstoffbelastungen erfolgte im BP 2009 nach Ermittlung der maßgeblichen Reduzierungsanforderungen an den überregionalen Bilanzierungsmessstellen und einer Analyse der Überschreitungen von Umweltqualitätsnormen (UQN) und der Rolle der dafür maßgeblichen Quellen in den Bundesländern. Da ein Großteil der anorganischen und organischen Schadstoffbelastungen nicht aus gegenwärtigen Einträgen stammt, wurden bereits begonnen, umfangreiche Maßnahmen der Altlastensanierung von überregionaler Bedeutung (z. B. ökologische Großprojekte Bitterfeld/Wolfen und Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt und Sanierungsvorhaben der Wismut GmbH in Sachsen und Thüringen) fortgesetzt. Zudem lag ein Schwerpunkt auf konzeptionellen Arbeiten wie Gutachten, vertiefenden Untersuchungen und Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Die Analysen ergaben u. a., dass kontaminierte Sedimente der Elbe und ihrer Nebenflüsse bedeutsame sekundäre Quellen von Schadstoffemissionen darstellen.

Für die Erfassung, Bewertung und Reduzierung partikelgebundener Schadstoffe hat die FGG Elbe deshalb ein flussgebietsweites Sedimentmanagementkonzept erarbeitet (FGG Elbe 2013). Es wurden 29 elberelevante Schadstoffe bzw. -gruppen identifiziert und teileinzugsgebietsscharf relevante Quelltypen und -regionen ermittelt. Aus den Ergebnissen wurden Maßnahmenoptionen abgeleitet und deren Wirkungen hinsichtlich des Reduzierungsumfangs im Bereich der jeweiligen Schadstoffquelle abgeschätzt.

Die Ergebnisse des Monitorings während des 1. BPZ haben gezeigt, dass die bisherigen Anstrengungen zur Schadstoffreduzierung unzureichend und weitergehende Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind. Das Sedimentmanagementkonzept und insbesondere die dort aufgeführten Maßnahmenoptionen dienten als fachliche Grundlage für die detaillierte Maßnahmenplanung in der FGG Elbe im 2. BPZ. Die hieraus abgeleiteten Maßnahmen finden sich überwiegend bei den Maßnahmen zur Reduzierung der Belastungen aus anderen diffusen Quellen wieder (vgl. Kapitel 4.7) und sollen einen weiteren Beitrag zur Erreichung des „guten“ chemischen/ökologischen Zustands nach WRRL und des „guten“ Umweltzustand nach MSRL leisten.

Ferner sollen für Stoffe und Stoffgruppen mit bis jetzt geringer Datenbasis und für neuartige Gewässerbelastungen (z. B. durch Arzneistoffe und Biozide) weitere Arbeiten hinsichtlich Datenerhebung und Risikobewertung für die Elbe durchgeführt und Handlungsstrategien entwickelt werden.

Weitere Informationen zu den Nähr- und Schadstoffen und den geplanten Maßnahmen sind in Kapitel 4.7 und in den Hintergrunddokumenten zur wichtigen Wasserbewirtschaftungsfrage „Reduktion der signifikanten stofflichen Belastungen aus Nähr- und Schadstoffen“ (FGG Elbe 2014d und FGG Elbe 2014e) aufgeführt.

  1. Ausrichtung auf ein nachhaltiges Wassermengenmanagement

Die Ausrichtung auf ein nachhaltiges Wassermengenmanagement ist aus nachfolgenden Gründen eine wichtige überregionale Wasserbewirtschaftungsfrage in der FGG Elbe:

  • Die Elbe zählt zu den abflussärmsten Flussgebieten Europas. Unterschiedliche Wasserstressindikatoren weisen das Elbeeinzugsgebiet als „Wassermangelgebiet“ oder Gebiet mit „Wasserstress“ aus.

  • Das Einzugsgebiet der Elbe ist dicht besiedelt und wird vielfältig genutzt, z. B. zur Trinkwassergewinnung und Energieerzeugung, durch Industrie, Landwirtschaft, Binnenfischerei und Binnenschifffahrt sowie Erholungsaktivitäten an und im Wasser.

  • Mögliche Szenarien zu den Auswirkungen des Klimawandels in Mittel- und Osteuropa beinhalten die Zunahme der Luft- und Wassertemperatur, ein häufigeres Auftreten von Temperaturextremen, den Rückgang der Niederschlagshöhe im Sommer sowie die Verstärkung der Niedrigwasserabflüsse. Dies führt zu einer stärkeren Gefährdung des Wasserdargebots im Zusammenhang mit seiner zurückgehenden Ergiebigkeit und sich verschlechternden Qualität.

Die besondere Situation der Wasserverfügbarkeit bzw. des regionalen Wassermangels stellt eine Herausforderung für die Wasserbewirtschaftung im Elbeeinzugsgebiet dar. Das Elbeeinzugsgebiet weist ein stark anthropogen reguliertes Wasserdargebot, z. B. durch Talsperren, auf. Ein umfassendes überregionales Fernwasserversorgungssystem im mitteldeutschen Raum sowie überregionale Wasserüberleitungen sorgen für einen Ausgleich von Wasserüberschuss- zu Wassermangel-Regionen.

Um Defizite bei der künftigen Wasserbereitstellung zu vermeiden, wird es aufgrund des klimabedingten Dargebotsrückgangs erforderlich sein, sowohl konzeptionelle Maßnahmen als auch Optionen für ein nachhaltiges Management der Wasserressourcen zu erarbeiten. Bereits im 1. BPZ wurden Maßnahmen zur Reduzierung von Wasserentnahmen geplant und umgesetzt. Auf dem Weg zu einem überregionalen Wassermengenmanagementkonzept für das deutsche Einzugsgebiet der Elbe wurden in einem ersten Schritt die „Grundlagen für ein überregionales Wassermanagement im deutschen Einzugsgebiet der Elbe unter Berücksichtigung von Klima- und Landnutzungswandel“ erarbeitet. Dieses und das im Rahmen der Aktualisierung des BPs erstellte Hintergrunddokument (FGG Elbe 2014c) bilden die Basis für die Planung überregionaler Maßnahmen zur Verbesserung des Wassermengenmanagements im 2. BPZ. Für Gebiete mit niedrigerer Wasserverfügbarkeit oder geringen Eigendargebotswerten im Vergleich zu den wassermengen- und wassergütewirtschaftlichen Anforderungen (Obere Havel, Schwarze Elster und Spree) müssen zudem differenzierte und vertiefende Betrachtungen erfolgen und weitere Maßnahmen und Managementkonzepte erarbeitet werden.

Weitere Informationen sind dem Hintergrunddokument zu den wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen „Ausrichtung auf ein nachhaltiges Wassermengenmanagement“ und „Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels“ (FGG Elbe 2014c) zu entnehmen.

  1. Verminderung regionaler Bergbaufolgen

Bergbauaktivitäten haben sowohl aktuell als auch nach Stilllegung Einfluss auf Gewässer. Von den Bergbaufolge- und den noch aktiven Bergbaugebieten wirkt sich insbesondere der großräumige Braunkohlenabbau in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt auf die hydrologischen Verhältnisse des deutschen Elbeeinzugsgebiets aus. Der Altbergbau hat lokale und regionale Bedeutung.

Hinsichtlich der Auswirkungen des Bergbaus auf die GWK kann zwischen der Beeinflussung des mengenmäßigen und/oder chemischen Grundwasserzustands unterschieden werden. Die Bergbaufolgen führen für einige GWK zu einer Einstufung in den „schlechten“ mengenmäßigen Zustand und für andere GWK in den „schlechten“ chemischen Zustand (Parameter: Sulfat, Schwermetalle z. B. Arsen). Bedeutende Auswirkungen des Bergbaus auf Fließgewässerwasserkörper betreffen neben stofflichen Belastungen auch den morphologischen Gewässerzustand (z. B. Dichtung, Begradigung, technischer Ausbau/Befestigung Sohle und Ufer). Dies trägt in erheblichem Maße dazu bei, dass entsprechend betroffene OWK den guten ökologischen Zustand momentan nicht erreichen.

Generell wird die im 1. BPZ umgesetzte und zwischen den Bundesländern abgestimmte Strategie zur Minderung von Bergbaufolgen auch im 2. BPZ konsequent fortgesetzt. Die Auswirkungen des Bergbaus auf den Wasserhaushalt werden so gering wie möglich gehalten und weiter minimiert. Beim Braunkohlebergbau gilt es, die Umwelt- bzw. Gewässerbelastungen beim Sanierungsbergbau zu minimieren und ein möglichst hohes Gewässerschutzniveau bereits in der Planungs- und Abbauphase im aktiven Bergbau zu berücksichtigen.

Es werden geeignete länderübergreifende Strategien unter Beachtung der schon eingeleiteten Maßnahmen bei der Sanierung der Bergbaufolgelandschaften zur Wiederherstellung eines weitgehend sich selbst regulierenden Wasserhaushaltes vor dem Hintergrund des zur Verfügung stehenden Wasserdargebotes im Bereich Grund- und Oberflächenwasser entwickelt. Die vollständige Berücksichtigung der Bergbaufolgeseen im MNP und im BP erfolgt erst nach der Fertigstellung der Gewässer und nach der weitgehenden Erfüllung der Auflagen der wasserrechtlichen Anforderungen in den Planfeststellungsbeschlüssen. In Bergbaufolgeseen, deren Fertigstellung in absehbarer Zeit erwartet wird, erfolgt bereits ein begleitendes Monitoring nach WRRL zur Ermittlung des ökologischen Potenzials.

Beim Kalibergbau in Thüringen und Sachsen-Anhalt kommen als Maßnahmen bei den Rückstandshalden die Fortführung der Haldenabdeckung und Begrünung sowie eine kontinuierliche Salzlaststeuerung in Betracht. Im aktiven Bergbau stehen standortbezogene Gesamtkonzepte zur Verminderung der Salzbelastung, die auch technische Maßnahmen zur Reduzierung des technologisch bedingten Salzwasseranfalls und alternative Entsorgungsvarianten für die flüssigen und festen Rückstände aus der Kaliproduktion beinhalten, im Vordergrund.

Auch der Altbergbau, zu dem v. a. der ehemalige Erzbergbau im Erzgebirge und Harz, der Steinkohlebergbau in Sachsen und der Uranerzbergbau in Sachsen und Thüringen zählen, führt noch immer zu Gewässerbelastungen. Beim Uranerzbergbau, der erst Ende 1990 eingestellt wurde, dauert die Sanierung und Wiedernutzbarmachung der devastierten und kontaminierten Flächen und Anlagen weiterhin an. Hinsichtlich des veränderten hydraulischen Regimes in den Altbergbaugebieten besteht die Aufgabe, die natürlichen hydrogeologischen Verhältnisse durch Grubenflutungen wiederherzustellen und die Belastungen des Grund- und Oberflächenwassers durch kontaminierte Stollen- und Haldensickerwässer so weit wie möglich zu minimieren. Zur Planung und Umsetzung kosteneffizienter Maßnahmen sind hierzu zunächst noch vertiefende Untersuchungen durchzuführen.

Ausführlichere Informationen zur Verminderung regionaler Bergbaufolgen sind im Hintergrunddokument zur wichtigen Wasserbewirtschaftungsfrage „Verminderung regionaler Bergbaufolgen“ (FGG Elbe 2014h) zu finden.

  1. Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels

Die Folgen des Klimawandels, Maßnahmen zum Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sind wichtiger Bestandteil der Umweltpolitik. Langfristige Änderungen von meteorologischen oder klimatischen Kenngrößen (Temperatur, Niederschlag, Wind, etc.) beeinflussen direkt oder indirekt den Landschaftswasserhaushalt. Dazu zählen z. B. das Abflussregime, Hochwasser- und Niedrigwasserereignisse sowie damit zusammenhängend die Gewässerstruktur und Grundwasserneubildung, ebenso wie physikalisch-chemische und biologische Eigenschaften von Oberflächenwasserkörpern und Grundwasserqualität. Die Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels ist ein strategisches Handlungsfeld, in dem eine integrative Betrachtung notwendig ist. Diese WWBF hat daher in ihrer Zielstellung eine Schnittmenge mit allen anderen WWBF der FGG Elbe. Ziel ist eine umfassende Berücksichtigung der potentiellen Auswirkung des Klimawandels bei der Maßnahmenauswahl bzw. Maßnahmenwirksamkeit. Um den zu erwartenden Einfluss von Klimaänderungen auf Bewirtschaftungsmaßnahmen über das Ende des 1. BPZ hinaus zu berücksichtigen, wurden die verschiedenen Maßnahmen zur Verbesserung des Gewässerzustands einem „KlimaCheck“ unterzogen (vgl. Kapitel 3.4).